Bei Quereinstieg:zum Inhaltsverzeichnis der Arbeit                           zur Homepage der kleinen Labiatae-Sammlung

3   Pflanzentheoretischer Teil


Die Nomenklatur der im Folgenden aufgeführten Familien, Gattungen und Arten entsprechen den im Zander 1993 aufgeführten Bezeichnungen. Bei dort nicht aufgeführten Arten, wurde jeweils der Name verwendet, den die Vertriebsfirmen angegeben haben.

3.1 Labiatae (Lamiaceae) Lippenblütler

Gerade bei den Labiaten sind viele Gattungen derart eng verwandt, daß seit der wissenschaftlichen Botanik und ihrem Versuch die Pflanzen in einer Systematik zu ordnen, oft Arten von einer Gattung zu einer anderen gestellt wurden und noch werden. Erkennbar ist dies vor allem bei Dracocephalum, Nepeta und Agastache, deren Arten die Botaniker fortwährend anderen Gattungen zuordnen.

Allgemein
Die Familie der Labiatae umfaßt zur Zeit ca. 200 Gattungen mit ca. 3500 Arten. (Urania 1994) Durch teilweise starke Bastardisierung ist eine sichere Abgrenzung der Arten oft nicht möglich und erschwert eine genaue Bestandsaufnahme. Die Formenvielfalt reicht von Halbsträuchern, Stauden bis zu Kräutern und seltenen Bäumen (Hyptis-Arten).
Außer in den arktischen Zonen, kommen die Lippenblütler auf der ganzen Erde vor, wobei der Verbreitungsschwerpunkt vor allem in trockenen, warmen Lebensräumen, wie z.B. im Mittelmeerraum, Brasilien, Südasien liegt. So kommen auf den Kanaren 83 Arten vor, 8 jedoch nur über dem 70° nördl. Breitengrad (z.B. Mentha arvensis). (Hegi 1964) In der sogenannten alten Welt sind 4 mal mehr Arten als in der neuen Welt anzutreffen, in Patagonien fehlen sie gänzlich.


Botanik

Selbst im blütenlosen Zustand ist die Familie durch drei typische Merkmale charakterisiert: der vierkantige Stengel, gegenständige Blätter und der aromatische Duft den die Pflanzen verströmen.

Stengel:
Vierkantig, wobei die Kanten durch Festigungsgewebe, dem Kollenchym, gebildet werden.

Blätter:
Einfach ohne Nebenblätter, kreuzweise gegenständig (dekussiert). Der Rand ist gezähnt, gekerbt, selten eingeschnitten oder gelappt.

Äther. Öl:
Das ätherische Öl wird von, meist auf den Blättern sitzenden, Drüsenschuppen oder -haaren in den Membranen gebildet. So reich die Formenvielfalt der Labiatae, so verschieden sind auch deren Öle. Unter anderem werden synthetisiert: aromatische Alkohole, Phenole, Ketone, Terpene, Aldehyde etc.
Blüte:
Die Blüten sitzen meist dichtgedrängt in den Achseln gewöhnlicher oder zu Hochblättern (Bracteen) umgebildeter Laubblätter. Es entsteht der Eindruck, daß die Blüten um den Stengel einen Quirl bilden, jedoch handelt sich hierbei um bis zu 1 bis >20 blütige Scheinquirle (Cymen). Es werden sehr verschiedenartige i.d.R. ähren- oder traubenartige Gesamtblütenstände gebildet.
Die Form der fünfzähligen, zwittrigen Blüten gibt der Familie ihren Namen: Labiatae oder Lippenblütler. Die langröhrige Blütenkrone ist aufgeteilt in die aus zwei Blättern verwachsenen Oberlippe und der aus drei Blättern bestehenden Unterlippe. Die Blüte ist i.d.R. stark zweiseitig-symetrisch (dorsiventral) ausgebildet, am schwächsten bei Mentha. (Hegi 1964) Der verwachsene Kelch ist meist zweilippig und umgibt die langröhrige Krone.
Ein weiteres für die Labiaten typisches Merkmal ist die Anzahl und die Anordnung der Staubblätter. Von den vier vorhandenen Antheren, das fünfte ist degeneriert, sind i.d.R. zwei lang und zwei kurz angeordnet. Manche Gattungen bilden aber auch nur zwei Staubblätter aus, wie z.B. bei Monarda und Lycopos. (Hegi 1964)
Ein wichtiger Unterschied zu den später behandelten Verbenaceen, ist, daß der Griffel bei den typischen Labiaten im Fruchtknoten eingefügt ist. Die Bestäubung der Blüten erfolgt meist durch Hummeln, Bienen, Schmetterlingen und teils auch von Kolibris. (Urania 1994) Die Verbreitung der Samen geschieht durch Wind, Wasser und Tiere (Ameisen).

