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Weltspiegel - Ägypten: Die neue Angst im Urlaub

Ein Film von Thomas Aders

Touristische Tabuzone: Nach dem Terror auf Bali haben nach einer Umfrage drei Viertel aller Bundesbürger Angst, in einem islamischen Land Urlaub zu machen. Für Reiseziele wie Ägypten könnte dieses Verhalten weitreichende wirtschaftliche Negativfolgen haben. Das Land hat sich gerade erst von den blutigen Anschlägen islamistischer Terroristen in den 90er Jahren erholt.

Unser Korrespondent Thomas Aders mit Eindrücken seiner Drehreise: Der junge Reiseführer, den wir ein paar Tage begleiten im derzeitigen Traumreiseland der Deutschen, heißt Ossama! Welcher Reisegruppe das zu nah an der terroristischen Realität der Jahre 2001 und 2002 liegt, für den nimmt er ersatzweise den Namen Simsim an. Übersetzt heißt das Sesam, und das weckt tatsächlich höchstens die Erinnerung an frische Brötchen.

An den Pyramiden, unter der Sphinx, auf dem Nil-Kreuzschiff und wo auch immer bemüht er sich - wie alle Ägypter -, die mögliche Bedrohung der Touristen durch terroristische Anschläge minimal erscheinen zu lassen. Doch plötzlich - wir stehen auf der mittleren Ebene des Hatschepsut-Tempels in Luxor - gesteht uns Ossama, dass hier durch den blutigen Anschlag des Jahres 1997 auch ein guter Freund von ihm ums Leben gekommen ist. Ossama ist zutiefst betroffen.

Eine Reisegruppe hat sich aus Hurghada, dem "ägyptischen Mallorca", vom Roten Meer für einen Tag per Bus nach Kairo gequält. Abfahrt um drei Uhr morgens, Rückkehr erst ca. 22 Stunden später. Es sind Badeurlauber, die sich aber ganz ohne Kultur auch nicht so recht wohl fühlen. Deshalb: Pyramiden, Sphinx, Ägyptisches Museum, Souk im Schnelldurchlauf. Auf die Frage, ob er sich unwohl fühle so kurz nach dem Anschlag auf Bali, sagt ein junger Mann: "Im letzten Jahr war ich selbst in Bali, genau dort, wo es jetzt passiert ist. Wenn wir jetzt nicht mehr in Urlaub fahren, haben die Terroristen gesiegt." Massentourismus als Trotzreaktion auf Al Kaida & Co....

Shehrazad, eines von 280 Nilkreuzfahrtschiffen, die zwischen Luxor und Assuan hin-und herfahren, mal mit 20, mal mit 70 Touristen an Bord. Der Standard hoch, die Preise auch, der Swimmingpool kühl, die Landschaft grandios: Sonnenuntergang mit Palmen, Kinder spielen Fußball, Fischer fischen. Das wussten wir vorher im Prinzip auch schon, doch wie grandios ... Begeisterung bricht sich Bahn, und unwillkürlich denkt man: "Das muss man einfach gesehen haben." Der Reiz, Ägypten sehen zu wollen, wird nie und nimmer abklingen, nur unterbrochen werden.

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