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3.1.5   Monarda - Monarde, Indianernessel

Allgemein:
Diese bekannte, vor allem im östlichen Nordamerika beheimatete Gattung enthält ca. 12 sowohl einjährige Kräuter, als auch hohe buschige Stauden. Ihren Gattungsnamen hat sie von dem spanischen Arzt N. Monardes (1493-1578) erhalten, der als einer der Begründer der neueren Pharmakognosie gilt, und die Eigenschaften der Monarden bei Indianern kennenlernte. Der deutsche Name Indianernessel bezieht sich auf die Blütenform, weil die Einzelblüte wie die Federn am Indianerkopfschmuck wirken sollen. (Phillips/Foy 1991, Hegi 1964) Schon lange werden sie als langblühende Rabattenstauden gezogen und werden auch für Unterpflanzungen lichter Gehölze, Großpflanzungen und zum Schnitt empfohlen. (Encke 1987) Durch züchterische Bearbeitung sind mittlerweile viele Hybriden und Sorten in Staudengärtnereien erhältlich. Eine Vermehrung der Stauden erfolgt i.d.R. durch Teilung und Stecklinge im Frühjahr.

Botanik:
Gegenständig angeordnete gezähnte Blätter an aufrecht stehenden, kantigen Stengeln. Die Blüten stehen in meist wenig zahlreichen, aber reichblütigen Scheinquirlen. Die meist drüsig punktierte Krone besteht i.d.R. aus einer langen schmalen, gekrümmten Oberlippe und einer kürzeren Unterlippe. Das Farbspektrum reicht von rosa, rot bis violett mit oft gefärbten Hochblättern.

3.1.5.1  M. citriodora - Präriebergamot

Allgemein:
Man muß Glück haben, um auf diese, aus Nordamerika stammende, einjährige Pflanze in der Literatur zu stoßen. In keinem Buch wird sie beschrieben. Wenn, dann wird sie nur am Schluß einer Abhandlung über M. dydima wegen ihres Zitronenaromas erwähnt. Auch wenn sie kaum Beachtung findet, so ist doch Saatgut bei einigen Firmen erhältlich. Die Blätter entwickeln ein herbes würziges Zitronenaroma das sich gut für Tees, zur Aromatisierung von Salaten und Wildgerichten eignet. Der Geschmack der frischen jungen Blätter ist scharf und eignet sich als Pfefferersatz. Ein Anbau wird in kleinem Rahmen in der Steiermark durchgeführt.
Sie blüht in schönen rosa oder purpurnen Farben. (Phillips/Foy 1991, 8) Als Schnittblume wird sie empfohlen. Die Blütezeit zieht sich vom Juni bis zum September hin, wobei die Blütenoberlippe ziemlich offen ist. M. citriodora kann eine Höhe von 80 cm erreichen, wobei sie kleiner als M. dydima bleiben soll.

3.1.5.2   M. dydima - "Goldmelisse" Goldmelisse, Scharlach-Monarde, Oswego-Tee

Geschichte/Herkunft:
Die Goldmelisse hat seit ihrerer Einführung in Europa 1752, eine feste Stellung im Staudensortiment eingenommen und ist mittlerweile fast nicht mehr aus den Gartenanlagen wegzudenken. Beheimatet ist sie im östlichen Nordamerika von New York bis Michiagan und südlich bis Georgia. Vor allem in feuchten Wäldern, Gehölzen und Flussauen ist sie zu finden. So wird sie bevorzugt im schattigen Bereich oder in der Rabatte als stattliche Zierpflanze gezogen. (Hegi 1964, Hansen 1990)
Der Name Oswego-Tee rührt von der Nutzung der Oswego-Indianer her, die aus der Pflanze einen bekömmlichen Tee bereiteten. Die Siedler übernahmen die Zubereitung und bis heute scheint der Oswego-Tee ein beliebtes Getränk zu sein. (Phillips/Foy 1991, Mabey 1989) Der Duft der Pflanze wird mit dem der Melisse, Krauseminze oder Bergamot verglichen. In Südamerika wurde zumindest noch in den 30´er Jahren Monarda angebeaut. Auch in England und der Schweiz wurde M.dydima kultiviert. (Hegi 1964) Die Monarde ist gerade in diesen Ländern in der Volksmedizin eine wichtige Heilpflanze.

Botanik:
Die flachwurzelnde Bodenausläufer treibende borstig behaarte bis fast kahle Staude wird 50 bis 150 cm hoch. An den scharf vierkantigen Stengeln stehen die gegenständigen, kurzgestielten, gezähnten bis zu 14 cm langen oval bis lanzettlichen Blätter. Die 3 bis 4 cm langen roten Röhrenblüten erscheinen von Juni bis September in dichten endständigen Scheinquirlen. Als zusätzliche Zier färben sich auch die Hochblätter rötlich. (Hegi 1964, Hansen 1990)

Verwendung:
Neben den Blättern können auch Blüten und Wurzeln verwendet werden. Als Gewürz in der Küche findet die Goldmelisse ebenso ihre Berechtigung wie auch als aromatisches bitteres Magenmittel. Tee aus dem ganzen Kraut wird vor allem als Wundbehandlung gegen Blutungen angeraten, (Pahlow 1979, Hegi 1964) sowie als nervenstärkendes, appetitanregendes, verdauungsförderndes und fieberstillendes Mittel. (Hegi 1964) Als gute Bienenpflanze wird sie zudem in den Gärten sehr geschätzt.
Zur Zeit wird die Goldmelisse vor allem als Schmuckdroge verwendet, wobei beachtet werden muß daß sie ein eigenes bitteres Aroma einbringt. Eine Sorte mit scharlachroter Blütenfarbe wird hierfür i.d.R. verlangt. (Dachler/Pelzmann 1989)
In Kräuterbonbons einer schweizer Firma ist die Monarda Bestandteil im Kräuterextrakts.
Als Tee wird empfohlen: 30g getrocknete Blätter in einem Liter kochendem Wasser 5 Minuten ziehen lassen. (Phillips/Foy 1991)

Inhaltsstoffe:
Das paraffinreiche ätherische Öl enthält unter anderem: Thymol Carvacrol und Phenole. Des weiteren beinhaltet die Pflanze Bitterstoffe und Gerbsäure. (Hegi 1964, Pahlow 1979)