Frucht/Same:
Der oberständige Fruchtknoten ist zweiblättrig, teilt sich jedoch während der Blütezeit. Es entsteht also eine Frucht die bei Reife in vier Nüsschen (Klausen) zerfällt. Die Klausen sind i.d.R. trocken und verschleimen bei Wasserkontakt. Die sehr dünne Samenschale kann sich dann ganz auflösen.
Die Keime haben meist flache dicke Keimblätter und ein kurzes unterständig gerades Würzelchen. (Hegi 1964)


Gattungen und Arten

Um eine schnelle und übersichtliche Informationsaufnahme zu ermöglichen, sind die Gattungen und Arten nach verschiedenen Gesichtspunkten strukturiert, wie z.B. nach Geschichte, Herkunft, Botanik, Inhaltsstoffen und damit verbunden die Anwendung als Tee oder Heilpflanze, Wachstumsansprüchen, oder nach Kulturhinweisen, wenn für die Kulturen schon Anbauerfahrungen bestehen.
Bestehen nur dürftige Informationen über eine behandelte Pflanze, stehen alle Daten im Folgenden unter den Punkten Allgemein und Beschreibung.

3.1.1   Agastache

Allgemein:
Die Gattung Agastache ist bei uns noch relativ unbekannt und nur in gut sortierten Staudensortimenten zu finden, wie z.B. A. rugosum und vor allem A. foeniculum. Es gibt in der Literatur kaum Hinweise auf Verbreitung und Artenzahl. So sind nach verschieden Quellen (Zander 1993, Anonym 1992, 8, Phillips/Foy 1991) sieben Arten aufgeführt, die alle, außer A. rugosum, in Amerika beheimatet sein sollen. Es sind starkwüchsige Stauden bis Halbsträucher, wovon einige in unseren Breiten nur bedingt winterhart sind.
Es handelt sich um sommerblühende Pflanzen, mit i.d.R. aromatisch duftenden, zarten Blättern. Der Duft wird bei vielen Arten als anisig beschrieben, wobei sie sich in den Begleitaromen unterscheiden: von rein anisig über minzig bis zitronig. Neben der Nutzung als Schnittblume, Bienenweide und Duftpflanze sollen sie auch der Buddleia ähnlich, Schmetterlinge anlocken.
Gut durchlässige, fruchtbare Böden, in voller Sonne scheinen sie zu bevorzugen.

3.1.1.1    A. rugosum (rugosa) - Koreanische Minze

Allgemein:
Wie der deutsche Name schon andeutet liegt, die Heimat dieser Art in Nordostasien. Sie soll einen ausgeprägten minzenartigen Geschmack und Geruch haben. Sie ist eine gute Bienen- und Schnittpflanze, die zu erfrischenden Tees und zur Aromatisierung von Minzgerichten geeignet ist (Phillips/Foy 1991).

Beschreibung:
Die Pflanze blüht purpurrosa von Juni bis September. Sie wird 60 cm hoch und ist völlig winterhart. Das TKG beträgt ca. 2g. (8)

• Weitere im Versuch aufgenommene Varietät: A. rugosum "Alba".
Wie A. rugosum, nur das hier die Blüten reinweiß sind.

3.1.1.2   A. mexicana  (Cedronella mexicana) - Mexikanische Minze

Allgemein:
Der ehemalige Gattungsname Cedronella entstammt dem Spanischem und bedeutet Cedro = Zitrone, wodurch sie ihre Bedeutung erlangte. Auch unter dem Namen Brittonastrum mex., nach dem New Yorker Botaniker Britton, ist sie eine Zeitlang bekannt gewesen. Diese Art hat ihre Heimat in Mexico und wächst dort als ausdauernder Halbstrauch. In Deutschland ist sie einjährig. (Zander 1993) An anderen Stellen wird sie aber auch als winterhart beschrieben, wenn ihr gegen die Kälte ausreichend Schutz gewährt wird. Nach Aussage eines Staudengärtners ist sie durchaus als winterfest zu bezeichnen, nur sehr strenge Fröste scheint sie nicht hinzunehmen. Eine Überwinterung ist aber auch, wie bei Aloysia, in geschützten Räumen möglich. Neben dieser Art soll die sehr nah verwandte A. cana (Cedronella cana), ebenfalls ein zitroniges Aroma haben. Beide werden für die Staudenrabatten empfohlen.

Botanik:
Die aufrecht wachsende Staude wird bis zu 1 m hoch und 30 cm breit. Die Blätter sind spitz oval, gezähnt, mittelgrün und i.d.R. kahl. (A. cana hat als Unterschied weißflaumig behaarte Blätter) (Hegi 1964, Brickel 1990) Sie blüht von Juli bis September. Die vielblütigen Scheinquirle sind zu Scheintrauben vereinigt. Die Blütenfarbe soll rosa bis karmesinrot sein. Die vier Staubblätter ragen aus der Kronenröhre heraus. (Hegi 1964)

Die im Versuch angebauten Selektionen sind jedoch:
A. mexicana "Blau": mit blauen Blüten
A. mexicana "Grün-weiß": graugrünliche Ähren und kleine weiße Blüten. (S&G)

Kulturhinweise:
Nach einer Anbauempfehlung der Saatgutfirma S&G (Sandoz Seeds) sollte eine Aussaat von März bis Anfang Mai erfolgen bei 18-20°C.
Pikiert wird in Multiplatten 4 cm. Auspflanzen ab Mai bei einem Abstand von 15x40 cm. Eine Kultur unter Folie soll möglich sein.


