Ist jetzt tatsächlich das Ende der Welt gekommen? 265 PS, 203 Nm und Gaswheelies bei 180 km/h.
Wer am bitterbösen, turbogeladenen Falken sitzt erlebt Angst, entsetzliche Angst.



Die Welt hat so viele Facetten. Hinter mir die beschwingte Ö3 Werbung. "Der schönste Tag in meinem Leben, Mann, war der, als ich die neue Dan bekam." Und vor mir das knappe Schreiben des Falkenzüchtens Rudi Vogl, der sich von Suzuki Bogoly einen Turbolader in seine Hayabusa einbauen ließ: ,,Habe immer schon von der ultimativen Streetmachine geträumt. Las dann 1999 im Reitwagen den Bericht über die Hayabusa - schwarze Striche ab 250 km/h etc. - und habe sofort bestellt. Heuer wollte ich dann noch mehr. Runter mit dem Kampfgewicht und rauf mit dem Turbo. Da wurden meine Träume wahr."

Der Himmel auf Erden und Höllenangst
Die Sache war relativ einfach. Der durchgeknallte Peter Bogoly (von dem viele Menschen behaupten: ,,Der hat's ein bisserl im Schüsserl. Der ist echt krank.") nützte seine guten Kontakte zu Terry Kizer, dem amerikanischen Gott des Turboladers und orderte einen 60.000,- öS teuren Kit. Auf die Frage, bis zu welchem Ladedruck der serienmäßige Hayabusa-Motor durchhält, meinte Kizer ,,0,7 bar sind überhaupt kein Problem, 1,1 bar auch noch nicht wirklich. Aber als wir mit 2,8 bar ans Werk gingen, hatte der Falke 485 PS am Hinterrad und der Motor brüllte kurz aber heftig das Lied vom Tod, ehe er sich spektakulär verabschiedete. Wahnsinn, wie es den zerissen hat. So: Be careful, Mr Bogoly!" Eh klar.

Der Tuningmaniac Bogoly montierte den Turbolader auf den Voglfalken. modifizierte die Einspritzanlage (andere Pumpe, höherer Druck) und paßte die Ölpumpe, die im Rücklauf das Öl vom Turbolader absaugt, an. Der Lader ist übrigens derselbe, der im Ferrari F40 zum Einsatz kommt. Bogoly: ,,Bei 0,7 bar leistet die Hayabusa prüfstandbeglaubigte 246 PS am Hinterrad und man kann mit 98er Oktan Benzin ständig fahren, Bei 1,1 bar müßte man schon auf Elf-Treibstoff zurückgreifen. Dafür könnte man sich über 300 PS am Hinterrad freuen. Noch mehr Ladedruck würde die Leistung weiter erhöhen, aber der serienmäßige Motor wäre dieser gewaltigen Belastung nicht mehr gewachsen und dürfte schwer meier gehen."

Der irre Schub aus einer anderen Welt
Ich bestieg den optisch beeindruckenden Turbofalken (Lackierung Bogoly, Zubehör Speedparts - siehe Kasten), versuchte mich mit dem im Vergleich zur Serie hohen und breiten Lucas-Lenker anzufreunden, und warf das mächtige Triebwerk an. Das derbe Racing-Rohr von Kerker gab dem Falken einen satten, verheißungsvollen Sound. Als ich dann im Freiland das erste Mal vorsichtig den Gashahn öffnete, erlebte ich einen Schub, der urplötzlich all meine Defensivsensoren in höchste Alarmbereitschaft versetzte Das Gerät unter mir drängte dermaßen vehement nach vorne und oben, daß ich entsetzliche Angst erlebte. "Sei kein Trottel! Der Zahnarzt hat dir soeben eine sündteure Brücke montiert! Wäre eine echte Verschwendung wenn du jetzt abtrittst!" schrie irgendjemand in mir, und ich hatte größte Mühe, demjenigen ein "Reiß dich zusammen! Dein Gesudere kann ich jetzt nicht brauchen. Das macht mich komplett unrund!" zuzuischen.

Ich hatte die Hose mehr als voll. Untenfährt sich der Voglfalke ja ganz normal, also wie die serienmäßige 175 PS starke Hayabusa, aber wenn bei 4.500 Umdrehungen Mr. Turbo anfängt sich einzumischen, dann hängst du hilflos am Lenker wie eine Untergatte an der Wäscheleine im starken Wind, Du spürst, daß da etwas unter dir wütet, das Begriffe wie Gnade oder Erbarmen einfach nicht kennt, und das in bezug auf die Gewaltbereitschaft keinen Millimeter weit vom ausgerasteten Mordbrenner von Arkansas entfernt ist. Dreh den Gashenkel um, wie du es auf einer normalen Mopettn beim halbherzigen Beschleunigen auch tust, und der Falke steigt mit dir spektakulär in den Himmel. Dabei spielt es keine Rolle, ob du im Einser, Zweier oder Dreier bist. Bis zu einem Speed von 180 km/h, heißt einfaches Henkelumdrehen: brutales Wheelen. Nur gut, daß der Turbolader ursprünglich für einen Motor mit 6.000 Kubik konzipiert wurde und quasi überdimensioniert ist. Das läßt die gewaltige Kraft relativ smooth einsetzen, und du darfst ausschließen, daß dich ein plötzlich einsetzender kompromißloser Turboschub wie ein Schlag mit dem Nudelwalker überrascht und dein Ende einläutet. Nein. Der Schub kommt smooth, aber trotzdem kaum derreitbar. Unvorstellbar, mit welcher Vehemenz dich der TurbofaIke durch die Welt schießt.
Das gebt auch an der Kette nicht spurlos vorüber. Bogoly mit Sorgenfalten: "Wir verwenden die allerstärkste X-Wing Kette. Aber nach 150 Kilometern hängt sie schon durch. Und nach 1.000 Kilometern ist sie fix und fertig. Ein klarer Fall fürs Alteisen."

Ist es noch möglich, von einer Küche zu träumen?
Die Streetfighter-Optik des Turbofalken entspricht der Vorliebe seines Besitzers, ist aber nicht Bedingung. Denn der Turbokit würde perfekt unter die Originalverkleidung der Hayabusa passen. Lediglich an der linken Seite müßte eine Ausnehmung für den Ansaugkrümmer mit Luftfilter geschnitten werden. Eine Frage des Geschmacks. Wie gesagt. die Welt hat viele Facetten: ,,Der schönste Tag in meinem Leben, Mann, war der, als ich die neue Dan bekam." Arme Frau.

Zonko