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SPHINX: Geheimnisse der Geschichte - Die Mumie des Ketzers

Ein Film von M. Gregor und Heike Schmidt

Das Pharaonenpaar Echnaton und Nofretete zählt zu den faszinierendsten Gestalten der altägyptischen Geschichte. Zusammen haben sie den größten Frevel begangen, den ihre Zeit kannte, die Abschaffung der alten Götter. Ihre Mumien, Symbol ihrer Unsterblichkeit, sind bis heute verschollen geblieben, trotz intensiver Suche. Im ägyptischen Tal der Könige folgt ein Team von Wissenschaftlern den neuesten Hinweisen. Sind die sterblichen Überreste der Revolutionäre auf dem Pharaonenthron längst gefunden? Die Spuren führen in das Mumienlabor des Museums von Kairo. Experten untersuchen dort die Dynastie Echnatons auf entstellende Erbkrankheiten. In der 3D-Animation, möglich erst durch die neuesten Erkenntnisse der Archäologie, erscheint die längst untergegangene Hauptstadt Echnatons Achetaton-Amarna. An den historischen Orten, den Tempelanlagen und Gräberfeldern von Luxor, belebt "Sphinx" in aufwendigen szenischen Rekonstruktionen die rätselhafte Geschichte von Echnaton und Nofretete.

Hintergrundinformationen

Theben, 1350 vor Christus. Pharao Echnaton tritt die Herrschaft über Ägypten an. Seit Generationen leben seine Untertanen in Frieden und Wohlstand. Als allmächtiger Gott gilt Amun. Unter Echnaton wird alles anders werden.

Amenophis bereitet den Weg
Echnatons Vater Amenophis III. regierte fast vier Jahrzehnte souverän über das Reich. Er war mächtig genug, um die Amunpriesterschaft herauszufordern. Dem krokodilsköpfigen Gott Sobek errichtete der König nur wenige Kilometer von Karnak entfernt ein neues Heiligtum. Fast unmerklich schwand bereits unter ihm die Macht der Priester. Wie ein Gott ließ sich Amenophis III. in seiner Prozessionssänfte durch die Hallen von Karnak tragen. Amun wurde zwar noch als "König der Götter" verehrt, doch er war nicht mehr der absolute Herrscher, sein Hohe Priester nur noch eine Marionette.

Mutter Teje
Auch Echnatons Mutter, Königin Teje, die bisher einflussreichste Frau im Lande, verliert ihre Machtposition, aber Echnaton macht sie mit einem genialen Kunstgriff zu seiner Verbündeten. Der Sohn hat seine Mutter schon zu ihren Lebzeiten in den Stand der Götter erhoben - und sich damit auf Ewigkeit ihrer Loyalität versichert. Eine Computertomographie zeigt: Unter der schweren Perücke der Königin kommt der Kopfputz einer Göttin zum Vorschein. Machtpolitisch versinkt Teje jedoch in der Bedeutungslosigkeit.

Der Religionsstifter
Als Echnaton den Thron seines Vaters besteigt, beginnt ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte. Seine Vision von einem einzigen Gott wird alle Zeiten überdauern. Er wird zum ersten Religionsstifter, den die Geschichte kennt. In Theben scheint der Machtwechsel reibungslos zu erfolgen: Echnaton regiert unangefochten. Gott Amuns Zeit ist abgelaufen, seine Tempel werden geschlossen. Später wird Echnaton für seine monotheistisch Vision als Ketzer bezeichnet werden.

Was passierte mit der Mumie?
Im Jahre 1907 macht der amerikanische Hobbyarchäologe Theodore Davis im Tal der Könige eine aufsehenerregende Entdeckung. In einem unscheinbaren Grab stößt er auf Reste einer rätselhaften Grabausstattung. Die Kammer ist ein einziges Durcheinander. Mittendrin befindet sich auch ein vergoldeter Sarkophag mit einer königlichen Mumie. Die Mumie des Ketzers? Es konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Möglicherweise ließ auch Echnatons Sohn und Thronnachfolger Tutanchamun den Leichnam retten und bezahlte dafür mit dem Leben

Echnaton wirft die ägyptische Weltordnung komplett um: Er verbietet den Glauben an die alten Götter, lässt den alten Tempel abreißen und baut einen neuen für seinen Gott.