3.1.2    Dracocephalum - Drachenkopf



Allgemein
Die Gattung umfaßt ca. 45 Arten; deren Vorkommen hauptsächlich auf die zentralasiatischen Gebirge beschränkt ist. Viele sind Wald- oder Wiesensteppenbewohner. Die Norm sind ausdauernde Stauden, selten Einjährige. (Hegi 1964) Einige Arten sind in best. Gebieten Europas heimisch, einige haben sich eingebürgert oder treten zumindest stellenweise auf, wie z.B. D. moldavica oder D. nutans. Als Staude werden sie, außer D. ruyschiana, gärtnerisch bislang kaum genutzt, obwohl die einhellige Meinung besteht, daß diese Gattung sich auszeichnet durch schöne und wertvolle Arten, die hervorragend in Steingärten und Rabatten passen und zudem durch ihre späte Blüte glänzend die spätsommerliche Lücke schließen. (Encke 1987, Brickel 1990, Hegi 1964)
Botanik:
Die kahlen gegenständigen Laubblätter von Dracocephalum sind meist schmal, ganzrandig, gezähnt oder fiederspaltig; der Stengel meist vierkantig. Die oft sehr großen blauvioletten Blüten sitzen quirlig in achsel- oder endständigen Ähren oder Köpfen. Seinen Namen verdankt der Drachenkopf seiner eigentümlich geformten Blüte. Die Krone ist zweilippig. Die zweilappige Oberlippe helmförmig gewölbt, groß. Die dreilippige Unterlippe ausgebreitet, mit stark entwickelten Mittellappen. Von den vier Staubblättern sind die hinteren zwei länger als die vorderen.
Als Frucht enstehen vier kahle Nüsschen.
Allgemein wird für die Vermehrung vorgeschlagen: Aussaat, Teilung und Stecklinge. (Encke 1987)

3.1.2.1     D. grandiflorum (D. rupestre?)

Allgemein:
Mit dieser, für Steingärten empfohlenen ausdauernden Art tritt wieder ein nomenklatorisches Kuriosum auf. Encke zeigt auf, daß alles, was als D. grandiflorum angeboten wird, zu D. rupestre gehört. Weiterhin stellt er die Vermutung an, daß D. grandiflorum erst gar nicht in Kultur ist. Da die Beschreibungen von D. grandiflorum lt. Hansen und derjenigen von D. rupestre lt. Encke sich kaum Unterscheiden, gilt mir als Kriterium die Artbezeichnung der Bezugsquelle Jelitto. Demnach bevorzugt die Staude sonnige, steinige Plätze, mit frischen bis sommertrockenen, humosen, lehmigen Böden, mit Vorliebe im Gehölzrand von Steinanlagen. (Hansen 1990) Die Heimat liegt bei D. rupstre in W-China, bei D. grandiflorum in Sibirien.

Botanik:
Die Staude wird ca. 30 cm (20-60 cm) hoch und bildet mit ihren aufstrebenden Stengeln dichte Büsche. Die länglich eiförmigen, gestielten und gekerbten Blätter sind ca. 2,5-5 cm lang und nur spärlich behaart. Die Pflanze blüht Juli bis August in einem leuchtend blauen Flor. Die Blüten stehen in dichten (wenigblütigen?) Quirlen und bilden kurze, rauhhaarige Ähren. Der rötliche Kelch ist mit dornigen Zähnen besetzt. (Encke 1987, Hansen 1990)
Für 1000 Pflanzen werden 5g Saatgut benötigt.

3.1.2.2    D. moldavica  -  Türkische Melisse

Allgemein
Das aus Südsibirien und dem Himalaja kommende einjährige Kraut wurde seit der zweiten Hälfte des 16. JH. in zahlreichen mitteleuropäischen Gärten als Zierde wie auch als Bienen-, Heil-, bzw. Gewürzpflanze kultiviert. Seitdem ist es teilweise in diesen Gebieten verwildert und eingebürgert. (Hegi 1964)
Es wird für sein mildes zitroniges Aroma geschätzt, daß auch magenempfindlichen Teetrinkern bekommen soll. Die schnellwüchsige Art samt sich gerne aus und ist auch als Balkonpflanze geeignet. (8)
Botanik
Das raschwüchsige, ästige Kraut wird 30 bis 60 cm hoch. Die breiten Blätter sind lanzettlich, scharf gesägt, die Hochblätter grob, grannig gekerbt. Die blauvioletten, zweilippigen Blüten sitzen in dichten beblätterten Scheinquirlen. Blütezeit von Juli bis August. Als weitere Farbvarianten kommen selten weiße oder hellblaue Formen vor. (Hegi 1964, Schmeil 1988)

Verwendung:
Die türkische Melisse hat eine beruhigende Wirkung bei Koliken und Magenbeschwerden und ist Bestandteil von Hustenmischungen. In Salaten und zu Fischgerichten kann sie verwendet werden. (Galambasi 1994)
Nach Aussagen der SLVA- Ahrweiler wird sie von der Pharmazeutischen Industrie nicht mehr abgenommen.

Inhaltsstoffe:
Hauptbestandteil des ätherischen Öles ist Citral. Es sollen Werte von 0,6 % erreicht werden können. Im Ahrweiler Versuch 1993 wurde ein Wert von 0,35 % ermittelt.

