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Irene Franken/Ina Hoerner: Hexen. Die Verfolgung in Köln. Köln 2000 (Emons-Verlag), 240 Seiten, 36,-- DM zu bestellen über: Emons-Verlag, Bestellabteilung oder über jede Buchhandlung. |
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Die folgende Chronik ist eine Ergänzung zum gedruckten Text.
Ergänzungen und Hinweise sind willkommen.
Chronik der verfolgten Frauen und Männer
Literaturhinweise
1074-1489
1500-1600 1600-18. Jh. (folgt)
Von 1074/75 datiert die erste aus Köln überlieferte Verfolgung einer Frau wegen Zauberei. Sie soll einige Menschen um den Verstand gebracht haben (dementare = Verstand verwirren) und wurde während des Aufstandes gegen Erzbischof Anno in einem Akt der Volksjustiz von der Stadtmauer gestürzt.
1143 Laut laut Propst Everwin von Steinfeld werden in Köln KetzerInnen entdeckt und es kommt zu einem Ketzerprozess; die Beschuldigten sind auch durch gelehrte Disputationen nicht zu bekehren und werden vom aufgebrachten Volk verbrannt. Diese "Jünger Satans" sind Frauen und Männer.
1146 Zum Beginn des zweiten Kreuzzuges kommt es zu neuen Ausschreitungen gegen Juden/Jüdinnen -Erzbischof Arnold I. stellt ihnen als Schutzort die Wolkenburg im Siebengebirge zur Verfügung.
1148 Mißernten, Hochwasser
1163 Ketzereiprozeß unter Erzbischof Rainald von Dassel, im Anschluß wurde(n) in Köln mehrere Häretiker (Katharer?) gefangengenommen, von "erfahrenen Männern" verhört und durch das weltliche Gericht verurteilt. Vor vielen ZuschauerInnen wurden sie neben dem Judenfriedhof (bei der Bonner Strasse) verbrannt. Unter ihnen war auch eine "wunderschöne, aber häretische Jungfrau. Einige zogen sie aus Mitleid aus dem Feuer und versprachen ihr, daß sie sie entweder einem Mann übergeben wollten oder, wenn sie das lieber wolle, in einem Kloster unterbringen würden" (Caesarius von Heisterbach)- kurzum: Man bot ihr eine der beiden "orthodoxen" Lebensmodelle an. Der Autor fährt fort: "...während sie dem Worte nach zugestimmt hatte, sagte sie zu den sie Haltenden: 'Sagt mir, wo liegt jener Verführer?' Und als sie ihr den Meister Arnold zeigten, da riß sie sich aus ihren Händen los, bedeckte das Gesicht mit ihrem Kleid und stürzte sich über den Leib des Toten, und mit ihm stieg sie in die Hölle hinab, um auf ewig zu brennen."
1248-1254 und 1257-1260 Wirken des Albertus Magnus - in Köln, u.a. Leiter des Generalstudiums der Dominikaner in Köln. Das Generalstudium der Dominikaner wird die wichtigste dominikanische Niederlassung auf deutschem Boden.
Albertus ist einer der größten Theologen seiner Zeit, so begründet er eine sich von der Magie distanzierende Wissenschaft. Albertus Magnus äußert sich u.a. zum Wesen von Zauberinnen.
Um 1223 entsteht in Köln die Beginenbewegung.
1225 Caesarius von Heisterbach veröffentlicht seinen Dialogus miraculorum.
1248-1252 Der Dominikaner Thomas von Aquin - der berühmteste Schüler des Albertus Magnus studiert und arbeitet in Köln als Assistent des Lektors (Theologie) am Generalstudium der Dominikaner. Er gilt als bedeutendster Philosoph und Theologe des Mittelalters und hat Einfluß auf die katholische Lehre bis heute.Thomas von Aquin behandelt die Existenz von Zauberinnen und Dämonen. Er erklärt, daß die Magie nicht das Werk von Zauberinnen, sondern das von Teufeln sei und entwickelt eine Hypothese, nach der der Mensch mit den Dämonen einen ausdrücklichen oder geheimen Pakt eingehen kann. Somit können alle abergläubischen Handlungen ketzerisch sein. Der Mönch behauptet, daß Menschen und Dämonen Geschlechtsverkehr als Incubus und Succubus miteinander haben können (Teufelsbuhlschaft).
1235 Durch eine Breve von Papst Gregor IX. wird die Inquisition endgültig eingesetzt.
1252 Die Folter wird als Mittel der Wahrheitsfindung eingeführt.
1262-1270 Christina aus Stommeln - eine Besessene und Mystikerin - berichtet Petrus von Dacien von ihren Erscheinungen.