Kulturhinweise:
M. dydima hat eine Winterhärte bis zu -25°C und ist bei nicht allzu großer Trockenheit anspruchslos. Die zügige Entwicklung und reichliche Bildung von Ausläufern ermöglicht eine leichte Vermehrung über die Teilung der Pflanze, Eine Vermehrung über Stecklinge ist ebenso möglich. Aussaaten sind unproblematisch, jedoch sollen diese Bestände sich farblich Aufspalten. (Hegi 1964, Mabey 1989, Dachler/Pelzmann 1989) Zu beachten ist, daß der Pflanztermin nicht in den Herbst gelegt werden sollte, da es sonst zu Ausfällen kommen kann.
Pflanzung: Auslegen der Wurzelausläufer oder pflanzen der bewurzelten Stecklinge im April/Mai oder September, mit einem Abstand von 50x40 cm.
Standort/Düngung: M. dydima gilt als Starkzehrer und sollte auf tiefgründige, humose und feuchte Böden gepflanzt werden. Sonnige Lagen fördern den Blütenansatz. Eine reichliche Humusversorgung sollte durch Gaben von Stallmist oder Kompost gewährleistet werden. Der Bedarf liegt bei: 140-180 kg N/ha, 60-80 kg P/ha und 160-200 kg K/ha.
Kulturdauer: Nach 3 bis 4 Jahren sollte der Standort gewechselt werden.
Ernte/Ertrag: Ernte der Blüte zweiwöchentlich von Mitte Juni bis Ende August, durch Abzupfen der Röhrenblüten vom Quirl. Die Farbe muß beim Trocknen erhalten bleiben. Das Eintrocknungsverhältnis beträgt: 7-9:1. Der Blütenertrag für 100 m2 liegt bei 4-6 kg. Die Haupternte liegt im Juli, wobei der Pflückaufwand für 1 kg getrocknete Blüten 8-12 AKh beträgt.
Für die Ernte des Krautes kann zweimal geschnitten werden. Mitte Juli zur Vollblüte und Mitte September. Der Krautertrag liegt bei 40-60dt/ha. Eine Möglichkeit besteht auch darin, erst die Blüten zu ernten und dann im September das Kraut zu schneiden. Als Nachteil ist hier jedoch das Risiko zu sehen, daß bei starken Mehltaubefall ein Schnitt unter Umständen nicht lohnend ist. (Dachler/Pelzmann 1989)
An Sorten kann im Allgemeinen auf das Angebot aus dem Zierpflanzenbau zurückgegriffen werden.
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die Sorten von Sabine erfragen und wo und wie wird angebaut
Monarda Hybriden entstammen zumeist von M. dydima x M. fistulosa und vertragen mehr Trockenheit. (Hansen 1990) Da aus M. fistulosa die Oswego Indianer ebenfalls einen Tee bereitet haben, wäre es durchaus denkbar, daß auch diese Hybriden für den Teeanbau geeignet sind.
Für 1000 Pflanzen werden 3g Saatgut benötigt. (Jelitto)

3.1.6   Nepeta - Katzenminze

Allgemein:
Die Gattung ist nach der Stadt Nepi (früher Nepet oder Nepete) in Etruiren benannt worden. Mit 150 vorwiegend sommerblühender Arten kommt diese Gattung überwiegend in den gemässigten Zonen der "alten Welt" vor. Einen Schwerpunkt bilden die Gebirge des Orients. (Hegi 1964) Es sind i.d.R. ausdauernde Kräuter, die oft nur schwer zu unterscheiden sind. Durch die Nutzung als Zierpflanze sind jedoch einige Arten aus den Gärten verwildert und mitlerweile in den meisten Ländern eingebürgert. Als Gartenpflanzen bevorzugen sie sonnige, feuchte, durchlässige Standorte. (Brickel 1990)

Botanik:
Stauden mit aufrechten oder aufsteigenden Stengeln. Die Blätter sind eiförmig oder lanzettlich, gestielt oder sitzend, jedoch fast immer kerbzähnig.
Die oft gestielten Blüten sind in lockeren Scheinähren oder -quirlen zusammengefasst, mit weißer oder blauvioletter Farbe. Die zweilippige Krone ist oft in der konkaven Mitte der Oberlippe bärtig. (Hegi 1964)

3.1.6.1    N. cataria var. citriodora - weiße oder englische Melisse

Geschichte und Herkunft:
Die Katzenminze N. cataria ist aus dem vorderasiatischen Raum und Ost- bis Südeuropa in alle weiteren europäischen Länder eingebürgert worden. Wo und wann sich die Spielart gebildet hat, ist unbekannt. Da sich jedoch regionale Namen für N. var. citriodora entwickelt haben, muß man davon ausgehen, daß auch sie sich schon seit langem, ebenso wie die Katzenminze, in Kultur befindet. Aus den Bauerngärten verwildert, ist sie nun stellenweise anzutreffen. Ob sie auch eine Wirkung auf Katzen zeigt, wie es ihrer Ausgangsform nachgesagt wird, ist nicht beschrieben. Nach Gessner wird die weiße Melisse in Deutschland (Lausitz) noch stellenweise angebaut.
Schon früh nutzten die Apotheker die zitronige Pflanze als Melissenersatz. (Hegi 1964) So können auch heute noch Verfälschungen von Melissentee auftreten. (Wichtl 1984)
Direkte Standortbedingungen werden für die weiße Melisse nicht beschrieben, aber es ist anzunehmen, daß sie ähnliche Ansprüche stellt wie die, mit ihr kreuzbaren, Katzenminze. Demnach besitzt sie eine relativ große Standortamplitude, die über Hecken, Wegrändern, Schuttplätzen, Flußufern bis in die Gebirge hinein reicht. Trockene oder schattige Bereiche können besiedelt werden, wobei feuchte, sonnige Plätze am geeignetsten sind. Das kräftigste Aroma soll die weiße Melisse auf Lehmböden entwickeln. (8)