Kultuhinweise:
Die Direktaussaat erfolgt Ende April. D. moldavica zeigt kaum Probleme, sie wächst zügig und zeigt sich trockentolerant. Es können i.d.R. zwei Schnitte durchgeführt werden, bei denen das blühende Kraut nicht tiefer als 20 cm über dem Boden geerntet wird. Der erste Schnitt kann im Juli, der zweite im September erfolgen. (Seminar 1995)
Nach Galambasi setzt die Blüte 70-80 Tage nach der Aussaat ein. Der optimale Erntetermin setzt ein wenn die Hälfte der Blüten abgeblüht sind. Bei zu später Ernte kann das Kraut einen bitteren Geschmack entwickelt haben. Zur Trocknung sollten auch die dicksten Stengel entfernt werden, da das Kraut sonst nach dem Rebeln "unschön" aussieht. (Galambasi 1994)
Die weiteren Angaben stammen ausschließlich aus den Versuchsergebnissen der SLVA-Bad Neuenahr 1993, die einen 3-jährigen Anbauversuch durchführen, der 1995 beendet wird.

Direktaussaat: Einzelkornsägerät: mit einer Menge von 5 kg/ha
Reihenabstand: 50 cm; Abstand in der Reihe: 3-5 cm
Ertrag: Ein zweiter Schnitt war in Neuenahr nicht möglich. Der Ertrag von 10 dt/ha Trockenmasse (=ca. 32 dt/ha Frischmasse), lag unter den nach Angaben möglichen 30 dt/ha. Das Eintrocknungsverhältnis betrug 3,2:1. Weiteres siehe Anhang.
Nach finnischen Angaben (lt. Galambasi) kann D. moldavica auch gepflanzt werden bei einem Pflanzabstand von 30-40x30 cm. Hierfür werden 2-3 Samen pro Topf abgelegt und nach 4 Wochen gepflanzt.
Die Frischmassenerträge bei Aussaaten liegen, im Gegensatz zu den Aussagen der SLVA-Ahrweiler, für finnische Verhältnisse bei 0,9-2,2 kg/m2. Bei Zuhilfenahme von schwarzer Folie 2-4 kg/m2. Die zweite Ernte bringt 20-30% des ersten Schnitts. (Galambasi 1994)

3.1.2.3    D. nutans

Allgemein:
Diese winterharte (bis -25°C) Art, ist im östl. Rußland, westl. Sibirien bis Nordwest China verbreitet. Ihr Standort ist bevorzugt auf trockene, felsige Stellen und an Gebüschen ausgerichtet. Eine Schwierigkeit ergibt sich in der genauen Bestimmung dieser Pflanze. Neben der Art D. nutans beschreibt Encke eine Varietät "alpinum", die sich durch einen kleineren Wuchs und größere Deckblätter auszeichnet. Im Zander wird nur "alpinum" angeführt und es ist nicht eindeutig, welche Pflanze Jelitto als Saatgut vertreibt.
Beide werden als kurzlebige Stauden beschrieben, die sich aber durch Selbstaussaat verbreiten können. Vor allem die Varietät "alpinum" wird als Staude für Steingärten empfohlen.

Botanik:
D. nutans soll mit seinen kurzhaarigen Stengeln 30-70 cm ("alpinum" nur 30 cm) hoch werden. Die Grund- und unteren Stengelblätter sind bis 40 x 30 mm groß, eiförmig, grobgekerbt, und kahl, wobei der Stiel länger als die Spreite ist. Im Gegensatz hierzu sind die obersten Blätter fast sitzend und kurz behaart. (Encke 1987) Von (Mai-), Juni bis Juli erscheinen die nickenden, 17-22 mm langen, sattblauen Blüten. Die vielblütigen Blütenquirle bilden einen verlängerten Blütenstand. Weiße Formen sind möglich, aber selten.
Für 1000 Pflanzen sind 5g Saatgut erforderlich. (Jelitto)

3.1.2.4    D. ruyschiana - nordischer Drachenkopf

Allgemein:
Obwohl diese Art in Kräuterbüchern durchaus beschrieben wird (Phillips/Foy 1991) sucht man vergeblich nach Anwendungsgebieten. Der schwedische Name heißt ins Deutsche übersetzt soviel wie Rossharnkraut, was auf den unangenehmen Geruch dieser Pflanze hinweisen soll. (Hegi 1964) Der nordische Drachenkopf ist einer der wenigen Vertreter, die in Europa vorkommen. Er wächst von Nord-Asien, Japan bis Nord-, Mittel- und Osteuropa. In Deutschland kommt er sehr selten in Bayern oder Mecklenburg vor. Oft ist er aus Gärten verwildert. In den Alpen wächst er in Höhen von 1400-1800 m. Sein Standort reicht von Magerwiesen, Waldsteppen, lichten Föhren- und Mischwäldern, sowohl auf Kalk als auch kalkarmen Böden. (Hegi 1964) Als anspruchslose (Winterhärte bis -25°C), langlebige Staude, wird sie für sonnige Steinanlagen empfohlen.
Jedoch scheinen die Pflanzen im ersten Jahr nur ausnahmsweise zu blühen, meist erst nachdem ein kräftiger Wurzelstock gebildet wurde. Weiter schreibt Hegi, daß die in den Alpen regelmässig blühende Pflanze, in Deutschland in den Heidewiesen und Mischwäldern oft nur kümmerlich wächst und viele Jahre nicht zum blühen kommt. Ob diese Probleme ebenso in Kultur auftreten, muß die Praxis zeigen. Ein weiterer Aspekt ist jener, daß die im Gebirge wachsenden Pflanzen mehr Anthocyan bilden als die im Tiefland wachsenden. Aber erfreulich: Es sollen keine Krankheiten und Schädlinge an der Pflanze parasitieren. (Hegi 1964)