Eine neue Stadt...
In Theben ist ein Neuanfang unmöglich. Fernab von den Stätten der alten Götter sucht Echnaton nach einem Platz, an dem er seinem Gott einen gigantischen Kultort errichten kann. Nilabwärts, in der Mitte seines Reiches, wird er fündig. An einem Ort, der heute den Namen Amarna trägt, soll die heilige Stadt des Gottes Aton entstehen - eine kolossale Kulisse für den Kult des Sonnengottes.

Der Aufstieg des Sonnengottes
Seit Jahrtausenden haben die Menschen zu unzähligen Göttern gebetet. Doch der neue Pharao bricht mit allen Traditionen. Er entfacht eine religiöse Revolution von ungeahnter Tragweite. Von nun an wird es nur noch einen Gott geben: den Sonnengott Aton. Tausendfach lässt Echnaton diese neue Wahrheit in den Stein meißeln. Die alten Götter Amun und Thot zählen nicht mehr.

Das Ende des Karnak-Tempels
Der Tempel von Karnak war eine gewaltige Festung. In seinen Hallen verehrten Hunderte von Priestern den Gott Amun als den König aller ägyptischen Götter. Seine Schatzkammern waren ebenso reich gefüllt, wie die des Pharaos und sein Hohepriester ein gefährlicher Rivale für den Königshof. Er sorgte dafür, dass die Götter den Menschen wohlgesonnen sind. Die Ägypter waren fest davon überzeugt, dass ihr Land dem Untergang geweiht ist, wenn die Götzen nicht mehr angebetet werden. Echnaton lässt die Tempel der Götter stürmen, die Heiligtümer schänden. Seine Gefolgsleute kennen nur ein Ziel: die Vernichtung der alten Götter.

Die Vision von nur einem Gott wird in Echnatons Volk nur widerwillig angenommen. Offiziell folgen sie dem Kult, aber heimlich werden die alten Götter weiter verehrt.

Visionär oder Wahnsinniger?
"Mit seinen Strahlen erfüllt er das Land und alles belebt er. Er, der meine Augen täglich trunken macht durch seinen Anblick, indem er aufgeht im Aton-Tempel von Achetaton." Sind das die Worte eines Wahnsinnigen? Echnaton selbst komponiert einen Hymnus, in dem er das allgegenwärtige Wirken seines Gottes beschreibt. "Du erscheinst vollkommen am Horizont des Himmels. Wenn Du aufgehst, dann erfüllen Deine Strahlen das ganze Land, ...du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt. ...Die Welt entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast."

Diktatur des Echnaton
Selbstherrlich lenkt Echnaton die Geschicke der Menschen in der Stadt der Sonne. Im gleißenden Sonnenlicht rollt er in seinem goldenen Streitwagen durch sein Reich. Sein Vorbild: Gott Aton selbst, der als Sonnenscheibe tagtäglich den Himmel überquert. Für den Pharao ist die Grenze zwischen Mensch und Gott längst aufgehoben.

Heimliche Verehrung der alten Götter
In ihren Lobliedern singen die Leute aus dem Volk: "Du bist das Abbild des lebendigen Aton." Doch was geht in ihren Köpfen vor, wenn Echnaton sich wie ein entrücktes Gottesbild verehren lässt? Immer weiter entfernt sich der König von seinen Untertanen. Nur der Pharao vermag den Willen Atons zu deuten. Kein Weg führt an ihm vorbei zu seinem Gott. Ihm muss das Volk huldigen, sollen die Gebete erhört werden. Aber heimlich betet noch so mancher zu den alten Göttern. Viele wollen auf ihren bewährten Glauben nicht verzichten.