Botanik:
Die Katzenminze und die weiße Melisse unterscheiden sich kaum. Aus diesem Grunde wird zunächst N. cataria beschrieben und im Anschluß auf die wenigen Unterscheidungsmerkmale eingegangen.
Die sommerblühende Staude bildet mehrere aufrechte bis 1 m hohe ästige Stengel mit einer verzweigten Pfahlwurzel. Stengel, Blätter und Blüten sind durch kurze dichte Flaumhaare graugrün gefärbt. Die herzförmigen, bis 2 cm langen gestielten Blätter haben ein Ausmaß von ca. 2-4 cm x 1-3 cm. Der Rand ist grob gekerbt und die obere Spreite oft verkahlt. Die im Juli bis September erscheinenden Blüten sitzen in dichten reichblütigen Scheinähren, wobei die unteren Scheinquirle locker gestielt sind. Die zweilippigen Blüten sind ca. 7-9 mm lang, schmutzig weiß wobei der Mittellappen purpurn gepunktet ist. Die kahlen Staubblätter sind violettblau gefärbt.
Im Gegensatz dazu sind bei N. cataria var. citriodora die Blüten größer, reiner weiß und rot punktiert. (Hegi 1964) Außerdem soll sie im Wuchs etwas schwächer sein. (8)

Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete:
In der Pflanze 0,38 % nach Zitrone duftendes ätherisches Öl. Darin: 10 % Citral, 50 % Citonellol, 12 % Geraniol und Nerol, 3 % Limonen und Dipenten.
Über arzneiliche Anwendungsgebiete liegen keine Angaben vor. Es wird vermutet, daß sie ähnlich der Melisse verwendet werden kann. (Gessner 1974) Der frische Tee soll geschmacklich dem von Melisse weit übertreffen, auch soll das Aroma "rosiger" sein. Der weißen Melisse wird eine längere Haltbarkeit als trockene Droge gegenüber der Melisse bescheinigt. (8)
Ein Tee soll entspannend (nicht beruhigend) wirken. Als gute Bienenpflanze wird sie ebenfalls empfohlen.
Unterscheidungsmerkmale der Drogen: weiße Melisse und Melisse (Melissa officinalis):
Die Blätter der weißen Melisse sind oberseits weichhaarig, unterseits filzig graugrün, riechen intensiver nach Zitrone als Melisse. Die Köpfchenhaare haben meist zweizellige Köpfchen und es kommen Drüsenhaare mit einzelligem Stiel und vielzelligen Köpfchen vor. Die für Melisse typischen Eckzahnhaare sind nicht vorhanden. (Wichtl 1984)

Kulturhinweise:
Für alle Nepeta-Arten gilt, daß sie nur im Frühjahr gepflanzt werden sollten. Eine Vermehrung kann durch Teilung im Frühjahr oder durch Stecklinge im Frühling bis Sommer geschehen. Der Aussaattermin für Wildarten soll im Herbst sein. (Brickel 1990) Für eine remontierende Blüte im Spätsommer, muß ein tiefer (nicht höher als Handbreite) Rückschnitt erfolgen. (Hansen 1990)
Bei einigen Anbauern werden für N. cataria zwei Reihen im Abstand von 30 cm gepflanzt und dann 90 cm freigelassen. Die Reihen schließen und bilden eine Art "Hügel". Die 90 cm erlauben eine schmale freie Gasse. Für den maschinellen Schnitt scheint dieses System gut zu funktionieren. (Seminar 1995)
Für 1000 Pflanzen werden 3g Saatgut benötigt.

3.1.7   Ocimum - Basilikum, Basilienkraut

Allgemein:
Die Gattung umfasst 50-60 aromatische Kräuter und Kleinsträucher, die im tropischen Afrika, Asien und zum geringen Teil im tropischen Amerika beheimatet sind.
Die weißen oder rosa Blüten stehen in meist 6-blütigen Scheinquirlen, die zu endständigen Rispen oder Scheintrauben vereinigt sind. (Hegi 1964)
Seit altersher wird O. basilicum als Küchen und Heilkraut und O. canum, O. sanctum zur Camphergewinnung kultiviert.

3.1.7.1    O. basilicum var. anisatum - Zitronenbasilie

Geschichte/Herkunft:
O. basilicum stellt jene Art dar, aus der die Gartenformen entstanden sind. Die ursprüngliche Heimat ist durch die menschliche Nutzung kaum noch rekonstruierbar. In Vorderindien angebaut, ist es wahrscheinlich durch die Alexander Feldzüge nach Griechenland gekommen. Als Medizinalpflanze dort nicht immer geschätzt, erlangte sie in der römischen Kaiserzeit vor allem als langblühende Zierpflanze große Beliebtheit. In Deutschland nachweislich seit dem 12. Jhd in Kultur, wenn auch nur vereinzelt. Die Gewinnung des Öls ist seit 1582 bekannt. (Hegi 1964)

"Im Altertum galt das Basilienkraut unter anderem als Mittel gegen Skorpionstiche. Es rankten sich viele Mythen um die Kräfte der Pflanze, so glaubte man z.B. es entwüchsen Skorpione, wenn das Kraut zwischen zwei Steinen gerieben und ein Gefäss darüber gestürzt würde. Nach einem Versuch in einem sächsischen Kloster im Jahre 1665 wurde diese "These" voll bestätigt. Der Versuch wurde im Klosterkeller, zwischen Ziegelsteinen, bei hoher Feuchte, einen Monat lang durchgeführt. Da den hiesigen Skorpionen diese Milieu sehr zusagt, ist ein Erfolg nahezu unabwendbar." (Hegi 1964)

Von O. basilicum leiten sich fast alle gärtnerischen Kulturen und Formen ab. Die große Vielfalt macht eine genaue Bestimmung schwierig.
Die Zitronenbasilie ist im 17. Jhd. als Ocimum citri odore et anisi odore beschrieben.
In Literatur und Vertriebsangaben wird z.T. die Zitronenbasilie als O. citriodorus bezeichnet, die kompakter und zierlicher wachsen (Phillips/Foy 1991), oder als O. americanum, welches einen außerordentlichen süßen Geschmack haben soll (8). Ob es sich hierbei tatsächlich um andere Arten oder Varietäten handelt, sei dahingestellt.