Botanik:
Langlebige Staude, die, mit knorrigem, ästigen Wurzelstock, mit aufrechten, kahlen, sehr dünnen, bis zum Grund krautigen nur schwach verzweigten Stengeln, Büsche bildet. (Hegi 1964, Phillips/Rix 1992) Der nordische Drachenkopf erreicht eine Höhe von 60, i.d.R. wohl aber eher 25 bis 40 cm und eine Breite von 30 cm. Die Blätter sind schmal, lineal, ganzrandig, 3-5 cm lang und 3-5 mm breit und am Rande leicht eingerollt. Des weiteren sind sie sehr derb und kahl, die unteren kurz gestielt, die oberen Blätter sitzend.
Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis August. Die blauvioletten, 2-3 cm, großen Blüten stehen in 2 bis 8 blütigen Scheinquirlen in kurzen Ähren. Die Krone ist wollig behaart und überragt den Kelch um 1,5 cm, mit vorn stark bauchiger Röhre. Oberlippe 7 mm, Unterlippe 8 mm lang. Der Kelch ist meist violett überzogen. Neben den zweilippigen, zwittrigen Blüten können auch rein weibliche Typen vorkommen. Rosa oder weiße Abarten sind selten.
Als Frucht werden 2,5 mm lange, glänzend-glatte, dunkelbraune, nicht verschleimende Nüsschen gebildet. (Hegi 1964, Encke 1987, Brickel 1990)
Für 1000 Pflanzen sind 7g Saatgut erforderlich. (Jelitto)

3.1.2.5     D. tanguticum

Allgemein:
Diese Art wird nirgends beschrieben. Nach Jelitto wird sie 30 cm hoch, hat gefiederte Blätter und eine blaupurpurne Blüte, die von Juni bis Juli erscheint. Sie ist als Steingartenstaude geeignet. Für 1000 Pflanzen werden 7g Saatgut benötigt.

3.1.3    Melissa

Allgemein
Die vom Botaniker Linné (1707-1787) weitgefasste Gattung wurde in jüngster Zeit auf drei Arten eingegrenzt, nachdem zahlreiche Arten zu Satureja gestellt wurden. Zwei Arten sind im Himalaja bis Java verbreitet. (Hegi 1964, Urania 1994)

Botanik:
Die aromatischen Kräuter blühen in armblütigen, blattachselständigen Scheinquirlen mit krautigen Vorblättern. Die Krone ist weißlich mit bauchig erweiterter, aufwärts gebogener Röhre, mit kleinen flachen Lippen.

3.1.3.1    M. officinales Zitronenmelisse

Geschichte/Herkunft
Die ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet bis zu den Kaukasusländern vorkommende Art wurde schon 960 von den Arabern in Spanien angebaut und ist später eine unverzichtbare Bauerngartenpflanze in Mitteleuropa geworden. Sie gilt als Stadt- und Dorfpflanze und wächst in Südeuropa vorwiegend an feuchten, schattigen Standorten, im Gegensatz zu bevorzugten warmen, sonnigen mitteleuropäischen Lagen. Mittlerweile auch in Nordamerika angebaut und stellenweise verwildert.
Der starke süßlich zitronige Duft wurde schon in der Antike sehr geschätzt und die Pflanze diente als Heilkraut und besonders als Bienenweide. Bezeichnet doch der aus dem griechischen stammende Name Melissa die Honigbiene. Mit dem Kraut wurden und werden vereinzelt noch Bienenstöcke ausgerieben um die Bienen an den Stock zu binden, auch rieb man sich die Hände mit Melisse ein wenn es galt die Königin aus dem Volk zu nehmen. Der Schwarmgeruch soll an den Duft der Melisse erinnern. (Heeger 1956, Hegi 1964)
Das Kraut galt als Mittel gegen Tierbisse, Herzkrankheiten und Milzleiden so daß Karl der Große gesetzlich anordnete, daß Melisse in den Staatsgütern anzupflanzen sei. (Kruedener/Hagemann 1993) Im 15-17 Jhd schätzte man vor allem die aus der Pflanze gewonnenen Destillate, wie z.B. dem seit 1611 in Paris von Karmelitermönchen hergestellte Karmelitergeist, der als besonders heilkräftig angesehen wurde.

Botanik:
Das ausdauernde Kraut bildet einen mehrköpfigen Wurzelstock mit zahlreichen bis zu 3 cm langen Faserwurzeln. Die aufrechten bis aufsteigenden Stengel werden bis zu 60-100 cm hoch. Die meist nur oberseits behaarten Blätter sind eiförmig bis herzförmig, 2-6 cm lang und 1,5-5 cm breit. Der Blattrand ist i.d.R. gleichmäßig grob gesägt. Von bläulich- bis gelblichweiß reicht das Spektrum der relativ unscheinbaren Blüten die vom (Juni) Juli bis August erscheinen.
Die Lebensdauer der Pflanze wird unter günstigen Bedingungen mit bis zu 25 Jahren angegeben, wobei sich der Anbau auf 2 bis 4 Jahre beschränkt. (Heeger 1956)
Da die Melisse sehr stark variiert sind von Hegi verschiedene Typen beschrieben worden. Bei Interesse ist dort oder bei Heeger nachzuschlagen.