1288 Der Erzbischofs wird als weltlicher Herrscher Kölns abgesetzt (Schlacht von Worringen).
1310 oder 1315 ?? Das Konzil von Vienne verschlechterte die Rechtsstellung der Beginen. Diese sind fortan kein laienreligiöser Stand mehr und ketzerische frauenbewußte Positionen der Beginen werden verdammt. Beginenverfolgungen finden vor allem an Mittel- und Oberrhein statt. Ab 1372 kommt es auch in Köln zu Beginenverfolgungen; 1400 leben ca. 1.150 Beginen in Köln in 169 Konventen - die maximale Zahl in Deutschland und in der Epoche. 1400 erneute Verfolgungswelle, - Inquisitoren aus dem Dominikanerorden wollen gegen Beginen vorgehen, - Kölner Pfarrer treten für sie ein und stellen sie als gewissenhafte Kirchgängerinnen und Rechtgläubige dar. 1421 Papst an Erzbischof Köln: Er soll alle Beginen Konvente auflösen... - Urkunde von Papst Martin V. für das Erzbistum Köln: Er befürchtet, die ordensregellos lebenden Beginen könnten leicht scandalae et pericula hervorrufen. Der Kölner Rat versucht ab der Mitte des 15. Jh., eine Reduzierung der Beginenkonvente durchzusetzen.
1349 Ausbreitung der Pest, die Menschen sind - u.a: durch Klimaverschlechterung, und Mißernten ohne Widerstandskraft, - geschwächt und anfällig, massiver Bevölkerungsrückgang.
1349 Verschwörungstheorien gegen Juden in Köln, Vorwurf: sie wollten die Christen durch Brunnenvergiftung vernichten. Die Pogrome sind theologisch legitimiert, werden aber von weltlichen Gruppierungen (Fürsten, Stadträte, Volk) agiert. Massenmord an Juden/Jüdinnen.
1349-1362 Ein Erlaß Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep zeigt: Zaubereidelikte nehmen zu.
1388 Gründung der Universität Köln durch die Stadtväter, die Dominikaner stellen einen großen Teil der Professoren.
1396 Der Verbundbrief stellt die neue Stadtverfassung Kölns dar; der Rat wird oberste Verwaltungsbehörde, und die Handwerker erhalten langfristig die Macht; Zunftgründungen folgen auf dem Fuß, so auch 1397 die Frauenzünfte der Garnmacherinnen und Goldspinnerinnen und später die der Seidmacherinnen.
1424 Juden und Jüdinnen werden endgültig aus Köln vertrieben und dürfen nur noch mit Passierschein über Tag einreisen. Ab 1510 dürfen - laut einem Ratsbeschluß - Juden/Jüdinnen die Stadt nur noch mit gelber Kennzeichnung (Ring sichtbar an Kleidung befestigt) betreten.
Etwa 1435 mischt sich ein junges Mädchen als "Jungfrau von Orleans" in Männerkleidern und bewaffnet in die kriegerischen Unternehmungen anläßlich des Trierer Bischofsstreits ein. Sie wird der Zauberei bezichtigt (sie wird beschuldigt, zerrissene Tücher und zerbrochene Gläser wiederhergestellt zu haben) und vom Kölner Inquisitor Kalteisen vor seinen Richterstuhl gezogen; ein Graf schützt sie vor der Verurteilung.
1437 Erlaß der Kölner Rechtssammlung "Statuten"; bei der umfangreichsten Rechtsaufzeichnung der Stadt während des Mittelalters handelt es sich um eine Zusammenstellung und teilweise Neuformulierung der Kölner Rechtssätze. Frauen werden bei Handelsangelegenheiten erwähnt.
1437 Der ehemalige Kölner Student Johannes Nider veröffentlicht sein Werk Formicarius und treibt die Hexentheorie voran. Der deutsche Dominikaner gibt eine Erklärung dafür, warum Zauberei unter Weibern verbreiteter sei. Das Buch wird zu einem Vorbild für den Hexenhammer.
1437-9 Hungerjahre, Krisenzeit
1446 findet der erste urkundlich belegte Zaubereiprozeß in Köln vor dem weltlichen Gericht gegen Hadewigh peltzersse van Sijberg statt - im Vergleich zu vielen anderen deutschen Städten recht früh.- Die Frau, u.a. wegen "etzlicher maissen van tzouverijen ind anderen quaiden feiten beruchtigt", wurde gegen Schwören der Urfehde (d.h. gegen das Versprechen, künftig Frieden zu halten) durch Vermittlung ihres Sohne und ihrer Freunde aus der Haft entlassen.
1452 erstes Auftreten "vremder, hedenscher Lude" dokumentiert - Zigeuner - sie werden vermutlich nicht ausgewiesen.