Botanik:
O. basilicum: Einjährige Pflanze mit dünner, verzweigter Wurzel, die einen aufrechten oder verzweigten Stengel bis 50 cm bildet. Die Blätter sind i.d.R. eiförmig, länglich, gestielt und meist kahl. Die weißen Blüten erscheinen August-September, oft jedoch auch früher. Es kommt nur zu Fremdbestäubungen, da Insekten je nach Alter der Blüte entweder nur die Antheren oder nur den Griffel berühren
O. basilicum var. anisatum: Stengel mehr aufrecht, schwächer behaart. Die Laubblätter sind etwas größer, dicker und deutlich gesägt. Krone oft behaart, mit Zitronengeruch.
Allgemein muß gesagt werden, daß Basilikum sehr wärmeliebend ist und emfindlich auf Kälte reagiert.

Inhaltsstoffe:
Für das Zitronenbasilikum sind keine Inhaltsstoffe aufgeführt, aber es ist anzunehmen, daß neben dem Zitronenaroma, zumindest annähernd gleiche Stoffe wie bei den andern O. basilicum- Varietäten auftreten.
Ätherisches Öl in der Droge: bis 1,5% mit Estragol, Linalool, Cineol, Campher und Eugenol. Desweiteren enthält die Droge 5% Gerbstoffe, Glykoside, saure Saponine, Oleanal- und Urolsäure. Die Zusammensetzung des äth. Öles wechselt nach Herkünften. (Dachler/Pelzmann 1989, Fischer 1984)

Anwendungsgebiete:
Sicherlich ist O. b. var. anisum analog der anderen Formen, anzuwenden. So wird ein Tee bei Blähungen und Magenverstimmungen und zur Förderung der Milchsekretion eingenommen, als auch bei Appetitlosigkeit, nervöser Unruhe und Schlaflosigkeit. (Dachler/Pelzmann 1989, Pahlow 1979) Die Anwendung als Küchengewürz ist wohl allgemein bekannt.

Kulturhinweise:
Standort: Sonnige, warme Lagen; sandige Lehmböden werden bevorzugt.
Pflanzung/Aussaat: Eine Direktsaat ist ab Anfang Juni möglich, jedoch ist das späte Auflaufen und die Kälteempfindlichkeit zu berücksichtigen. Des weiteren gehört Basilikum zu den Lichtkeimern und darf nur flach abgelegt werden. Saatgutbedarf liegt bei 4-5 kg/ha, bei einem Reihenabstand von 30-40 cm.
Für Jungpflanzen wird im April in Erdpresstöpfe direkt abgelegt, bei einer Dichte bis zu 6 Korn pro Topf. Die Pflanzung erfolgt ab Mitte Mai, wenn die Frostgefahr gebannt ist.
Der Pflanzabstand soll 30-40 x 20-25 cm betragen, d.h. es werden für 100 m2 1000-1600 Pflanzen benötigt.
Ein mehrmaliges Hacken ist unvermeidbar, da die Bestände kaum schließen.
Nährstoffbedarf: 80-100 kg N/ha, 60-80 kg P/ha, 100-120 kg K/ha. Ein zu hohes Phosphatangebot mindert den Ölertrag.
Ernte: Mit dem ersten Schnitt ist i.d.R. 8 Wochen nach der Pflanzung zu rechnen, bei Blühbeginn. Im September ist ein zweiter Schnitt häufig möglich. Das Schnittgut ist sehr druckempfindlich und sollte unverzüglich bei Temperaturen nicht über 40°C getrocknet werden. Das Eintrocknungsverhältnis beträgt: 7-8:1.
Der Frischkrautertrag liegt bei 120-180 kg/100 m2, der Trockenkrautertrag bei 15-30 kg/100 m2.

3.1.8  Thymus - Thymian, Quendel

Allgemein:
Das griechische Wort thýmos soll vom ägyptischen tham herrühren, womit eine in Ägypten und Palästina zur Leichenwaschung verwendeten Thymus-Art bezeichnet wurde. (Hegi 1964)
Die Gattung Thymus beinhaltet ca. 35 aromatische Klein- oder Halbsträucher, wobei die außerordentliche Variabilität und Bastardisierung untereinander eine systematisch kaum zu erfassende Vielfalt entstehen läßt. Aus diesem Grund werden viele Arten eher als Kollektivarten angesprochen, die sich in zahlreichen Unterarten, Formen und Bastarde aufspalten. (Hegi 1964) So ist allein für die Art T. serphyllum noch kein allgemein anerkannter Schlüssel aufgestellt worden. (Schmeil 1988) In einigen Übersichten sind bis zu 417 Kleinarten der Gattung aufgelistet.
Die Verbreitung erstreckt sich über ganz Eurasien bis Südgrönland, von Nordafrika bis Abessynien und den Kanaren.

Botanik:
Stengel aufrecht, flach ausgebreitet oder kriechend, mindestens am Grunde verholzt. Die kleinen Blätter sind kreuzweise gegenständig, ganzrandig und drüsig punktiert. Die Blüten haben einen zehn bis dreizehnnervigen Kelch, eine zweilippige Krone und gerade vorgestreckte Staubblätter. Sie stehen häufig am Ende des Stengels zu Köpfchen zusammengedrängt in ein bis vielblütigen Scheinquirlen. (Encke 1987, Urania 1994)

3.1.8.1   T. x citriodorus - Zitronenthymian

Allgemein:
Der Zitronenthymian stellt ein Naturbastard aus Südfrankreich dar, der aus der Kreuzung zwischen T. pulegoides x T. vulgaris hervorgegangen ist. Diese Herkunft zeigt deutlich, daß dieser Bastard wärmeliebend und trockentolerant ist. Eine unter Umständen mangelnde Frosthärte wird ihm nachgesagt, so daß mit Ausfällen in strengen Wintern zu rechnen ist. In südlichen Gärten wird dieser Thymian gerne kultiviert.

Botanik:
10-30 cm hoher Kleinstrauch mit kahlen oder nur schwach behaarten, rhombisch-eiförmigen oder lanzettlichen, kleinen Blättern, mit meist zurückgerollten Rändern. Die blaßrosa Blüten stehen in länglichen Köpfchen und erscheinen von Juli bis August.

