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Mord, Macht und Leidenschaft - Die Ptolemäerinnen Die Geschichte einer Dynastie

Ein Film von Wolfram Giese, Deutschland 2002

Das dritte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ist das große Jahrhundert Alexandrias. Und es ist das Jahrhundert der Ptolemäerinnen Arsinoe II., Berenike II. und Arsinoe III. Die Antike war eine von Männern dominierte Welt, die oben genannten Königinnen aber brechen mit der klassischen Frauenrolle in dieser Welt, bilden ein "Heiliges Geschlecht von Frauen" (Dichter Poseidipp) und ebnen damit Cleopatra den Weg auf den Thron.

Cleopatra schließlich verkörpert wie keine andere den Mythos Ägyptens. Sie wird beschrieben als eine Frau mit überragender Intelligenz, Charme und Schönheit, machtbewusst und intrigant. Um an die Macht zu gelangen, schreckt sie selbst vor Mord nicht zurück. Sie träumt von einem Weltreich, betört Cäsar und stürzt Rom in eine Regierungskrise. Als ihr Machtanspruch scheitert, setzt sie ihrem Leben ein Ende. Cleopatra vereinigt alle Eigenschaften ihrer Vorgängerinnen: den Machtwillen, den Ehrgeiz, die Klugheit und die Skrupellosigkeit. Wer waren all diese Königinnen? Es ist schwer, Hinweise auf die Herrscherinnen des ptolemäischen Geschlechts zu finden, da nur wenige Tempel der Ptolemäer die Zeit überdauert haben. Internationale Wissenschaftler begeben sich auf Spurensuche und fügen ihre Erkenntnisse zu einer aufschlussreichen Charakterstudie zusammen.

Zusatzinformationen:

Berenike I. (322 - ca. 285 v. Chr.)

Die erste Königin der Ptolemäer stammte aus makedonischem Hochadel und war in zweiter Ehe mit dem Begründer des ptolemäischen Hauses verheiratet. Sie erzwang nicht nur die Teilnahme an den Olympischen Spielen, bei denen normalerweise Frauen nicht einmal als Zuschauer zugelassen waren. Die Königin siegte gar im Wagenrennen, dem königlichsten Sport, der Formel I der Antike. Dennoch ist aus ihrem Leben sonst kaum etwas bekannt und die Königin gehört zu den großen Unbekannten ihrer Familie.

Arsinoe II. (275 - 270 v. Chr.)
Die Lebensgeschichte der Königin liest sich wie das Drehbuch eines Hollywoodfilms. Als junge Prinzessin mit dem greisen König des Königreichs Thrakien im heutigen Bulgarien und in der heutigen Türkei verheiratet, ließ sie den Sohn ihres Mannes ermorden, um Platz für ihre zukünftigen Kinder zu schaffen. Doch nach dem Tode ihres Ehemannes wurden ihre eigenen Kinder vor ihren Augen ermordet. Arsinoe floh nach Ägypten zu ihrem Bruder. Dort vertrieb sie seine rechtmäßige Gattin, heiratete ihn und zwangsadoptierte seine Kinder. Die ominöse Frau trug die politischen Insignien ihres Bruders und den Herrschertitel der großen Pharaonen: Königin von Ober und Unterägypten. Daneben sammelte sie Göttertitel wie andere Menschen Kunstwerke. Sie wurde als Aphrodite, Isis, Artemis und gar als Schicksalsgöttin verehrt, die nicht nur Ägypten regierte, sondern gar das Schicksal der Welt in ihren Händen hielt. Mit Arsinoe II. beginnt der Mythos vom "heiligen Geschlecht von Frauen".

Berenike II. (285/4 - 222 v. Chr.)
Die Königin stammte aus einer griechischen Stadt im heutigen Libyen und musste sich in ihrer Heimat erst mit einem Staatsstreich an die Macht putschen, weil ihre Mutter mit ihren Heiratsplänen nicht einverstanden war. Nach erfolgreichem Putsch heiratete Berenike II. den Ptolemäerkönig Ptolemaios III. und wurde so zur Königin Ägyptens. Die gelegentlich als Kriegerin dargestellte Königin prägte als erste Ptolemäerin wie ein Mann eigene Münzen, die noch nach Jahrhunderten gefeiert wurden. Ein Geheimnis scheint bis heute über den prachtvollen Goldmünzen zu liegen, zeigen sie doch zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Verbergen sich am Ende zwei verschiedene Königinnen hinter den Münzbildern Berenikes II.? Sicher ist jedoch, dass in ihrer Regierungszeit das Reich der Ptolemäer seinen Zenit erreichte und zur antiken Supermacht wurde.

Arsinoe III. (222 - 204 v. Chr.)
Zusammen mit ihrem Bruder zeugte sie den neuen König Ägyptens. Sie regierten als die "Götter, die ihren Vater lieben". Ein bezeichnender Titel, sie liebte ihren Vater, nicht aber die Mutter. Nach dem Tod des Vaters ließ sie sie ermorden, um gemeinsam mit ihrem leiblichen Bruder zu regieren. Beim Tode ihres Brudergemahls wollte die allseits beliebte Königin offenbar die Macht an sich reißen und wurde von ihren Ministern umgebracht. Für einige Zeit sah es so aus, als sei das Ende der Dynastie gekommen, doch dann wurden die Revolutionäre überwältigt und grausam hingerichtet. Das genaue Schicksal der Königin ist allerdings bis heute ein Rätsel, wir haben nicht die geringste Ahnung über die Umstände noch den Ort ihrer Ermordung. Und als man in der Antike ihre Urne öffnete, enthielt sie nur Gewürze, ihr Leichnam blieb verschwunden. Zusammen mit ihrem Bruder Ptolemaios IV ließ sie das noch bei den Römern legendäre Palastschiff erbauen. Weitere Informationen zum Palastschiff finden Sie in der Rubrik "Alexandria - Die Königinnen und ihre Stadt"

Kleopatra VII. (46 - 30 v. Chr.) Kleopatra gilt heute als Inbegriff des verführerischen Ägypten, doch war sie keine Ägypterin. Alle Ptolemäer betonten stets, dass sie aus Makedonien stammten, einer Landschaft im Norden Griechenlands. Selbst in den Adern Kleopatras rann nach offizieller Ideologie der Ptolemäer nicht ein einziger Tropfen ägyptischen Blutes. Die berühmteste Königin Ägyptens war also gar keine Ägypterin. Mythen und Legenden ranken sich um die legendäre Herrscherin und um ihre Liebesgeschichten mit Julius Caesar und Mark Anton, die nicht nur einen Shakespeare, sondern auch Hollywood faszinierten. Sogar ihr Aussehen ist umstritten, bereits in der Antike. Manche Porträts der hochintelligenten Frau erreichen beinahe hexenhafte Züge, während andere antike Schriftsteller sie als große Schönheit feiern. Sicher ist jedoch, dass sie wenigstens acht Sprachen beherrschte und als erste und einzige Königin ihres Hauses Ägyptisch sprechen konnte. Alle anderen Mitglieder ihrer Familie sprachen Zeit ihres Lebens die griechische Sprache ihrer Heimat. Die Königin steht am Ende einer Menschheitsepoche und versuchte in letzter Sekunde, den unaufhaltsamen Aufstieg der Römer zu begrenzen. Sie scheiterte knapp, doch ihr Kampf machte sie und ihre Familie unsterblich.

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