Inhaltsstoffe
Die Melisse bildet im Vergleich zu andern Labiaten nur geringe Mengen ätherischer Öle. So liegt die Streubreite von 0,01%-0,25% in der getrockneten Droge. Das Öl wird als Ol. Melissae bezeichnet und muß nach DAB 9 einen Gehalt von 0,05% aufweisen. Es enthält als Geruchsträger ca. 40% Citronellal, ca 30% Citral desweiteren Citronellol, Linalool und Geraniol. Als weiteres sind enthalten 4% Rosmarinsäure und Kaffeesäure (Labiatengerbstoffe), den kristallisierenden Bitterstoff Ursol und Schleim.
Die Blattdroge wird als Folia Melissae verschrieben. (Wichtl 1984, Gessner 1974)

Anwendungsgebiete
Seit altersher wird die Melisse als Küchenkraut in Salaten, Saucen, Eintöpfen, Suppen und Likören geschätzt. (Pahlow 1979)
In der Volksmedizin nutzt man sie wie auch die Minze als schweißtreibendes, nervenberuhigendes, kräftigendes Erkältungsmittel. Melissenpräparate wirken beruhigend, in der Hauptsache auf den Magen-Darm Trakt, aber auch bei Nervenleiden. Äußerliche Anwendungen bei Hexenschuß, Kopfschmerzen oder Muskelkater.
Präparate wirken antibakteriell, spasmolytisch und virenabtötend. Vor allem sind Heilungserfolge bei Herpesviren nachgewiesen, hierbei ist aber noch nicht endgültig geklärt, ob nur die Gerbstoffe oder der Gesamtwirkstoffkomplex diesen Effekt erzielen. (Wichtl 1984, Kruedener/Hagemann 1993)
Melissenöl findet im Prinzip auch Verwendung in Seifen, Badeölen oder den bekannten Mitteln wie z.B. Melissengeist und Karmelitergeist.

Bemerkung: Jedoch ist Ol. Melissae durch den geringen Ölanteil in der Pflanze sehr teuer und wird aus diesem Grunde durch das wesentlich billigere Citronellöl (Ol. Citronellae), das in der Zusammensetzung ähnlich ist, ersetzt. So enthalten Präparate i.d.R., wenn überhaupt, nur geringste Mengen Ol. Melissae. Der Karmelitergeist z.B. enthält keinerlei Melissenbestandteile mehr. Das Öl wird aus dem Lemongras Cymbopogon winterianus oder C. nardus gewonnen, das in Sri Lanka und Malaysia angebaut wird. Cymbopogon (Familie Poacae) ist eine von drei nah verwandten Gattungen, die als einzige Gräser ätherische Öle produzieren. (Diener 1989, Gessner 1974, Kruedener/Hagemann 1993, Urania 1994, Wichtl 1984)
Interessant ist evtl. noch, Hegi zu nennen, der erwähnt, daß mehr Öldrüsen an der Blattunterseite bei Pflanzen auf trockeneren Standorten in nördlichen Regionen, wie z.B. Deutschland, gebildet werden, als bei Pflanzen in südlicheren Gebieten. Dagegen steht Wichtl mit seiner Aussage, daß unter besonderen Kulturbedingungen, wie z.B. in Spanien, der Ölgehalt auf 0,8% steigen kann.

Melissenwasser des Paracelsus: "Taufrisches Melissenkraut wird kurz vor Sonnenaufgang in einem marmornen Mörser zerstossen, in einer hermetisch verschlossenen Phiole, die von Sägspähnen, Stroh oder Heckerling umgeben, in Pferdemist gesetzt wird, einen ganzen "philosophischen Monat" (40 Tage) vergoren, dann ausgepresst, im "Marienbad" destilliert, das Destillat filtriert und wieder mit dem Pressrückstand vereinigt." (Hegi 1964)

Kulturhinweise
Standort: Nährstoff- und humusreiche, feuchte, nicht staunasse, lehmige Sandböden werden bevorzugt. Schattige Lagen mindern den Ölgehalt und zu trockene Böden (Sand) verursachen Chlorosen. Der relativ hohe Nährstoffbedarf liegt bei ca. 160 kg N/ha, 80 kg P/ha und 180 kg K/ha.
Jungpflanzenanzucht: Aussaat in Saatkisten Mitte März im Gewächshaus oder Folientunnel, nach drei Wochen werden die Sämlinge in Erdpresstöpfe oder Multiplatten pikiert. Für 1000 Pflanzen werden 3g Saatgut benötigt.
Pflanzung: Im Frühjahr ab Anfang Mai, bei Herbstpflanzung bis Mitte September (nicht später da die Pflanzen sich sonst bis zum Winter nicht genügend verwurzeln), bei einem Abstand von 50-60 cm x 30-40 cm.
Da der Bestand schnell schließt, ist nur zu Beginn zu hacken und gegebenenfalls zu jäten. Melisse ist sehr empfindlich gegenüber Herbiziden und es sollte von Anwendungen abgeraten werden.
Ernte: Im ersten Standjahr sind zwei Schnitte möglich. Geerntet soll ab einer Wuchshöhe von 40 cm bis Ende Juli und spätestens bis Ende September, jeweils vor der Blüte und zu starker Verzweigung und nicht tiefer als 10 cm. Ab dem zweiten Jahr sind sind drei bis vier Schnitte möglich. (Mai, Juli, August, September) Der Ölgehalt steigt zum Herbst an. Eine maschinelle Ernte mit Mählader oder Balkenmäher ist möglich. Handschnitt oder händisches Abstreifen der Blätter bei kleinen Beständen ist angezeigt. Der AKh Bedarf für das Abstreifen von 1 kg getrocknete Droge liegt bei 2-3 AKh. (Dachler/Pelzmann 1989)
Melisse ist sehr druckempfindlich und sollte daher vorsichtig und sofort getrocknet werden, bei Temperaturen nicht über 40°C. Das Eintrocknungsverhältnis beträgt 6-7:1. Der beste Erntezeit-punkt ist vormittags bei bedecktem Himmel, da das Erntegut bei heißen und trockenen Wetter schnell schwarze Flecken bekommen soll. (Seminar 1995)
Ertrag: 1. Jahr: 4-6 t/ha, ab dem 2. Jahr: 5-8 t/ha Trockengut, d.h. 1,5-3 t bzw. 2-4 t Blattware.
Die Erträge können je nach Standort, Jahreswitterung und dgl. stark variieren.

