Ashkenazy hat den Bogen weitgespannt, um seinen Anspruch, das oben genannte Spannungsfeld darzustellen, gerecht zu werden. Allerdings hätte er sich in seiner Bewertung einzelner Werke, die er in seinen Ansprachen als "Banal" bezeichnete, zurück halten müssen: Ein jeder Zuhörer hätte für sich eine Entscheidung treffen müssen.
Unabhängig von der Bewertung gebührt den großartigen Interpreten ein Dank und ein großes Lob. Alle haben mit Feuereifer und Leidenschaft, sowie mit großem Können alle Werke überzeugend gespielt. Allen voran ist die Tschechische Philharmonie zu nennen, die alle drei Abende hervorragend gestaltete. Unterstützt wurden sie dabei durch den Philharmonischen Chor Prag, den Philharmonischen Kinderchor Prag und die Mitglieder des Oratorienchores Köln. Auch die Solisten waren beeindruckend. Die Mezzo-Sopranistin Charlotte Hellekant hat mich da am meisten beeindruckt. Mit beängstigender Intensität die gesprochenen Passagen entgegenschmetternd und mit dem wirklich mitreißendem Singen ihrer Soloparts hat sie eine beeindruckende Vorstellung gegeben. Erstaunlich fand ich die Virtuosität, mit der der erst 16 (!) jährige Lukas Vondracek den "Angriff auf dem Roten Hügel" spielte.
Die Stücke, die mir in diesem Zyklus am besten gefallen haben, waren Schostakowitschs 13. Sinfonie "Babi Yar" und seine wunderbare Kammersionfonie, Opus 110a, die auf Basis des 8. Streichquartetts entstand. Beide Werke habe ich noch nie so eindringlich und ergreifend gespielt gehört!
Das Konzert am 6. Februar nahm eine Sonderstellung ein. Fernab orchestraler Begleitung wurden hier Sechs Gedichte von Marina Tsvetayeva und die Suite nach Versen von Michelangelo Buonarroti (Beide von Schostakowitsch), sowie Gedichte von Ossip Mandelstam für Tenor und Sprecher (Schtschedrin) gegeben. An keiner Stelle kam hier die Bedienung stalinistischer Ansprüche an die sowjetische Kunst zu Tage, so dass der Zuhörer mit Freude authentisches Schaffen beider Komponisten bestaunen konnte. Wenn auch dieses letzte Konzert sehr leise und intim war, an Begeisterungskraft fehlte es an keiner Stelle!
G.W.