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Der Nil - Wiege der Kulturen

Ein Film von Stefan Rocker

Fast tausend Kilometer schlängelt sich eine grüne Oase vom Nasser-Stausee bis nach Kairo. Der Übergang von Wüste zur fruchtbaren Landschaft ist scharf geschnitten: ein Übergang von Leben zum Tod. In dieser Welt entstand die erste Hochkultur der Menschheit, deren imponierende Monumente auch heute noch aus 1000 Kilometer Natur ein ebenso langes Kulturschauspiel machen. Doch es sind nicht nur die steinernen Denkmäler geblieben. Das alte Ägypten hat unsere Kultur entscheidend mitgeprägt. Ägypten war das erste vollständig christianisierte Land der Welt, entlang des Nils wurden die ersten Klöster und Kirchen der Welt gebaut, meistens dort, wo auch die Pharaonen ihre Tempel hatten. Sogar der Islam folgte fieser Tradition, auch seine Kultorte sind meist pharaonischen Ursprungs. Lange sogar konnten alle drei Kulturen, die pharaonische, die christlich-koptische und islamische, nebeneinander existieren. Die Reise entlang des Nils ist mehr als eine Reise in die Vergangenheit. Sie ist vor allem auch ein Porträt des heutigen Ägyptens, mit der tiefen Religiosität seiner Menschen. Sowohl in der koptischen als auch in der islamischen Religion sind deutliche Anklänge an die pharaonische Zeit, an Grabkult, Ahnenverehrung und Totenglauben, an magische Bräuche zu erleben.

In koptischen Klöstern wird während der Liturgie noch gesungen, wie es die alten Ägypter etwa anlässlich der feierlichen Mumifizierung taten. Die frühen Christen übernahmen die Melodien, versahen sie mit christlichen Texten, und die Kopten singen diese "Totenlieder" heute noch zum Karfreitag. Auf koptischen Feierlichkeiten werden Opfertiere geschlachtet, Dämonen ausgetrieben, Exorzisten haben Zulauf wie nie.

Seit Hunderten von Jahren findet in Luxor ein islamisches Fest zu Ehren eines Heiligen statt, auf dem in einer langen Prozession "heilige Schiffe" durch die alten Gassen der Stadt gezogen werden, genauso, wie es in den pharaonischen Reliefs des Luxor-Tempels abgebildet ist: eine Wallfahrt zu den Gräbern der Ahnen und Götter. Es gilt als das älteste, noch immer ausgeübte Fest der Welt.

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