Inhaltsstoffe:
Über Inhaltsstoffe liegen keine Daten vor. Es ist jedoch anzunehmen, daß das ätherische Öl wie auch bei T. serphyllum und T. vulgaris zumindest Thymol, Carvacrol, Cineol diverse Terpene und Gerbstoffe enthält. Der Ölgehalt liegt bei T. serphyllum z.B bei 0,1-0,6 %, bei T. vulgaris 1-2,5 %. (Braun 1994, Wichtl 1984)

Anwendungsgebiete:
Mit seinem zitronig-herben Aroma kann das Kraut ebenso wie seine Eltern in der Küche und als Heilpflanze verwendet werden. T. vulgaris wird vor allem bei Erkältungen, Bronchitis und allgemein bei Katarrhen der oberen Atemwege verordnet. Des weiteren wirkt das Thymol antibakteriell und antiseptisch. Thymian findet in der Medizin in vielen Präparaten Verwendung, auch in zahlreichen Teemischungen ist er unverzichtbarer Bestandteil.
Als Geschmacksverbesserer oder, um den gewöhnlichen Heilteemischungen eine fruchtige Note zu verleihen, würde sich der Zitronenthymian sicherlich eignen.
Kulturhinweise:
Da es sich bei dem Zitronenthymian um einen Bastard handelt, kann nur eine vegetative Vermehrung durch Teilung der Mutterpflanzen oder, ergiebiger, über Stecklinge erfolgen.
Obwohl keine Kulturdaten über diese Spezies vorliegen, kann vermutet werden, daß Ertrag und Kulturverfahren denen von T. vulgaris gleichen. Die folgenden Angaben beziehen sich auf T. vulgaris nach Dachler.

Vermehrung: Bei einer Stockteilung erhält man bis zu 25 Ableger pro Mutterpflanze. Diese werden ab April bis zum Blattansatz in die Erde gesetzt. Eine Stecklingsvermehrung kann ganzjährig aber bevorzugt im Frühjahr geschehen. Die Stecklinge benötigen ca. 4 Wochen zur Bewurzelung.
Pflanzung: Die Jungpflanzen werden Mitte Mai mit einem Abstand von 40 x 30 cm gepflanzt.
Der Nährstoffbedarf ist mit 70 kg N, 50 kg P2o5 und 80 kg K2o /ha gering.
Ernte: Im ersten Jahr ist nur mit einem Schnitt, kurz vor der Blüte zu rechnen; ab dem zweiten Jahr sind zwei Schnitte, im Juni und Anfang September, möglich. Es sollte nicht zu tief geschnitten werden, um den holzigen Stengelanteil zu minimieren und einen Wiederaustrieb zu ermöglichen.
Der Ertrag der Frischware liegt bei 100 dt/ha, wobei im 3. Standjahr die höchste Menge erbracht wird. Durch die Trocknung entsteht ein Verlust von 60 %, das Blatt-Stengel-Verhältnis beträgt 1:5.
Sorten:
Als gärtnerische Zierformen werden gehandelt:
• "Argenteus" mit silbrig gerandeten Blättern; Winterschutz nötig.
• "Aureus" 20 cm hoher, sich ausbreitender Strauch mit gelbgerandeten Blättern und lilafarbenen Blüten.
• "Golden Dwarf" bis 10 cm hoch, bildet sehr ausdauernde kaum blühende Teppiche mit gelbbunten Blättern.
• "Silver Queen" mit weißen Blättern
• "Silver King"
• "Variegatus". (Hansen 1990, Encke 1987, Phillips/Foy 1991)


3.2   Verbenaceae - Eisenkrautgewächse


Allgemein

Die Angaben über die Anzahl der Gattungen und Arten, sind anhand der Literatur nur schwer bis gar nicht zu ermitteln. Durch die im Laufe der Jahre stetig veränderte Systematik mit Auflösung und Aufteilung alter Gattungen in Neue, oder der Umstellung ganzer Gattungen in andere Familien und nicht zuletzt der Entdeckung neuer bis dahin unbekannter Pflanzen, ist es wohl nur den eingeweihten Botanikern gegeben, zeitgemäße Aussagen zu treffen. Heißt es bei Hegi noch 70 Gattungen mit ca. 800 Arten, so "vermehren" sich die Verbenaceen bei Jelitto/Schacht (1985) auf 75 Gattungen mit schon 3000 Arten, um bei Urania mit der gleichen Artenvielzahl auf ca. 100 Gattungen zu kommen.
Wie schon bei den Labiatae ist diese Familie durch eine große Formenvielfalt gekennzeichnet: Bäume (z.B. Teakbaum bis 40 m hoch, Indien), Lianen, Sträucher, Halbsträucher und Stauden kommen vor. Einjährige Kräuter fehlen fast gänzlich.
Ihre Verbreitung ist entsprechend groß und so vielfältig ihre Formen sind, so unterschiedlich sind die Lebensräume die sie besiedeln. Das Spektrum reicht von den Mangrovenwäldern über die tropischen Regenwälder bis zu den Steppen. Interessanterweise werden aber nur vereinzelt Arten in den gemässigten Klimaten der Nordhalbkugel angetroffen. So ist in Deutschland Verbena officinalis (Schmeil 1988) als einzige Vertreterin ihrer Familie heimisch. Ihre Hauptverbreitung finden die Verbenaceen in Südostasien, Zentral- und Südamerika, aber auch Afrika in denen wenige, dafür jedoch artenreiche Gattungen beheimatet sind.
So sind nach Hegi 7 Unterfamilien beschrieben, die teils nur auf geographisch eng umgrenzte Gebiete beschränkt sind. Die vom Menschen in irgend einer Form genutzten Verbenaceae, sind demnach nur in der Unterfamilie Verbenoidae (=Samen ohne Nährgewebe) anzutreffen.


Botanik

Die Verbenaceae sind sehr eng mit den Labiatae verwandt und es gibt keinen für alle Vertreter beider Familien zutreffenden Merkmalsunterschied. So werden auch hier zahlreiche ätherische Öle synthetisiert. Auffallend vielleicht der Hinweis, daß die außerhalb der Tropen wachsenden Labiatae krautig sind, während die Verbenaceae überwiegend holzig bleiben. Eine Trennung erfolgt über unterschiedliche Entwicklungstendenzen, die hier nicht erörtert werden sollen.

