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Sabine Puschmann-Diegel

Gedankenräume und Gesichter

„Genähte Behausung”, „offene Gedankenkästen”, „Fragmentkasten” - schon die Titel der keramischen Objekte von Sabine Puschmann-Diegel aus Frechen-Königsdorf deuten an, dass wir es hier nicht mit glatten und leicht konsumierbaren Arbeiten zu tun haben. Die Oberfläche der Plastiken ist mit Brüchen und Öffnungen, Einritzungen und Einstichen strukturiert, die Wände weisen gebogene oder eingedrückte Flächen auf. Nylonfäden oder Draht werden durch die Löcher gezogen, an anderen Stellen sind die Objekte mit Fäden vernäht. Es erscheint, als würden sie dadurch zusammengehalten, als seien sie geflickt. Die Oberflächen der Kästen und Behausungen erwecken den Eindruck, als seien sie jahrelang der Witterung ausgesetzt gewesen, als hätten Regen und Sonne, Moose und Pilze ihre Spuren darauf hinterlassen.

© Sabine Puschmann-Diegel © Sabine Puschmann-Diegel © Sabine Puschmann-Diegel
Raumkörper V durchstochen, 2006
Keramik, 41x14x9 cm © S.Puschmann-Diegel
Raumkörper III+IV geritzt, 2006
Keramik, 33x14x11 cm, 44x13x7,5 cm
© S.Puschmann-Diegel,Karin Engels
Schmale Gedankenräume, 2005
40x9x6 cm, 41x10x6 cm
© S.Puschmann-Diegel

Antje Soléau schreibt über die keramischen Objekte, dass sie an „Bilder zerstörter Städte und Dörfer aus dem Libanon, aus Afghanistan und nicht zuletzt aus Palästina” erinnern. Die Künstlerin verfolge „in ihrem Werk Spuren, geht Wege entlang, entdeckt Neues und erinnert an Altes, längst Vergangenes”. Soléau empfiehlt dem Betrachter, sich auf die Objekte einzulassen und für sich Zeichen zu sehen und Spuren der eigenen Erinnerung zu entdecken.

© Sabine Puschmann-Diegel © Sabine Puschmann-Diegel © Sabine Puschmann-Diegel
Behausung, 2005
Paperclay mit Porzellan, 31x24x8 cm
© S.Puschmann-Diegel
Behausung genäht, 2006
Keramik, 36x30x9 cm
© S.Puschmann-Diegel
Raumkörper I, 2005
Keramik, Porzellan, 44x14x12 cm
© S.Puschmann-Diegel


Biografie

Sabine Puschmann-Diegel wurde 1957 in Berlin geboren. Sie studierte ab 1978 Betriebswirtschaft in Aachen. Anschließend war sie bis 1996 international tätig. Auslandsreisen führten sie nach Süd- und Mittelamerika sowie nach Nepal und Thailand .

Schon 1984 entstanden erste keramische Arbeiten. Intensiviert wurde dies 1998 bis 2001 bei einem Gaststudium Keramik-Design an der FH Niederrhein bei Prof. D.Crumbiegel. Sabine Puschmann-Diegel lebt in Frechen und hat seit 1998 dort ein Atelier. Seit 2000 ist sie Mitglied der GEDOK Bonn.


Gedankenräume und Gesichter - der Erinnerung auf der Spur

Die Arbeiten von Sabine Puschmann-Diegel sprechen eine leise und geheimnisvolle Sprache. Es lassen sich viele Zeichen auf ihren keramischen Plastiken finden, Spuren von ihren Händen und der Bearbeitung, geritzte Linien, einmal fein und sensibel, dann wieder kraftvoll und voller Wut. Daneben stehen durchstochene Flächen und durchlöcherte Ränder. Durch die Löcher werden manchmal Fäden oder fast durchsichtige Nylonschnüre gespannt. Sie erinnern an ein durchsichtiges Netz, schirmen den Raum dahinter ab, verbergen, vergittern etwas. Bunte Fäden auf anderen Arbeiten lassen an den Kreuzstich aus der Kinderzeit denken.





©S.Puschmann-Diegel

Sabine Puschmann-Diegel

Gedankenräume und Gedankenkästen nennt sie ihre dünnwandigen offenen Paperclay-Objekte. Porzellanfragmente, Ritzungen und kleine Öffnungen wie Fenster lassen sie stabil und gleichzeitig leicht erscheinen. Sie symbolisieren Orte, an denen man Geheimnisse und Erinnerungen aufbewahren oder wiederfinden kann. Leicht verzogen halten sie dem Leben Stand.

In der Serie der Raumkörper werden die Arbeiten volumiger. Sie haben eine abstrakte gradlinige Form, die jedoch durch Ausschnitte und bewegte Kanten wieder verändert wird. Sie erinnern an Häuser archaischer Kulturen oder haben eine figurative Ausstrahlung, überzogen mit Zeichen und Narben. Die Oberflächen sehen verwittert, gelebt aus und haben eine steinartige Anmutung.

Es gibt viel zu entdecken in den einfühlsamen und ausdruckstarken Arbeiten von Sabine Puschmann-Diegel. Wer genau hinsieht, der wird die Sprache der Zeichen verstehen und vielleicht die Spuren seiner eigenen Erinnerungen nachspüren.
Vorwort aus Katalog "Gedankenräume und Gesichter", 2006

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.puschmann-diegel.de.

Einzelausstellungen

2006Rathausgalerie der Stadt Brühl
2004Kölner Bank, Köln Rodenkirchen (mit M.Pfannmüller)
2002Beginen Fenster, Köln
2000Kettelerhaus, Köln


Ausstellungensbeteiligung (eine Auswahl)

2006...auf dem wege ...KreishausGalerie Bergheim
...auf dem wege... - Goetheinstitut Taipeh, Taiwan(K)
Ausstellungshalle Jinan, China, Shandong
Scharf am Ball- GEDOK 85 Jahre NRW, Handwerkskammer Düsseldorf,(K)
Große Kunstausstellung Halle, Villa KOBE (K)
12. Kunstmesse Frauenmuseum Bonn (K)
2005Jahresgabe des Kunstvereins zu Frechen, Grube Carl, Frechen
Portrait - Künstlerforum Bonn
Das Besondere hat Zukunft - Rathaus Heidelberg
Atelierhaus Block 16, Hannover
2004Galerie Seifen, Siegburg
Grenzen - Künstlerforum Bonn
Verdichtet - Grube Carl, Frechen
Calvino - ein Buch für die Stadt, Forum Lindenthal Köln
2003Das Wort - Kreuzkirche, Horrem (K)
Gehäuse - Kunstverein Eisenturm e.V., Mainz
2002XVIII Intern. Kunst-Keramik-Biennale Vallauris, F,(K)
Frau vor Ort - Stadtmuseum Siegburg, (K)
8. Ausstellung Natur-Mensch, St. Andreasberg (K)
schwarz auf weiss - Landesmuseum Alte Rotation, Bonn (K)
2001KunstTage des Rhein-Erft-Kreises, Abtei Brauweiler
Museum im Siegwerk, Siegburg
Perplex - Kunstaktion in der Bundeskunsthalle Bonn, GEDOK 80 Jahre
2000Kunstforum 99, Rheinbach