1453 (oder 1456?) werden in Köln zwei "mulieres sortilegiae" (zauberische Frauen) verbrannt. Eine von ihnen namens Ydot / Ydette ist schon drei Jahre zuvor aus Metz nach Köln geflohen. Nun holen Bürgermeister und dort Erkundigungen über sie ein und nimmt sie gefangen unter der Anklage, "dat sy quaide luycht ind weder machen konne" und "umb quaider [übler] handelonge willen." (Schadenszauber).
1464 Jakob Sprenger wird Mitglied und bald Prior des Kölner Konvents Hl. Kreuz der Dominikaner, nach einer Zeit des Niedergangs bringt er wierder "Zucht und Ordnung" in das Ordensleben. Zunächst Theologieprofessor an der Kölner Universität, wird er 1480 zum Dekan berufen. Sein Anliegen ist die Durchsetzung des Rosenkranzgedankens, so führt er den Rosenkranz als populäre Gebetsform ein und gründet 1474 die Rosenkranzbruderschaft, die 1481 schon 100.000 Mitgliedr hat. Seine Autorenschaft am Hexenhammer wird heute in Zweifel gezogen.
1466 Das erste Kölner Buch erscheint - 10 Jahre nach Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern - auf dem Markt. Mit der Zunahme von Druckereien (bereits 10 im Jahr 1475) werden immer mehr Schriften gegen Ketzer und Zauberinnen verbreitet und die Verfolgungen intensiviert.
1474 Der Kölner Prediger und Dominikaner Johannes Herolt (1478-1484) behandelt in seinen Sermontes die Themen Aberglaube und Dianakult.
1478 Die Kölner Apothekerordnung legt Prüfung, Zulassung und Herstellung der Medikamente fest.
1478 Arbeitspflicht für BettlerInnen erlassen.
1482/83 Proteste und Aufruhr in Köln.
1483 steht der städtische Gewölbe- und Turmmeister Frank Wratz unter dem Vorwurf, eine alte Frau rechtswidrig als Zauberin verhaftet und zu Tode gefoltert zu haben. Bei einem Raubmordprozeß in Köln hat ein Angeklagter gestanden, daß er einen Teil der Beute (Kleinodien) einer Frau in Köln geschenkt habe, um von dieser "oevermitz ire zowbereyen" aus dem Gefängnis befreit zu werden. Bei dem Verhör ist der Turmmeister Frank Wartz zugegen gewesen. Vor seiner Hinrichtung erklärt der Mörder, er habe einen Teil der Kleinodien in einem Garten vergraben. Die Erben des Ermordeten beschuldigen sodann Frank Wartz, er habe heimlich die Kleinodien für sich ausgraben lassen. In der Anklageschrift gegen den Gewölbemeister heißt es, er habe die alte Frau scheren und zu Tode peinigen lassen, obwohl sie beteuerte, mit dem Raubmörder nichts zu tun zu haben. Sein Versuch, den auf ihn gefallenen Verdacht auf sie abzuwälzen scheitert.
1484 beschäftigt ein delikater Homosexuellenskandal in Köln die Gemüter: Ein Pastor verrät "dat eine swaire unsprechliche stumme sunde as manspersone mit manspersonen etc. binnen deser heiliger stat coelne verhandelt wurde, dat got erbarmen moiste." Während der letzten Pestwelle hat ein Mann unter der Beichte seinen Sexualpartner (der sulchen oeveldait mit ieme begangen hedde) genannt. Hierbei handelt es sich um einen reichen Ratsangehörigen mit perfekter heterosexueller Oberfläche (Frau und Kind). Das Beichtkind habe für jeden Verkehr einen Postulatsgulden erhalten. Mehr als 200 Männer - darunter auch Behördenvertreter - seien "mit deser sunden ... befleckt". Die eiligst befragten Theologen raten (aus Eigeninteresse?) dazu, die Angelegenheit "umb gotz willen" zu verschweigen; andernfalls könne die Öffentlichmachung anderen "jungen gesellen ind mannen exempel geven, sulchen ungewohnliche dinge zo versoecken". Der Rat installiert zwar am 21.6. dennoch eine Untersuchungskommission, aber die Angelegenheit verläuft im Sande. Es hätten harte Strafen gedroht, ggf. die Todesstrafe durch Verbrennen. - Es gibt vereinzelt auch gegenüber Frauen Beschuldigungen wegen widernatürlicher Unzucht: 1477 wird eine "Dirne aus Nürnberg" in Speyer deshalb im Rhein ertränkt. Zwei mitangeklagte Frauen, von denen die eine angibt, "daz sie nit gewust anders, dann daß sie für ayn man erkennt hab", müssen im Angesicht des Sterbens ihrer Geliebten schwören, niemals wieder die Stadt Speyer zu betreten.