Blätter:
Gegen oder quirlständig, meist ungeteilt, ohne Nebenblätter, oft mehr oder weniger behaart unter anderem mit Schuppen oder Drüsenhaaren.

Blüte:
Die fünfzähligen zwittrigen Blüten sind i.d.R. zweiseitig-symetrisch und stehen in achselständigen Scheinquirlen (Cymen), selten einzeln. Die Blütenstände bilden Scheindolden oder Trauben. (Jelitto/Schacht 1985) Die Krone ist meist in eine lange zylinderische Röhre und in einen zweilippigen Saum gegliedert. Blüten vieler Arten haben sich an bestimmte Bestäubungstiere angepaßt, so z.B. in den Tropen an Kolibris.
Auch in dieser Familie sind nur noch zwei, ein kurzes und ein langes Staubblätterpaar entwickelt, zum Teil auch nur ein Paar.
Der oberständige Fruchtknoten besteht i.d.R. aus 2, selten 4 Fruchtblättern. Durch Bildung falscher Scheidewände können bis zu 4 bzw. 8 Fächer entstehen, die jeweils eine Samenanlage enthalten. (Urania 1994)

Frucht/Same:
Steinfrucht oder Kapsel, mit selten dünner, trockener, öfter fleischiger äußerer Fruchtwand und harter innerer Fruchtschale. Zerfällt mitunter in Teilfrüchte. Die Verbreitung der Früchte geschieht i.d.R. durch Vögel. Zu ihrer Anlockung ist oft der Kelch als Schauorgan auffallend gefärbt. (Urania 1994)

Unterfamilie Verbenoidae:
Diese Unterfamilie ist gekennzeichnet durch traubige Blütenstände. Die Früchte zerfallen in Teilfrüchte und es herrschen Stauden oder niedrige Sträucher vor. Die Gattung Aloysia gehört in diese Unterfamilie.

3.2.1  Aloysia (Lippia)

Allgemein:
Aloysia beinhaltet Arten der ehemaligen Gattung Lippia, deren Arten nun in die Gattungen Phyla und Aloysia gegliedert werden. So wird z.B. Lippia repens heute als Phyla nodiflora angesprochen. In der Literatur ist dieser Veränderung bislang kaum Rechnung getragen worden. Aus diesem Grund wird im Folgenden überwiegend die Gattung Lippia beschrieben.
So beschreiben Jelitto/Schacht Aloysia, als eine gärtnerisch unbedeutende Gattung, die einen Umfang von 37, in Amerika heimischen Arten, umfaßt. Lippia bei Hegi hingegen, beinhaltet ca. 100 Arten, wovon 97 in den amerikanischen Tropen und Subtropen und 3 in Afrika beheimatet sind.

Botanik:
Die Stauden oder Sträucher haben gegenständige oder quirlige Blätter. Die kleinen Blüten sitzen in Ähren oder Köpfen an schlanken, achselständigen Stielen. Der Kelch ist klein, 2 bis 4-teilig, die Blütenröhre zylindrisch und die Krone zweilippig. Durch den zweifächerigen Fruchtknoten entstehen zwei einsamige Nüsschen.

3.2.1.1   A. triphylla  (Lippia citriodora, L. triphylla) - Zitronenstrauch

Geschichte und Herkunft:
Der Zitronenstrauch, beheimatet in Uruguay, Argentinien und Chile, wurde 1784 erstmals in England eingeführt und wenig später Dank seiner nach Zitrone duftenden Blätter im Mittelmeergebiet kultiviert. Sogar in Bozen wurde er in den Orangerien viel gesehen. Schon bei Berühren oder Verletzen des Strauches entströmt ihm ein starkes Zitronenaroma. Als Lieferant des sog. Verbenaöls erlangte A. triphylla einen gewissen Grad an Bedeutung. (Urania 1994) Das aus Sri-Lanka und Ostindien kommende Lemon und Zitronellgrasöl (Cymbopogon siehe Melissa) erübrigte jedoch einen weiteren Anbau. Im kälteren Europa muß der Strauch als Kübelpflanze gehalten werden, durch seiner mangelnden Frosthärte. In den Mittelmeerländern wie Spanien und Südfrankreich erfreut er sich immer noch großer Beliebtheit als Garten und Teepflanze. (Phillips/Foy 1991) Zum gleichen Zwecke dient das Kraut auch in Brasilien und den USA als erfrischendes Getränk. (Hegi 1975, Urania 1994)

Botanik:
A. triphylla ist ein sommergrüner Strauch, der eine Höhe von 2 m und eine Breite von bis zu 1 m erreichen kann. Die lanzettlichen, gelbgrünen, ganzrandigen Blätter haben eine glänzende Oberseite und eine reichdrüsige Unterseite. (Phillips/Foy 1991, Hegi 1975). Sie stehen in (2-) 3 (-4) quirligen Ständen an den Zweigen.
Die kleinen blaßblauen oder weißen Blüten stehen in zahlreichen rispig gestellten Ähren von Juli bis August bis September.

Inhaltsstoffe:
Das äther. Öl besteht vor allem aus Citral, des weiteren 1-Limonen, Geraniol, Sesquiterpen. (Mabey 1989, Hegi 1975)

Verwendung:
Die Essenz der Blätter soll häufig zur Herstellung von Likören und Parfums genutzt werden. (Phillips/Foy 1991) Als Erfrischungstee, in Punsch, Eingemachten, und Süßspeisen können die getrockneten oder frischen Blätter und Blüten in der Küche genutzt werden. (Mabey 1989)
In der Volksheilkunde soll ein Tee gut bei Übersäuerung, Magenverstimmung, Blähungen, Asthma, Neuralgien, Migräne oder als Stimulanz bei Lethargie oder Depression dienen. (Phillips/Foy 1991)
Teerezept: 30g getrocknete Blätter oder Blütentriebe in 1/2 L kochendes Wasser.
In Österreich wird Aloysia in geringen Umfang zur Bereicherung von Teemischungen angebaut. Zur Verfeinerung von Melissentee wird das Kraut oftmals eingesetzt, um einen kräftigen Zitronengeschmack zu erhalten.

