Gibt es ein Gegenteil von *PLONK*? (12.05.99)
On Tue, 11 May 1999 07:48:40 GMT, FrankX1966@gmx.de (Frank Herfert) wrote:
>ich bin mal wieder in die Verlegenheit gekommen, jemanden in den
moderator: "...und nun, liebe zuschauer, wuensche ich ihnen viel vergnuegen bei unserer talkshow "blau ward pia"."
es folgt ein bombastisch-jazziger vorspann.
die kamera zeigt ein huebsch eingerichtetes studio. auf einem kleinen runden tisch stehen glaeser mit diversen getraenken, kuschelige sessel aus gewagt aussehenden kissenkombination stehen locker um den tisch herum. durch eine tuer kommt mit federndem gang und wippenden XXXXXXXXXXXX sonja, die bildhuebsche detebe-tv-reporterin.
tosender applaus.
sonja verneigt sich grazil und laechelt hold in die kamera hinein.
sonja: "vielen dank, liebe zuschauer und einen wunderschoenen guten abend aus unserem meininger studio. auch heute haben wir in unserer talkshow wieder hochinteressante gaeste, die ueber unser heutiges thema "wie klingt das watch-file?" diskutieren. bitte einen freundlichen applaus fuer..."
[spannende pause]
sonja: "...gundula wunderson, die bekannte darstellerin aus der beliebten oeko-serie "strandbeobachtung"."
donnernder applaus. durch die tuer springt ein fraunsleut in einem gruenen badeanzug und begibt sich zu sonja.
gundula: "hallo, sonja."
sonja: "hallo, gundula. bitte nimm doch platz."
gundula nimmt vorsichtig platz.
sonja: "ausserdem begruessen wir harelbert von jurdenthal-reutlingstein, chefmanager einer grossen uhrenfirma."
zoegernder applaus. gemessenen schritts betritt ein mann im edelzwirn die buehne, nickt sonja mit einer effizienten kopfbewegung zu, nimmt dann sofort auf einem sessel platz, schaut auf die uhr, legt sich einen laptop und einen stift bereit und wartet hochkonzentriert.
sonja: "weiterhin freuen wir uns ueber den besuch eines mannes von einem grossen geheimdienst, den wir der einfachheit halber mal grudlfrplo nennen werden."
ein raunen geht durch das publikum. ploetzlich steht ein mann in tarnkleidung, bestueckt mit einer machete, zwei angelhaken, einer uzi, zwei flammenwerfern, zehn funkgeraeten und drei entschluesselungscomputern mitten im saal. sein kopf ist von einer schwarzen maske verdeckt. er schleicht zum tisch, wobei er deckung hinter zwei zuschauern nimmt. veraengstigt lassen sich die geiseln zum tisch fuehren. dort nehmen sie platz, der v-mann postiert sich drohend hinter ihnen.
sonja: "wir begruessen auch rudolf reif-ranitzki, den bekannten gesellschaftsphilosophen, literaturkritiker und fussballkommentator."
pfiffe und buhrufe. ein spindelduerres, bebrilltes maennchen wankt zu einem sessel, raeuspert sich und nimmt umstaendlich platz.
sonja: "und last, but not least, ein grosses knuddel fuer gandalf, gruender des usenet und staendiges ehrenmitglied der netzverwaltung mit der lizenz zum fremdcanceln!"
frenetischer jubel. ein junger, blasser mann mit rastalocken und diversen piercings schlurft in den raum. er traegt ein headset und eine datenbrille, von seiner schulter ragt eine kleine antenne empor. die jeans sind loechrig, das t-shirt ist mit kaffeespritzern und pizzaresten bekleckst. er und sonja setzen sich ebenfalls. gandalf ergreift ein glas mit einer farblosen fluessigkeit und schaut es neugierig an.
gandalf: "ist das deutsches wasser?"
sonja: "ja, natuerlich!"
gandalf: (zu dem wasser) "nein." (grinst)
das wasser reagiert nicht.
gandalf: "habt ihr auch ein schoenes alt?"
sonja schiebt ihm ein glas herueber. "natuerlich. prost!"
gandalf trinkt.
sonja: "nun, liebe gaeste, wir wollen uns heute der wichtigen frage widmen, welches geraeusch wohl entsteht, wenn jemand in ein watch-file gesteckt wird. es ist ja allgemein bekannt, dass bei einem killfile-eintrag ein lautes PLONK ertoent. wie ist es nun mit dem watch-file? was denkst du, gundula?"