Sorten:
• "Quedlingburger Niederliegende" im ersten Jahr mehr niederliegend und nicht so starkwüchsig, ab dem zweiten Jahr jedoch krautreiche, hochwachsende Bestände bildend, die gut überwintern. (Heeger 1956, 8)
• "Aufrechte Erfurter Melisse" ist im ersten Standjahr starkwüchsiger und dann einfacher zu ernten als die Niederliegende, der Nachteil ist jedoch ein höherer Stengelanteil und die größere Frostempfindlichkeit, vor allem bei Früh- bzw. Spätfrösten. Desweiteren nimmt die Wuchsleistung schon ab dem zweiten Standjahr ab. (Dachler/Pelzmann 1989)
Als gärtnerische Zierformen sind folgende Sorten im Handel:
"Variegata" mit gelbgefleckten Blättern
"Aurea" die zum Teil goldgelbe Triebe bildet. (Phillips/Foy 1991, 8)
Als Winterschutz wird ein Anhäufeln im Oktober empfohlen, um einen Winterausfall zu begrenzen. (Seminar 1995)

3.1.4 Mentha - Minze

Allgemein:
Ursprünglich kommt diese Gattung mit ihren aromatischen, ölreichen und mehrjährigen ca 15 Vertretern nur auf der Nordhemisphäre, in Neuseeland und Australien vor. Wie auch bei Thymus sind die Arten sehr formenreich und neigen zur Bastardisierung. Obwohl die Bastarde i.d.R. steril sind, erfolgt die Verbreitung über Ausläuferbildung, die nicht selten die Stammpflanzen verdrängen. (23) Bis heute hat sich selbst nach eingehenden Untersuchungen noch keine absolute Klarheit über die morphologische und chemische Evolution dieser Sippe herauskristallisiert. Eine umfassende Systematik existiert aufgrund der Fülle an Sippen nur für einzelne Gebiete. Als Kulturpflanzen werden seit altersher überwiegend Bastarde kultiviert. (Urania 1994)
Die meisten Arten sind völlig winterhart und wachsen auch im schattigen Bereich. Bei der Kultivierung von Bastarden ist eine vegetative Vermehrung unerlässlich. (Brickel 1990)

Botanik:
Die Primärwurzel wird nicht älter als ein Jahr und wird in dieser Zeit durch Adventivwurzeln ersetzt, die an den aus den Knospen am Stengelgrund hervorgehenden Ausläufern entstehen. Die Sprosse sind dicht behaart bis kahl, die Stengel aufsteigend, aufrecht oder niederliegend, meist ästig. Die Blätter sind breitförmig bis lanzettlich. Die gestielten Blüten stehen in reichblütigen Scheinwirteln. Blütenkrone fast strahlig und meist violett. (Hegi 1964)

3.1.4.1  Mentha piperita var. Citrata - Bergamot-Minze, Eau-de-Cologne-Minze

Allgemein:
Unter M. p. var. citrata werden auch verschiedene Aroma-Sorten angeboten, so z. B. die Orangenminze mit einem Bergamot-Orangen-Aroma oder die Limonenminze, die einen Duft von Limonenschalen verbreiten soll. (8) Diese Vielfalt an Variationen ist sicherlich auch eine Folge der enormen Variabilität innerhalb dieser Gattung. Aufgrund der Vielfalt ist ein Erwerb einer speziellen Sorte kaum möglich. Erstens sind die Pflanzen im Handel nur selten erhältlich und zweitens kursieren viele Namen für ein und dieselbe Sorte. Es sei also anzuraten, verschiedene Minzen zu erwerben und im direkten Vergleich die persönlich am ehesten zusagende Pflanze zu kultivieren.
Die Varietät leitet sich von der Stammform M. piperita, der Pfefferminze ab. Diese wiederum entstand aus M. aquatica x M. spicata. Die Pfefferminze wurde zum erstenmal 1696 in England beschrieben und schon kurze Zeit später wurde ihr eine heilende Wirkung zugesprochen. 1770 wurde sie durch englische Ärzte in Holland und Deutschland bekannt. Die Herkunft dieses Bastards wird jedoch im Mittelmeerraum vermutet. (Heeger 1956) Über das Wann und Wo der Varietät citrata schweigt sich die Literatur allerdings aus.

