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Terra X - Im Schatten der Pharaonen, Sensationen in Ägyptens Wüste

Ein Film von Renate Beyer

Im Sommer 1999 sorgt eine Nachricht für weltweite Schlagzeilen: In der kleinen Oase Baharija - etwa 400 Kilometer südwestlich von Kairo - sind ägyptische Archäologen auf einen riesigen Friedhof aus griechisch-römischer Zeit gestoßen. In tiefen Bodengräbern entdeckten die Experten zahlreiche Mumien aus einer Zeit, als sogenannte "Fremdländer" das Reich am Nil beherrschten. Bis zu 10.000 balsamierte Körper, versehen mit vergoldeten und farbigen Gipskartonagen, sollen auf der Wüsten-Nekropole bestattet liegen. Dies zumindest vermutet Chefausgräber Dr. Zahi Hawass. Seither ist das "Tal der Goldenen Mumien", wie das Areal in Anlehnung an das "Tal der Könige" genannt wird, in aller Munde. Drei Jahre dauert die Grabungskampagne nun schon an, ein Ende ist noch nicht abzusehen. Immer wieder gelingen dem Team um Hawass weitere, spektakuläre Funde. Erst vor kurzem wurde eine 2.500 Jahre alte Dame ihrer kühlen Gruft enthoben. Lange galt das lebensfeindliche Gebiet westlich des Nils als wissenschaftliches Schattenreich. Erst im 20. Jahrhundert haben Archäologen und Ägyptologen das Niemandsland allmählich aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Fast unbeachtet von der Öffentlichkeit mühen sich Spezialisten aus allen Erdteilen, die Altertümer im endlosen Feuer-Ozean vom Flugsand zu befreien und ihre lang gehüteten Geheimnisse zu lüften. Goldschätze und Ruinen von gigantischen Palästen und Tempeln mitten in der Einöde werfen nun ein völlig neues Licht auf die Rolle der Oasen im Ägypten der Spätzeit. Wilde Spekulationen über unermesslich reiche Schmugglerkönige und verschlungene Händlerrouten quer durch den Glutofen lassen die Forscher nicht mehr zur Ruhe kommen. Unermüdlich suchen sie nach Beweisen für die These, die Westliche Wüste mit ihren "Grünen Inseln" sei einst Schauplatz des organisierten Verbrechens gewesen. Kostbare Güter wie Elfenbein, Gold oder Löwenfelle sollen hinter dem Rücken der Pharaonen außer Landes geschafft worden sein - und das über viele Jahrhunderte lang. Hielten ausgebuffte Schieber und prunksüchtig Beamte die wirtschaftlichen Geschicke des Landes in den Händen? Anders lässt sich der unglaubliche Totenprunk in Baharija nicht erklären, soviel steht für die Wissenschaftler fest. Sie vermuten sogar, dass die "Piraten im Sandmeer" das ökonomische Rückgrat des Landes gebrochen und so zum Untergang der Pharaonenherrschaft beigetragen haben. Experten aus den unterschiedlichsten Fachgebieten arbeiten seit langem Hand in Hand, um endlich die verworrene Geschichte der Oasen und ihrer Bewohner zu rekonstruieren. Die Geschichte von Menschen und Orten, die mit der Ernennung Ägyptens zur römischen Provinz eine unaufhaltsame Wandlung miterlebten.

Die Dokumentation aus der ZDF-Reihe "Terra-X" führt zu den Sensationen in Ägyptens Wüste und gibt erstmalig Einblick in eines der spannendsten Forschungsprojekte aus jüngster Zeit.

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