gundula: (strahlt) "oh, aber das ist doch ganz klar. natuerlich gibt es ein ganz lautes BAY."
gandalf: "quatsch. es geht hier nicht um irgendwelche seehund-babes, kleine. hier geht's ums netz, also halt dich da gefaelligst raus."
gundula: "aber ich habe auch schon ein online. auf cd. und ich surfe auch. ganz oft. und den online-chat, also den finde ich ganz toll..."
rudolf: (raeuspert sich) "nun, ich denke, da es sich hier eher um eine mit dem sogenannten nutznetz verbundene fragestellung handelt, sind ihre ausfuehrungen zu den anderen moeglichkeiten der neuen multimedia-kommunikationsformen, obzwar von grossem interesse, fuer die loesung der fragestellung doch hoechst irrelevant."
harelbert: (schneidig) "nun, es duerfte doch einleuchtend sein, dass in der schweiz die besten uhren hergestellt werden. man koennte also denken, dass S der richtige laut fuer unser produkt ist. jedoch sollten wir in der marketingstrategie die wuensche und gewohnheiten der konsumenten beruecksichtigen. und da hat ein S einfach nicht genug jugendlichen pep, wuerde ich meinen. man sollte also die gewohnheiten der techno-generation einbeziehen, ohne jedoch schweizer traditionen zu vernachlaessigen. ich schlage daher als charakteristische tonfolge eine lauten jodler vor. etwa so:" (holt tief luft)
grudlfrplo erschiesst den manager.
grudlfrplo: "das ist hier verboten."
sonja: "sie haben recht. aber sie haetten ihn ja nicht gleich erschiessen muessen. ein kleiner schnitt durch die kehle haette doch gereicht, oder? was denken sie eigentlich ueber das watch-file-geraeusch?"
grudlfrplo: "wenn man jemanden beobachtet, darf es kein geraeusch geben. wenn man jemanden killt, schon."
sonja: "nun, aber..."
grudlfrplo: (drohend) "kein geraeusch."
sonja: (tapfer) "frank hatte ja KNOLP vorgeschlagen."
gandalf: "kaese. ein KNOLP ist das geraeusch, das entsteht, wenn jemand aus dem killfile befreit wird. ist doch logisch."
rudolf: "nun, natuerlich sollte man bedenken, dass waehrend der eintrag in ein killfile ein zutiefst pessimistischer, deprimierend-tragischer vorgang fuer das objekt des killfile-eintrags ist, jedoch waere ein watchfile-eintrag doch justament das oppositionelle gegenteil, also ein jubilierendes, optimistisches tremolo. ich wuerde daher vielleicht einen triller in d-dur waehlen, welcher mit einem sanften adagio beginnt und sich dann zu einem fortissimo steigert. man koennte auch..."
grudlfrplo erschiesst den kritiker.
grudlfrplo: "du nervst."
sonja: "also bitte, wuerden sie damit aufhoeren?"
grudlfrplo: "schnauze. ich sage: kein geraeusch bei der beobachtung."
gandalf: "hey, bleib cool, mann. alles eazy."
grudlfrplo: "wieso hast du eigentlich keinen nachnamen?"
gandalf: "immer locker. ich habe einen vor- und einen nachnamen, benutze aber lieber mein handle, um anonym zu bleiben."
grudlfrplo: "du bist ein spinner."
grudlfrplo zieht die machete aus dem guertel und enthauptet gandalf.
grudlfrplo: (zu sonja) "besser so?"
sonja: (will etwas sagen)
grudlfrplo: (drohend) "kein geraeusch!"
das blut aus gandalfs hals spritzt ueber gundula. gundula kreischt entsetzt.
grudlfrplo: "ich sagte: kein geraeusch!"
grudlfrplo erschiesst gundula. sonja und die zuschauer sitzen wie gelaehmt und mucksmaeuschenstill. die kamera zoomt auf die maske des v-mannes.
grudlfrplo: "KEIN GERAEUSCH!"
[es folgt werbung fuer einen ghettoblaster von sony, das neue abfuehrmittel von k.l.o. industries und fuer ohrenstoepsel von bundestag services, inc.]
Copyright detebe TV
Zurueck zum Inhaltsverzeichnis