Kulturhinweise:
A. triphylla wird als anspruchslose Pflanze beschrieben, die aber sehr wärme- und sonnebedürftig ist. Wie schon erwähnt ist sie frostempfindlich und muß daher im Kalthaus überwintert werden. Nach Erfahrung einiger Privatpersonen des Osnabrücker Raumes friert der Strauch im Winter zwar zurück, treibt aber an geschützten Standorten, wie z.B. an Hauswänden, im Frühjahr erneut aus. Eine Vermehrung erfolgt über Stecklinge. Saatgut ist nirgends zu erhalten, vielleicht weil der Same hier nicht ausreift? Die Teil- oder Kopfstecklinge bewurzeln leicht im Frühjahr, sollten aber abgedeckt werden. Jelitto/Schacht empfehlen die Pflanzen im Herbst aus der Erde zu nehmen, zur Hälfte zurückzuschneiden und bei 3 bis 10°C hell, luftig und bei nur geringen Wassergaben zu überwintern. (Jelitto/Schacht 1985)
Nach mündlichen Angaben der Firma Pharmaplant soll eine Pflanze pro m2 ausreichen.


3.3   Compositae (Asteraceae)- Korbblütler

Allgemein

Mit 1.000-1.300 Gattungen und ca. 22.000 Arten gehören die Compositae mit zu den größten Familien der höheren Pflanzen. Auch wenn die krautigen Pflanzen, Einjährige und Stauden, überwiegen, sind Bäume, Sträucher, selbst Sukkulente vertreten. Unter den Stauden gibt es sowohl solche mit normalen Wurzelwerk, als auch solche mit Rhizomen, Knollen oder Rüben.
Die Compositae sind auf allen Erdteilen anzutreffen. Von der Arktis über Sand-, Moor-. Salzböden bis zu den Schwarzerden und den Tropen. Die Hauptverbreitung findet man aber in den außertropischen Gebieten mit ausgeprägten Trockenperioden.

Botanik

Blätter:
Wechsel-, selten gegenständig, ohne Nebenblätter

ätherische Öle:
Chemisch werden viele verschiedene Sekundärstoffe gebildet. Daher waren viele Compositae schon von altersher als Heilpflanzen im Gebrauch. Viele Pflanzen synthetisieren in Drüsenhaaren ätherische Öle die für ihren Duft charakteristisch sind. Häufig vorkommende Laktone sind verantwortlich für den meist bitteren Geschmack der Korbblütler.

Blüte:
Die i.d.R. fünfzähligen, zwittrigen Blüten stehen meist zu mehreren auf einen verbreiterten, verdickten oder körbchenförmigen Blütenboden. Zusätzlich werden sie von zuweilen farbigen ein- bis mehrreihigen Hüllblättern, dem Involucrum, umgeben, dessen Struktur und Aussehen recht unterschiedlich sein kann (laubblattartig bis dornig). Die Gesamtheit täuscht somit meist eine Einzelblüte vor.
Es kommen zwei verschiedene Blütenformen vor. Die Röhrenblüten mit einer radiär 5-zipfeligen Röhre und die zweiseitig-symetrische, zungenförmige Zungenblüte. Beide Typen können auf einem Blütenkopf vorkommen, wobei die Zungenblüten dann i.d.R. den Rand bilden und die Röhrenblüten die Blütenscheibe ausfüllen. Bei den "gefüllten" Blüten werden die Röhren- durch Zungenblüten ersetzt.
Eine weitere Besonderheit stellt die Ausdifferenzierung der Staubblätter dar. Die fünf Antheren sind zu einer den Griffel umgebenen Röhre verwachsen. Durch diese Röre schiebt sich der Griffel. Er ist mit feinen Haaren besetzt, den sog. Fegehaaren, mit denen er den Pollen regelrecht auffegt und sammelt. Durch diesen Mechanismus wird der Pollen an die Blütenoberfläche gehoben und den Bestäubern zugänglich gemacht. Erst nach diesem Vorgang wird die Narbe empfängnisfähig. Es kommt aber auch häufig zur Apomixis, dh. Entwicklung eines Embryos aus der Samenanlage ohne vorherige Befruchtung. (Urania 1994)
Als Bestäuber kommen überwiegend Insekten vor, selten Wind.

Frucht/Same:
Der unterständige Fruchtknoten ist einfächerig und enthält somit eine Samenanlage. Es wird eine trockene und geschlossen bleibende Frucht gebildet. Der Same enthält kein Nährgewebe jedoch finden sich in den Keimblättern oft große Mengen an Eiweißen und Fetten, wie z.B. bei der Sonnenblume.
Typisch für viele Compositae ist der zu einem ein- bis mehrreihigen Haarschopf, dem sog. Pappus umfunktionierte Kelch. An der reifen Frucht dient er als Flugorgan, schönstes Beispiel ist hier sicherlich die Pusteblume (Taraxacum).

Tribus Anthemidae:
Eine Einteilung dieser großen Familie ist für eine überschaubare Systematik unumgänglich. Eine Unterteilung wird durch den Tribus vorgenommen.
Dieser Tribus umfasst die meisten unserer heimischen Compositae und hat zur Zeit einen Umfang von ca. 100 Gattungen mit 1400 Arten. Der Rainfarn, die Wucherblume und nicht zuletzt der Beifuß gehören hierhin.
Vorwiegend aromatische Kräuter und Stauden, selten Sträucher mit wechselständigen, fiederig geteilten Blättern. (Urania 1994)
Die Früchte, sind überwiegend pappus-los.

3.3.1   Artemisia - Beifuß

Allgemein:
Die Gattung Artemisia zeichnet sich durch eine Fülle an Heil- und Kräuterpflanzen aus. Aufgrund des grauen Laubes vieler Arten, wird sie gerne in Staudengärten gepflanzt. Die Gattung umfasst annähernd 400 einjährige, staudige oder strauchige Arten bevorzugt in den Steppen und Halbwüsten der nördlichen Hemisphäre. So sind z.B. in der Mongolei 65 Arten beheimatet. (Urania 1994)
Chemisch enthalten die meisten Arten Sesquiterpen-Laktone wie z.B. der Wermut (A. absinthium).

