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Filmtipp: "Verbotene Noten"

Verbotene Noten - Musikleben in der Sowjetunion
Dokumentation, Frankreich 2004, ARTE F, Erstausstrahlung'
Von: Bruno Monsaingeon

In den Jahren 1917 bis 1990 entsteht in der Sowjetunion, in einem von Terror geprägten Umfeld, ein einzigartiges Musikleben. Unter den Zwängen der Diktatur gelangten sowjetische Komponisten, Dirigenten, Orchester und Interpreten zu ungewöhnlichen Leistungen. Zeitzeugen, allen voran der Dirigent Gennadi Roshdestvensky, erzählen von der Musik in schwiergen Zeiten, zwischen Politbüro und Autonomie.

Der Dirigent Gennadi Roshdestvensky, Jahrgang 1931, ist ein wertvoller Zeitzeuge, der faszinierend über das Leben in der Sowjetunion zwischen 1917 und 1990 zu berichten weiß. Paradoxerweise entwickelte sich gerade dort - in einem extrem schwierigen repressiven Kontext - eine der intensivsten und reichsten Musiklandschaften des 20. Jahrhunderts. Weltberühmte Komponisten und Interpreten entfalteten ihr Talent im Verlauf dieser 70 Jahre unter gefährlichen und prekären, zuweilen absurden Umständen. Wichtige Protagonisten und bezeichnende Ereignisse stehen stellvertretend für das System und dessen Räderwerk. Wie gelang es unter diesem unerbittlichen, auf Schrecken und Schikane beruhenden Regime, Furchtbares in Wunderbares zu verwandeln? Es ist durchaus möglich, dass gerade diese scheinbar hemmende Isolation das schöpferische Potenzial sowjetischer Musiker freisetzte. Hierin besteht das Rätsel der Koexistenz von Unterdrückung und Kreativität. Eine Persönlichkeit, die 50 Jahre der Sowjetunion stark mitprägte, ist durchweg präsent: Tichon Chrennikow, Generalsekretär des Komponistenverbands von 1948 bis 1992. Als rechte Hand des gefürchteten Kunst- und Literaturkommissars Schdanow setzte Chrennikow selbst die bekanntesten Komponisten unter Druck. Der von ihm beeinflusste Schdanow-Bericht aus

Gennadi Roshdestvenskys Erzählungen werden von unveröffentlichtem Archivmaterial über Prokofjew und Schostakowitsch, die größten sowjetischen Interpreten und einige der Hauptfiguren des Musiklebens in der UdSSR sowie zahlreichen historischen Musikaufnahmen untermalt.

Regisseur Bruno Monsaingeon traf Gennadi Roshdestvensky in Moskau und drehte zwei Filme mit dem Dirigenten. Der erste Teil "Verbotene Noten" liefert eine anschauliche und erschreckende Schilderung des Musiklebens in der Sowjetunion.

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