Der Fall der Sonnenstadt
Der innere Friede wird mit Waffengewalt durchgesetzt. Wer sich anpasst hat nichts zu befürchten. Aber gehorcht das Volk wirklich blind? Auf Wandreliefs und Malereien in Achetaton sind außergewöhnlich oft Soldaten und Ordnungshüter zu sehen. Ist die Regierung des Echnaton eine Zeit der Intoleranz, der Staat ein Polizei- und Überwachungsstaat? Echnaton stirbt in seinem 17. Regierungsjahr. Nach seinem Tod ist in der kargen Ebene von Tell el Amarna nichts mehr von den 50.000 Menschen zu spüren, die einst hier lebten. Selbst Echnatons Name wurde aus den Annalen gelöscht.

Zum ersten Mal sind ein Herrscher und seine Frau auch in der Öffentlichkeit gleichgestellt. Königin Nofretete gilt als außergewöhnlich schön. Die Herrscherfamilie ist aber auch von Krankheit betroffen.

Nofretete: geheimnisvolle Herkunft
Schon ihr Name gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf. Er bedeutet "Die Schöne ist gekommen". Verbirgt sich darin ein Hinweis auf ihre Herkunft? Wurde sie als Prinzessin in einem fernen Land geboren oder stammt sie aus der ägyptischen Herrscherfamilie? Nofretete bekommt die offiziellen Titel "Große königliche Gemahlin" und "Geliebte des Pharaos" verliehen. Sie gilt als die schönste Frau Ägyptens. Kein Wunder, dass die Menschen in Achetaton Nofretete wie eine Göttin verehrten. Ist das der Grund, warum nichts über ihre Herkunft bekannt ist? Wurden ihre Eltern nie genannt, weil eine Göttin nicht von Menschen abstammen kann? Die ägyptischen Quellen schweigen. Die Herkunft der schönen Königin bleibt von einem Geheimnis umgeben. Neueste Untersuchungen geben Hinweise auf Inzest und Erbkrankheiten.

Gleichstellung mit Echnaton
In der Propaganda gegenüber dem Volk wird Nofretete auf gleiche Ebene mit Echnaton gestellt. Nie zuvor hat eine Frau den Dienst für den höchsten Gott verrichtet. Nofretetes Stellung ist einmalig in der ägyptischen Geschichte. Sie kann keine gewöhnliche Königin sein. Niemals zuvor wurde ein königliches Paar in so intimer Gemeinschaft abgebildet. Der König und die Königin scheinen unzertrennlich.

Echnaton wird aus der Geschichte getilgt
Bereits der Schrein von Echnatons Nachfolger Tutanchamun beweist dessen Rückkehr zur Anbetung der alten Götter. Aber zumindest zu Beginn seiner Regierungszeit hielten Tutanchamun und seine Frau an der Sonnenreligion ihres Vaters fest. Und im Grab des nächsten Pharaos Eje findet sich bereits keine einzige Spur mehr vom Sonnenglauben des Ketzers. Der nachfolgende Herrscher Haremhab ließ schließlich alle Erinnerungen aus der Geschichte löschen, die mit Echnaton und seiner Familie verbunden waren.

Tragisches Familiengeheimnis
Litt Echnaton an einer entstellenden Krankheit? Auf den meisten Darstellungen wirken er und seine Frau plump und unförmig. Auffällig: Auch seine Töchter zeigen eine ungewöhnliche Kopfform. Ein Ärzteteam der Neuroradiologie an der Berliner Charité führt eine aufschlussreiche Untersuchung durch. Die Diagnose: Es handelt sich um einen so genannten "Kahnschädel", eine genetisch bedingte Missbildung. Litt die gesamte Königsfamilie an einer unheilbaren Erbkrankheit? Die Auswertung des genetischen Fingerabdruckes führt zu einem beeindruckenden Ergebnis: Elterliche Blutsverwandschaft erhöht die Wahrscheinlichkeit von Missbildungen bei den Nachkommen. Inzucht also auch bei Echnaton und Nofretete? Ungewöhnlich wäre es für diese Zeit zumindest nicht.

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