1484 Erlaß der Hexenbulle "Summis desiderantes affectibus" durch Papst Innozenz VIII. auf Wunsch von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger. Die Bulle soll mit päpstlicher Autorität jeden Widerstand und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Prozesse und Hinrichtungen im Keim ersticken. Sie richtet sich gleichermaßen gegen Ketzerei- und Zaubereidelikte bei Männern und Frauen. Die Bulle erteilt den Initiatoren weitreichende Vollmachten zur Einleitung und Durchführung der Inqusition in den Kirchenprovinzen Mainz, Köln, Trier, Salzburg und Bremen.
1487 Der Malleus Maleficarum ("Hexenhammer") erscheint in Speyer, - als Autor wird der Dominikaner und Inquisitor Heinrich Krämer/Kramer betrachtet, der sich als Gelehrter Institoris nennt. Dieses Werk postuliert die Frau als Hauptfeindin der Kirche. Durch seine genauen Anweisungen für die Prozeßführung wird das Buch zu einem immer wieder gedruckten Gebrauchswerk für Hexenrichter. Es erscheinen auch drei Ausgaben in Köln (1494, 1514 und .... bei Koelhoff dem Jüngeren)
In Köln stellen einzelne Priester die Realität des Verbrechens der Z. in Frage. Deshalb rügt die Universität 1487 in Form eines Beschlusses den Mangel an kirchlicher Denkweise.
1487 verurteilt ein Gericht eine Frau wegen eines gemeinsam mit deren Tochter ausgeführten Mordes. Die Tochter hat die Mutter unter der Folter besagt und hervorgehoben, "daß sie anderen Frauen das Zaubern gelernt (tzoufferige zo leren) habe." Sie werden lebendig begraben
1489 Der Official der Kölner Kurie kritisiert einen in Köln lebenden Astrologen namens Hartung Gernod sowie Bewohner, die mit Astrologen, Zauberern und Hexen in Kontakt treten. Er fordert diese auf, sich vor einer Kommission unter Leitung des Inquisitors Jacob Sprenger zu rechtfertigen.
Überliefert ist dies nach den "Annalen" des Lampert von Hersfeld (bzw. Lambert von Aschaffenburg).
1095 Erster Aufruf zum Kreuzzug: Auch in Köln kommt es zu Juden-/Jüdinnenverfolgungen und zu einem Pogrom im Mai 1096.
Caesarius von Heisterbach: Dialogus miraculorum.
1165 und/oder 1166 Hildegard von Bingen predigt in Köln gegen Ketzer (vgl. Caesarius von Heisterbach). Hildegard sorgt sich besonders um die Frauen, die von Ketzern verführt (!) werden.
(Ennen, S. 17; Hansen, Zauberwesen, S. 295f.)
1372 Erster Stadtarzt in Köln.
(Hansen, Quellen S. 458 nach Johann Nider, 1437 und Soldan-Heppe, Bd. 1, S. 219)
1435 Die erste Kölner Bettlerordnung wird erlassen, überhaupt; 1478 folgt die Arbeitspflicht für BettlerInnen.
(Irsigler/Lassotta, S. 236)
(vgl. Heppekausen)
(Hansen, Quellen, S.548; Siebel, S.30; Schwerhoff, Hexenverfolgung, S. 50)
(Dietmar, S. 57 )
(Lütticher Chronik des Mönchs Cornelius Zantfliet; Städt. Briefbücher, 23 a fol 78 a; Irsigler/Lassotta, S. 150; Hansen, Quellen, S. 566f. Schwerhoff, Hexenverfolgung, S. 21 und S. 55; Schwerhoff, Köln, S. 427
(Chronik Köln, S. 142)
(Ginsberg, Der Hexensabbat, S. 102)
(Hansen, Quellen, S. 583 und 586; Soldan-Heppe, Bd. 1, S. 234; Schwerhoff, Hexenverfolgung, S.50)
(Stein, Akten II, Nr. 441. S. 583-85; Irsigler/Lassotta, S. 198/9;Kokula, S. 10)
(Koelhoffsche Chronik; Hansen, Quellen, S. 586; Siebel, S. 30; Schwerhoff, Hexenverfolgung, S. 50)
(Hansen, Quellen, S. 502 f.)
Weitere Veröffentlichungen aus diesem Kontext entnehmen Sie bitte der Seite des Kölner Frauengeschichtsvereins unter dem Stichwort Publikationen.
© Irene Franken, Ina Hoerner
Websupport: Andrea Clemens
date 28.08.2000