Botanik:
Als Abkömmling von M. piperita bildet die Bergamot-Minze ebenfalls ein flaches Wurzelwerk aus und bevorzugt einen feuchten, nicht zu schweren Boden. Die rötlich grünen verzweigten Stengel dieser breitwüchsigen, völlig winterharten Staude erreichen eine Höhe von 30-60 cm (-100cm (8)) und eine Breite von bis zu 60 cm. Die Blätter sind charakteristisch breit oval bis rundlich. Die kleinen rötlich purpurnen Blüten stehen in kurzen rundlichen Ähren und "erheben sich Juli-August über einen Teppich von leicht gezähnten, mittelgrünen Blättern." (Hansen 1990, Brickel 1990)

Inhaltsstoffe:
Nach Aussagen der Gärtnerei Kräuterzauber enthalten die -citrata-Sorten nur wenig Menthol. Das ätherischen Öl der normalen Pfefferminze enthält 50-86% Menthol das den Hauptwirkstoff für Heilanwendungen darstellt. Es wirkt antiseptisch, in hohen Dosen desinfizierend, und reizt die auf Wärme oder Kälte reagierenden Nervenenden. Die Einnahme hoher Menthol-Konzentrationen kann das Zentralnervensystem lähmen. (Gessner 1974) Als weitere Stoffe sind Menthon, Terpene, Cineol, Limonen etc. zu nennen. Für Kleinkinder werden im Allgemeinen Pfefferminzpräparate nicht empfohlen, wie auch generelle Langzeitanwendungen. Es stellt sich die Frage, inwieweit die Inhaltsstoffe der Bergamot-Minze sich tatsächlich von der, der Pfefferminze unterscheiden, denn mit einem geringeren Menthol-Gehalt, liegt die Vermutung nahe, daß ein Tee aus dieser Pflanze bekömmlicher sein könnte.

Anwendungsgebiete:
Aufgrund der möglichen Unterschiede der Inhaltsstoffe zu der Pfefferminze nicht sicher ob die dortigen arzneilichen Anwendungen übernommen werden können. Wahrscheinlich ist aber wohl, daß die Bergamot-Minze zumindest in ähnlicher, vielleicht milderer weise wirkt.

Kulturhinweise:
Die Hinweise beziehen sich auf die Stammform M. piperita (nach Dachler).
Standort: Frische, humose, nicht staunasse oder trockene Böden in warmer Lage werden besonders bevorzugt. Der Nährstoffbedarf ist hoch und liegt bei ca. 130 kg N/ha, 80 kg K/ha, 225 K kg/ha.
Pflanzung: A) Die händisch gewonnenen Stolonen (15-20 cm Stücke, mit mind. 3 Knoten) werden im Herbst in 10 cm tiefe Furchen lückenlos gelegt, bei einem Reihenabstand von 50-62 cm. Unterirdische weiße Ausläufer bewurzeln besser als grüne Oberirdische. Pro Hektar ergibt sich ein Stolonenbedarf von 80.000-100.000 Stück.
B) Im Frühjahr, ab Anfang April, werden kurze Kopfstecklinge von den gerade austreibenden Pflanzen genommen und z.B. in Multiplatten unter Folie zur Bewurzelung gebracht. Nach ca. 6 Wochen sind die Stecklinge pflanzfertig. Der Abstand beträgt 50-60 x 30-40 cm. Dies ergibt einen Pflanzenbedarf von 50.000-60.000 Stck/ha. Als pflanzensparende Alternative können aus einem kleinen Kopfstecklingsbestand die Stolonen für den Herbst gewonnen werden.
Für Pfefferminze gilt, daß ein Bestand nach spätestens einigen Jahren über Stecklinge oder Stolonen erneuert werden muß, da sonst eine Verschlechterung der Qualität eintritt. Der Anbau wird praxisüblich ein bis dreijährig geführt. Bestände aus Kopfstecklingen oder Stolonen von Kopfstecklingen bringen größere Blatt- und Ölerträge.
Ernte: Zwei, selten drei Schnitte sind möglich, wobei der erste bei ausreichender Höhe und vor der Blüte erfolgen sollte, der letzte spätestens Mitte September. Um nach einem Schnitt einen zügigen Nachwuchs zu ermöglichen, sollte unbedingt eine ausreichende Wasserversorgung gewährleistet sein, d.h. bei Trockenperioden muß beregnet werden um einen gesicherten Ertrag zu erhalten. (Seminar 1995) Die Aufbereitung kann als Krüllschnitt (Schnittgut wird gehäckselt, per Windsichtung Stengel und Blattanteil getrennt) erfolgen.
Die Trocknung sollte nicht über 42°C gefahren werden. Das Eintrocknungsverhältnis beträgt: nach Heeger: Kraut: 4-6:1; Krüllschnitt: 5-7:1; Blätter: 6-8:1
Ertrag: Frischkraut: 30-50 t/ha, frische Krautware: 17-30 t/ha, getrocknete Blattware: 2,5-5 t/ha. (Dachler/Pelzmann 1989)


zum Inhaltsverzeichnis                  zum Seitenanfang