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Buchtipp: "Viktor Ullmann - Komponieren in verlorener Zeit"

»So spät ist es, so späte …
Was werden wird, ich weiss es nicht.
'Es dauert nicht mehr lange,
mir wird so bange –
und seh in der Tapete das klagende Gesicht.«
Karl Kraus
von Viktor Ullmann über seine 5. Klaviersonate geschrieben

496 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, gebunden

ISBN 3-92086240-6

Der fremde Passagier« – so nennt der deutsch-böhmische Musiker Viktor Ullmann sein Tagebuch in Versen.
Ruhelos reist er umher, versucht sich als Kapellmeister, Publizist, Buchhändler und als Komponist, und überall ist er fremd und heimisch zugleich.
Geboren wird Viktor Ullmann am 1.1.1898 in Teschen als Sohn eines k.u.k. Berufsoffiziers. Nach der aktiven Teilnahme am Ersten Weltkrieg wird er für kurze Zeit Schüler von Arnold Schönberg in Wien.
1919 übersiedelt er nach Prag, wo er bei Alexander Zemlinsky am »Neuen deutschen Theater« arbeitet.
Wien, Prag, Aussig, Zürich, Stuttgart und abermals Prag sind seine Stationen. Dann folgt der große Bruch: die Nazis deportieren Ullmann 1942 nach Theresienstadt, seiner letzten Lebensstation.

Den Zweiten Weltkrieg mit seinen Greueltaten überlebt der jüdische Musiker nicht. Mit einem der letzten Herbsttransporte wird Viktor Ullmann 1944 nach Auschwitz gebracht und vergast.

1975 wird er neu entdeckt. In Amsterdam spielt man seine im Ghetto Theresienstadt komponierte Oper »Der Kaiser von Atlantis«. In Dresden 1996 seinen Einakter »Der zerbrochene Krug«. Klavierstücke Ullmanns werden inzwischen von vielen Künstlern gespielt. Gerd Albrecht verbreitet mit der Tschechischen Philharmonie die Musik des Komponisten.

Viktor Ullmanns Leben war voller tragischer Ereignisse und doch so voller Hoffnung, immer geprägt von einem nie erlahmenden Willen zu schöpferischer Tätigkeit.

Verena Naegele zeigt dieses unstete Musikerleben in Wechselwirkung mit den brennenden Fragen einer politisch und geistig »verlorenen« Zeit.
»Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, … zu betonen ist, dass ich in meiner musikalischen Arbeit durch Theresienstadt gefördert und nicht etwa gehemmt worden bin, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war.«

»Auf dem Platze des Übergangs nun steht, nicht schwankend, sondern fest in schöpferischer Urkraft wurzelnd: Alban Berg. Hier finden wir eine Balance der Kräfte ohnegleichen. Tiefe Liebe zu den Schätzen der alten wie der neuen Musik verbindet sich in seinem Werke zu einer organischen Synthese.«

Viktor Ullmann

Verena Naegele, studierte Geschichte und Musikwissenschaft an der Universität Zürich. 1993 Promotion über ein Thema zu Richard Wagner und Ludwig II. Während ihres Studiums war sie als Regie-Assistentin am Opernhaus Zürich tätig und arbeitete auch in der Dramaturgie. In dieser Zeit eigene Regien und Tourneebetreuungen von Opern in Deutschland. Tätigkeit als Kulturredakteurin. Danach freischaffende Publizistin und Agentin für Musik. Diverse Bücher, u.a. »Parsifals Mission – Der Einfluß Richard Wagners auf Ludwig II. und seine Politik«, Dittrich, 1995. Sie ist Leiterin des Musikfestivals Klang-November in Aarau. Für die Ausstellung über Viktor Ullmann in Zürich hat sie die wissenschaftliche Arbeit geleistet sowie als künstlerische Leiterin die Oper »Der Kaiser von Atlantis« produziert.

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