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1  Einleitung

Zu Beginn sollten lediglich die hierzulande wenig bekannten Pflanzen Dracocephalum moldavica, die türkische Melisse und Aloysia triphylla, der Zironenstrauch, näher untersucht werden. Sie zeichnen sich durch ein intensives Zitronenaroma aus und werden als Teekräuter kultiviert.
Durch das Interesse an Kräutern, drängte sich mir die Frage auf, ob nicht noch andere Kräuter ein Zitronenaroma entwickeln, die man ebenfalls als Tee konsumieren könnte. Neue Kräuter könnten eine Nischenfunktion erfüllen, indem sie Kräuterbetrieben helfen ihr herkömmliches Sortiment, mit neuen Teesorten, interessanter zu gestalten. So durchforstete ich Bücher und Kataloge um aus den Beschreibungen entnehmen zu können, ob die Pflanzen ein Zitronenaroma entwickeln. Ich stieß auf eine hohe Anzahl möglicher Kräuter, wobei die meisten für unser Klima nicht erfolgversprechend sind. So wurden einige robuste Arten ausgewählt, bei denen man ein ausreichendes Zitronenaroma vermuten konnte. Als weiteres wählte ich alle erhältlichen Arten der Gattung Dracocephalum. Ihre einzige etwas bekanntere Vertreterin ist die türkische Melisse, D. molavica, die, wie schon erwähnt, wegen ihres ausgeprägten Zitronenaromas in kleinem Umfang kultiviert wird. Es wäre durchaus möglich, daß weitere Arten sich ebenso durch ein zitroniges Aroma auszeichnen.

Neben dem Aroma ist es natürlich ebenfalls wichtig, herauszufinden, ob bei einer Teeignung, auch ein Erwerbsanbau sinnvoll und möglich wäre. Der Kulturverlauf im vierten Teil dieser Arbeit berücksichtigt diesen Aspekt.
Da die Mehrzahl der vorgestellten Kräuter kaum bekannt sind, habe ich versucht, alle sie betreffenden Informationen zu sammeln und im theoretischen Teil aufzulisten.

1.1. Seminarearbeit InhaltsverzeichnisPflanzenauswahl

Art
deutscher Name
Sorte
Agastache mexicana
Mexikanische Minze
blau
Agastache mexicana
" "
grün-weiß
Agastache rugosum
Koreanische Minze

Agastache rugosum
" "
"Alba"
Aloysia triphylla
Zitronenstrauch

Artemisia abrotanum
Eberraute

Dracocephalum grandiflorum
Drachenkopf

Draco. moldavica
Türkische Melisse
Arat
Draco. nutans
Drachenkopf

Draco. ruyschiana
Nordischer Drachenkopf

Draco. tanguticum
Drachenkopf

Melissa officinales
Melisse

Mentha x piperita var. citrata
Zitronenminze

Monarda citriodora
Oswego-Pfeffer

Monarda didyma
Indianernessel
Goldmelisse
Nepeta cataria. ssp citriodora
Zitronen Katzenminze

Ocimum basilicum var. anisatum
Zitronenbasilikum

Thymus x citriodorus
Zitronenthymian

2   Aromatische Kräuter

Das Aroma und der Geschmack eines Krautes wird im Besonderen durch die enthaltenen ätherischen Öle bestimmt. Das Zitronenaroma entwickelt sich vor allem aus den Stoffen Citral und Citronelellal. Je nach Anteil dieser Stoffe ist das zitronige Aroma stärker oder schwächer ausgeprägt. Zusammen mit den weiteren Ölbestandteilen und sonstigen Inhaltsstoffen ergibt sich der jeweilige arttypische Duft.

2.1 Tee, Arzneidrogen und Gewürze


Eine Einteilung der Kräuter in die verschiedenen Kategorien, nach Tee, Arznei, Gewürz, ist für den Produzenten deshalb wichtig, da sich je nach Anwendungsbereich verschiedene Konsequenzen ergeben.
Laut Definition sind Arzneikräuter lt. WHO, jene Pflanzen, welche in einem oder in mehreren ihrer Organe Substanzen enthalten, die für therapeutische Zwecke verwendet werden oder als Vorstufen für pharmazeutisch-chemische Halbsysnthesen dienen können.
Hierbei wird zwischen offizinellen und nicht offizinellen Drogen unterschieden. Für erste gelten besondere Ansprüche die im Deutschen Arzneibuch (DAB) beschrieben werden und, gesetzliche Bestimmungen lt. Arzneimittelgesetz.
Gewürze und teeähnliche Produkte sind jene Waren, die nicht als Arzneimittel gelten und überwiegend zu Ernährungs- und Genußzwecken gegessen, gekaut oder getrunken werden. Es gelten hier die Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes.
So dürfen gewisse Arzneikräuter nur mit bestimmten Auflagen im Lebensmittelhandel geführt werden, wobei keine gesundheitsbezogenen Angaben gemacht werden dürfen.