Botanik:
Die Blütenköpfchen sind bis 5 mm breit, stehen in ährigen, traubigen oder rispigen Blütenständen. Die Köpfchen bestehen nur aus Röhrenblüten, besitzen also keine Zungenblüten. (Schmeil 1988)

3.3.1.1   A. abrotanum - Eberraute, (Zitronenkraut)

Herkunft/Geschichte:
Das vor allem bei Zerreiben der Blätter aufsteigende zitronige Aroma wird von angenehm, stark aromatisch, bitter bis unangenehm beschrieben. Es ist wohl eine Frage des Geschmacks. Das früher einmal als Herba Abrotani offizinell gewesene Kraut, wird seit altersher in Bauerngärten als Würze und Zierpflanze gezogen und fand vor allem in der Volksheilkunde Anwendung. Die ursprüngliche Heimat ist bis heute unbekannt. Man findet sie in Süd, Südosteuropa und Vorderasien, in Nordamerika ist sie mittlerweile eingebürgert. Man glaubt, daß es sich bei der Eberraute um eine alte Kulturrasse von A. paniculata handeln könnte. (Gessner 1974, Heeger 1956) Entsprechend der Verbreitung von A. abrotanum bevorzugt sie besonders trockene, kalkhaltige, sandige humose Lehmböden in geschützer sonniger Lage.

Botanik:
Der ausdauernde, dichtästige Halbstrauch unterscheidet sich von anderen Artemisia Arten vor allem durch seinen oft kugelbuschigen Wuchs. Der kriechende, verholzende Wurzelstock treibt aufrechte, seidig behaarte bis kahle, rispig verzweigte Äste. (Phillips/Foy 1991) Die Stengel sind am Grunde verholzt und können rot angelaufen sein. Die Eberraute kann eine Höhe von 60 bis 100 cm erreichen. Die Grundblätter sind doppelt fiederspaltig mit fast fädlichen, drüsigpunktierten Zipfeln, hingegen sind die obersten Laubblätter dreispaltig oder ungeteilt. Die Blattoberseite ist kahl, die Unterseite rauhhaarig. Die Farbe der Eberraute ist stumpf grau-grün.
Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis Oktober (Juni-November), mit sehr kleinen, unscheinbar gelblichen, nickenden Blütenköpfchen. (Phillips/Foy 1991, Heeger 1956) Eine Bestäubung erfolgt über Wind oder Insekten, wobei ein Fruchtansatz wahrscheinlich nur in ausreichend warmen Klimaten erfolgt.

Verwendung:
Früher als Herba Abrotani, ähnlich wie A. absinthium, als Choleretikum (Gallesekretion förderndes Mittel) und Stomachikum (Magenmittel), (Braun 1994) oder als Bittermittel (Diener 1989) verwendet. Ein wichtiger Bestandteil ist das fäulniswidrige Alkaloid Abrotani. In der Homöopathie wird auch heute noch aus der frischen Essenz Abrotanum D2 hergestellt. Angewendet z.B. bei Neigung zu Anämie, Marasmus, Gicht, Skrofulose, Bauchdrüsentuberkulose. (Gessner 1974, Braun 1994). In Präparaten ist die Eberraute nur selten Bestandteil. (Braun 1994)
Aus der Urtinktur wird unter anderem die Abrotanum Salbe hergestellt. Weitere Verwendung des Krauts: Auslösen des Abortes, Förderung der Menstruation, als Stimulans und Tonikum. Nebenwirkungen sind weniger zu erwarten als beim Wermut, jedoch sollte es schwangeren Frauen nicht verabreicht werden. (Phillips/Foy 1991)
Als Speisegewürz wurde es in Frankreich und Italien zur Aromatisierung von Kuchen benutzt, als Würze für Salate und Essig, sowie als Essenz für Parfums. Äußerliche Anwendung für aromatische Bäder und Umschläge.
In der Volksheilkunde wurde die Eberraute wie der Wermut vielfältig verwendet so z. B. als allg. Magen-, Gallenmittel, zum Austreiben von Würmern bei Kindern, um Müdigkeit zu vertreiben und Infektionen abzuwehren. Selbst als Motten und Insektenmittel fand es Verwendung. (Phillips/Foy 1991, Fischer 1984)


Inhaltstoffe:
Ätherische Öle: frisches Kraut 0,1-0,4 %; trockenes Kraut 0,25-0,8 % (Fischer 1984), Gerbstoffe, Bitterstoffe, Alkaloid Abrotanin, Rutin.

Kulturhinweise:
Da die Eberraute im Arznei- und Gewürzanbau kaum ein Rolle spielt, kann nur auf die Kulturbeschreibung von Heeger 1956 zurückgegriffen werden.
Anbau: Nach stark mit Stallmist gedüngten Gemüse- oder Hackfrüchten, als weitere Düngung reichliche Kompostgaben und "mittlere Handelsdüngergaben".
Vermehrung: Geschieht durch junge 5 cm lange Kopfstecklinge, die im August oder zeitigen Frühjahr gepflanzt werden, oder durch Teilung der Mutterpflanzen. Da mittlerweile Saatgut erhältlich ist, kann sicherlich auch eine Aussaat erfolgen. Ob eine Direktsaat empfehlenswert ist müsste jedoch noch geklärt werden.
Standweite: Soll 30-40 x 25-30 cm betragen. Der Bestand kann 3 bis 4 Jahre genutzt werden.
Ernte: Erfolgt im Juni/Juli und August/September, es gibt auch Beschreibungen mit nur einem Schnitt im August-September. (Fischer 1984).
Ertrag: Im ersten Anbaujahr 7-10 dt/ha, in den Folgejahren 15-25 dt/ha.
Sorten: "Oberlausitzer Feinblättrige Eberraute", kommt in Mitteldeutschland zum Knospenansatz und "Erfurter Grobblättrige Ebberraute".
Trocknung: Das Erntegut ist sehr druckemfindlich und muß vorsichtig transportiert werden. Das Trocknungsverhältnis beträgt 4-5:1. (Heeger 1956)


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