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Willi Frommberger

Kunst und Natur

Vorwiegend mit Farben und Tinten, die er selbst aus Braunkohle und verschiedenen Erden gewinnt, arbeitet der Brühler Willi Frommberger. Dabei hat er alte, längst verlorengegangene Techniken wiederbelebt. Ganz wichtig war für ihn dabei eine Quelle aus dem Jahr 1771. In dem etwa 40 Seiten starken Traktat "Neue Entdeckung des wahren Ursprungs des Coellnischen Umbers oder der Coellnischen Erde" erläutert J.W.C.A.Freiherr von Hüpsch die Herstellung und genaue Herkunft eines Farbstoffes aus Braunkohle, der schon in der gotischen Malerei benutzt wurde und unter dem Namen Kölnischer Umber bekannt war.

Die daraus gewonnene Tinte, die auch von Rembrandt und Rubens verwendet wurde, nannte man Bistertinte. Im 18. Jahrhundert verdrängte dann in der Kunst zunehmend die Sepia, gewonnen aus dem Farbstoff der Tintenfische, die im Rheinland produzierte Farbe. Handwerker benutzen jedoch noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts aus Braunkohle gewonnene Farbe um Holz zu veredeln.

Durch eigene Experimente hat Frommberger diesen Farbstoff verfeinert und verbessert. Andere Farbpigmente gewinnt er aus Löß, den er brennt. Durch Beimengung zur Kölnischen Umbra erreicht er entsprechende Farbabstufungen. Sein Ausgangsmaterial findet er bei Wanderungen vor allem im Vorgebirge.

© W.Frommberger

Schichtbild, 2002
Bistertinte/Aquarellkarton, 40x40 cm
© W.Frommberger

Kreative Zufallsprozesse

Die Verwendung dieser natürlichen Mittel ist ihm bei der Herstellung seiner Kunst sehr wichtig. Er will in seinen Bildern die Natur realisieren. Und diese Bilder entstehen häufig selbsttätig. So lässt er den Pinsel über das Blatt kreisen ohne hinzuschauen. Die entstandenen Blindzeichnungen sind dann manchmal schon perfekt, oft sind sie aber auch Ausgangspunkt für die weitere Arbeit daran. Zeichnungen mit Bistertinte werden dann mit Acryl- oder Aquarellfarben erweitert.

Sein gesamtes Oeuvre durchzieht die Beschäftigung mit diesem Farbmedium. Politische oder gesellschaftskritische Ansätze sind ihm bei seiner Kunst nicht wichtig. Obwohl ja gerade die Verwendung natürlich vorkommender Stoffe in unserer Konsumgesellschaft durchaus einen sozialkritischen Aspekt besitzt. Und er macht darauf aufmerksam, dass unsere fossile Braunkohle, die ja bis über die Grenzen menschlichen Ermessens abgebaut wird, zu viel mehr taugt als nur verbrannt zu werden.

Auch in seinen künstlerischen Verfahren ist Frommberger ein Tüftler. Durch Experimentieren wie Aussetzen der Malfläche der Witterung erzielt er beeindruckende Ergebnisse. Die Wechselwirkung von Malmittel und Untergrund werden erkannt und für den Gestaltungsprozess herangezogen. So sorgt das Wellen des Papiers durch die feuchte Tinte beim Antrocknen in den Wellentälern für eine dunklere Färbung, deutlich zu erkennen bei den hier gezeigten Streifenbildern.

Tropfgestell, © W.Frommberger

Tropfgestell, 1983
In Knapsack entstandene Urform
© W.Frommberger

Um besonders feine Tinte zu erhalten, filtrierte Frommberger den Braunkohlensud durch feine Tücher, die er in ein von ihm entworfenes Tropfgestell einspannte. Als Nebenprodukt entstanden dabei sehr interessante Arbeiten - sowohl die Tücher, in denen das Ausgangsmaterial angesetzt wurde als auch die Filtertücher, auf die das Filtrat tropft.


Pinselspur, © W.Frommberger Streifenbild, © W.Frommberger Wachsbild, © W.Frommberger
Pinselspur, 2002
Bistertinte/Aquarellkarton
40x40cm, © W.Frommberger
Streifenbild, 2002
Bistertinte/Ingrespapier
70x100cm, © W.Frommberger
Wachsbild, 2000
Bistertinte, Acryl, Wachs/Papier
70x50cm, © W.Frommberger


Biografie

Willi Frommberger wurde 1936 in Gaulau in Schlesien geboren. Er studierte 1957 bis 1962 an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Bindel, Coester und Arnscheidt.
Seit 1964 war er als Kunsterzieher am Max-Ernst-Gymnasium in Brühl tätig. Jahrelang hatte er ein Atelier in einer Fabrikhalle auf dem Rheinbraun-Gelände in Hürth-Knapsack.
Heute lebt er in Brühl und hat ein Atelier in Groß-Vernich bei Weilerswist.

Willi Frommberger beim Anmischen der Naturfarben, © Willi Frommberger
Willi Frommberger beim Anmischen der Naturfarben
Bild: © W.Frommberger
Ausstellungen (eine Auswahl)
1960 - 1965 Brandcollagen, Düsseldorf
1967 Variable Bilder, Galerie Studio, Junkersdorf
1969 Variable Bilder, Galerie K 235, Köln
Zwischenakte, Brühl, Wallstraße
1970 Räume, (Installation mit Landschaftsmodulatoren), KKK 70, Köln
1975 Primitivarchitektur - Holzverbindungen, Kunstverein Brühl
1979 Primitivarchitektur, Landesmuseum Xanten
1980 Künstlerische Arbeitsfelder (Maulwurfsarchäologie), Hahnentorburg Köln
Gartenhäuser, Brühl
1982 Sternbilder, Gruppenausstellung, Brühl
1983 Maulwurfsarchäologie, Installation, Essen
1984 Coellnischer Umber / Abschied von der Braunkohle, Informationszentrum der Stadt Brühl
Koellnisch Umber, VHS Essen
1985 Die braune Erde, Kreishaus Hürth
1988 Nebelkammer (Installation mit Tropfgestell), Hahnentorburg Köln
1989 Coellnisch Umber-Wand, Kölnischer Kunstverein
1991 Tertiär, Schau-Fenster, Erftstadt-Blessem
Lebensfaden, Installation als Hommage an Max Ernst, Brühl
1992 Tertiär, Orangerie Schloss Augustusburg, Brühl
Schwalbengruß aus Groß-Vernich, Installation, Liblar
1994 Tertiär, Stadtmuseum Weimar Bertuchhaus
Tertiär, Laubag; Senftenberg,
1999 Fabrik IV-V, Installation, Blankenheim, Haus am Hirtenturm
2001 Energie Farbe rein-braun, Galerie Schloss Paffendorf

Arbeiten in Museumsbesitz und öffentlichen Sammlungen

  • Ostdeutsche Galerie, Regensburg
  • Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
  • Stadtmuseum Weimar
  • Stadt Weißwasser