Bestimmungen für den Lebensmittelhandel (nach Dachler 1989):

Ungemischte teeähnliche Produkte:
• Pfefferminzblätter und Kamillenblüten

Der Anteil folgender Kräuter darf in Teegemischen nicht über 20% betragen:
• Pfefferminz-, Melissen- und Salbeiblätter
• Schafgarben-, Thymian- und Brennesselkraut

Der Anteil folgender Kräuter darf in Teegemischen nicht über 15% betragen:
• Goldmelisse-, Holunder-, Kornblumen-, Ringelblumen-, Lavendel- und Rosenblüten.

Gerade Kräuter, die nicht im Arzneibuch aufgeführt werden, sind für den Anbauer interessant, bestehen doch hierfür keine Bestimmungen über Anteile und dergleichen. So mischen österreichiche Bauern z.B. Kraut von Aloysia triphylla, dem Zitronenstrauch, ihren Melissenmischungen bei, um einen kräftigen zitronigen Geschmack zu erzielen und damit den Melissenanteil unter den gesetzlichen Anteil von 20% zu halten.

2.2 Ätherische Öle und Inhaltsstoffe

Ätherische Öle sind sekundäre Stoffwechselprodukte, die von vielen Pflanzen gebildet werden. Bei den Labiatae, Cruciferae, Pinacae, Umbelliferae und anderen sind sie besonders ausgeprägt. Sie werden am endoplasmatischen Reticulum in der Zelle synthetisiert und bilden Tropfen. Oft sind die Wände der ölgefüllten Zellen verkorkt und der Protoplast ist abgestorben.
Bei den meisten Labiaten wird das Öl jedoch in sog. Öldrüsen (Exkretzellen) wie Drüsenhaare, -schuppen gebildet. Das Öl wird aktiv aus der Drüsenzelle transportiert und sammelt sich im Subkutikularaum zwischen Zellwand und Cuticula an, wobei diese angehoben wird und i.d.R. schließlich aufreißt. (Strasburger 1983, Holm 1987)

Die ätherischen Öle liegen i.d.R. als flüssige, leicht flüchtige Formengemische vor in unterschiedlichster Zusammensetzung. Als Hauptbestandteile sind Terpene- und Phenylpropankörper zu nennen.
Mit den fetten Ölen haben die Ätherischen, außer ihrer öligen Konsistenz, nichts gemeinsam. Sie verdunsten restlos auf Filterpapier ohne einen bleibenden "echten" Fettfleck zu hinterlassen. Da sie nicht wasserlöslich sind, können sie nur über Wasserdampfdestillierung, über Pressung des frischen Pflanzengutes oder durch Lösung in Alkohol oder Fett gewonnen werden. (Gessner 1974)

Selbst in geringsten Konzentrationen können ätherische Öle geruchlich oder geschmacklich wahrgenommen werden. So lassen sich z.B. in folgenden Konzentrationen noch wahrnehmen:
Geruch Ol. Menth. pip. 1:1.500.000, Cineol 1:1.330.000
Geschmack Ol. Menth. pip. 1:4.000.000, Cineol 1:2.000.000 (Gessner 1974)

2.3 Verwendungsmöglichkeiten aromatischer Kräuter

Aromatische Kräuter haben den Vorteil oft für verschiedene Anwendungsgebiete gleichzeitig geeignet zu sein. So sind viele Kräuter eine willkommene Abwechslung als Gewürz oder fester Bestandteil in der Küche. Sie ergeben frische, bekömmliche Tees und haben oftmals eine gesundheitsfördernde Wirkung. Diese Vielseitigkeit verwischt die Grenzen zwischen der traditionellen Einteilung in Tee-, Heil-, und Gewürzkräuter.
Neben diesen Bereichen können aber auch ihre exrtrahierten ätherischen Öle genutzt werden. Ein Trend zu Duftlampen, Aromatherapie und Ähnlichem ist zu beobachten. So experimentieren u.a. Kaufhausketten mit Aromen um ihre Kunden zu animieren.
In hohen Dosen wirken sie u.U. desinfizierend und daher antibakteriell und antiparasitär. Eine Nutzung gegen Ectoparasiten z.B. Läuse, Krätzemilben, oder stechende Insekten ist möglich. (Gessner 1974)
Bedingt durch die hohe Fettlöslichkeit der Öle, können sie schon über die intakte Haut resorbiert werden. Badezusätze und Kosmetika erhalten damit nicht nur einen angenehmen, sondern auch gesundheitlichen Aspekt.

2.4 Trocknung, Lagerung

Trocknung:
Den ätherisches Öl enthaltenden Kräutern ist gemein, daß sie möglichst schonend getrocknet werden müssen, um die Qualitätsverluste so gering wie möglich zu halten. Die Trocknung ist sofort nach erfolgter Ernte durchzuführen. Im Allgemeinen wird von einer Temperaturführung über 42°C abgeraten. Bei zu hohen Temperaturen können bis zu 2/3 des ätherischen Öls verloren gehen. (Dachler/Pelzmann 1989)

Lagerung:
Einflußfaktoren auf die Haltbarkeit der Drogen sind:
• Licht
• Temperatur
• Luftfeuchte
• Zerkleinerungsgrad
• Zeitspanne der Lagerung.

Das zu lagernde Kraut sollte eine Restfeuchte unter 8% aufweisen. Gehalte darüber führen zum Verderben der Ware.
Für die Kräuteraufbewahrung kommen Gefäße in Betracht, die lichtundurchlässig, luft- und wasserdicht sind, und die einen Schutz vor Schädlingen gewährleisten. Bei ätherischen Ölen ist jedoch darauf zu achten, daß keine Kunststoffbehälter verwendet werden. So absorbieren z.B. Polyethylen oder Polypropylen ätherisches Öl. Außerdem kann sich in diesen Behältern, durch zu warm verpackte, oder nicht darrgetrocknete Ware, Schwitzwasser bilden. Kleine Mengen an Drogen werden am besten in braunen Glasgefäßen aufbewahrt. (Ebert 1982, Wichtl 1984)
Mit Anstieg der Temperatur werden vermehrt flüchtige Substanzen von dem Trockengut abgegeben. Insbesondere für ätherische Öle gilt eine möglichst niedrige Lagertemperatur. Als Regel dient die Faustzahl, das bei Erwärmung von 10°C sich die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt. Je höher der Zerkleinerungsgrad, desto größer ist die, den qualitätsmindernden Faktoren ausgesetzte Oberfläche. (Wichtl 1984)

Die Verluste ätherischen Öls während der Lagerung

1. Jahr
5. Jahr
6. Jahr
Melissa
55%


Thymus


71%
Mentha piperita
36%
50%

nach Heeger

2.5 Anbaufläche, Absatz, Marktstellung in Deutschland

Es ist schwierig an gesicherte, ausführliche Daten heranzukommen. Die meisten Angaben beruhen auf Schätzungen und betreffen oft nur die wichtigsten Kräuter. Nicht zuletzt durch den oft nur sehr kleinen Anbauumfang für die Direktvermarktung ist dies wenig verwunderlich.
Für die in dieser Arbeit vorkommenden Kräuter bestehen außer für Melisse und der Bergamot-Minze keine Zahlen.

Anbaufläche von Heil und Gewürzpflanzen in Deutschland (in Hektar):
Jahr
1937
1987
1992
Gesamtfläche
3.814
BRD: 1.100
DDR: 11.500 (incl. Senf)
3.035
davon ca.:



Pfefferminze
193
BRD: 60 DDR: 600

Melisse
6
BRD: 60

nach Heeger, Dachler, Taspo

Aus der Tabelle geht hervor, daß sich nach der deutschen Wiedervereinigung die Anbaufläche wieder in die Vorkriegsdimension eingependelt hat. Von den 3000 ha, 1992, fallen über die Hälfte auf die neuen Bundesländer, insbesondere auf Sachsen Anhalt mit 985 ha. (GM 1993)
Das weltweit geschätzte jährliche Aufkommen an ätherischem Öl (1984) von Mentha x citrata beläuft sich auf 5t (Hauptproduzent USA). Zum Vergleich: Bei M. piperita beläuft sich die Produktion auf 2200t. (Dachler/Pelzmann 1989)

Kräuter die im deutschsprachigen Raum nachweislich angebaut wurden oder werden:
• Artemisia abrotanum
• Dracocephalum moldavica
• Melissa officinales
• Monarda citriodora
• Monarda didyma
• Nepeta cataria. ssp. citriodora

nach Heeger, Dachler, Hegi, SLVA

Import:
Die Importquote von Kräutern beträgt über 90%. Die Importmenge liegt zwischen 160.000 und 180.000 Tonnen (davon 72% auf Arzneipflanzen, 28% auf Gewürzpflanzen). Der Wert schwankt von 480 bis 550 Mio. DM pro Jahr. (56% auf Arzneipflanzen und 44% auf Gewürze -1998) (GM 1993)

Umsatz:
1990 Gewürze 631,5 Mio DM
Teekräuter 450,0 Mio DM
gesamt ca. 1,1 Mrd DM

Der Anteil von Kräutern aus kontrolliert biologischen Anbau lag bei 15-20 Mio DM, das entspricht einem Anteil von 2% am Gesamtumsatz. Der Marktanteil aus deutscher Produktion liegt bei ca. 1%. (Seminar 1995)

Tendenzen:
Die hohe Einfuhrrate, vor allem aus den ost-europäischen Billig-Lohnländern, wird, aller Voraussicht nach, in den nächsten Jahren zurückgehen. Der ökologische Anbau weist eine steigende Tendenz auf. Nach Einschätzungen kann er sich auf einen Marktanteil von bis zu 6% einpendeln. (GM 1993) Eine Steigerung ist jedoch nur langsam möglich, da der Markt zur Zeit noch sehr eng ist und schon geringfügige Änderungen des Anbauumfangs sich bemerkbar machen. (Seminar 1995)