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Terra X - Das Wüstenorakel, Die Magie der Oase Siwa

Ein Film von Heiner Stadler

Siwa? Siwa kennt kein Mensch. Pflanze? Tier? Exotisches Getränk? Letzteres noch am ehesten. Es gibt ein Mineralwasser gleichen Namens auf der Oase Siwa in der Libyschen Wüste. Wasser aus der Wüste in die Städte zu exportieren, ist nicht gerade ein alltägliches Geschäft. Es ist genauso ungewöhnlich, wie der Ort selbst am Ende der Welt. Eine winzige grüne Insel im endlosen Sandmeer zwischen Ägypten und Libyen. Im Altertum war diese Oase eine der berühmtesten Orakelstätten, bekannter noch als Delphi. Könige und Feldherren schickten ihre Boten hierher, um einen Blick in die Zukunft zu tun. Alexander der Große kam persönlich, und der Orakelgott Amun bestätigte ihr, dass er nicht nur Pharao und Weltenherrscher war, sondern auch in den Kreis der Götter aufgenommen wurde. Nach Alexanders Besuch in der Wüste blüht der Orakelkult noch dreihundert Jahre und geriet dann langsam in Vergessenheit - so wie die Oase selbst. Jahrhundertelang blieb sie das, was sie immer schon war: eine abgelegene Station für Handels- und Sklavenkarawanen, die aus dem Inneren Afrikas an die Mittelmeerküste zogen und Rastplatz für die Pilger auf ihrem Weg nach Mekka. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde Siwa zum Tummelplatz für europäische Abenteurer und Entdecker. Sie waren ausgezogen, die letzten weißen Flecken von der Landkarte zu tilgen und schrieben in ihren Tagebüchern schaurige Geschichten über die Oasenbewohner. Fanatisch, skrupellos, diebisch - kaum ein übles Attribut, das dem Berbervolk vorenthalten wurde. Noch in unserem Jahrhundert schrieb ein Engländer: "Sie sind nicht unmoralisch - sie haben schlicht keine Moral!" Dabei ging es der Oase immer nur um eines: Unabhängigkeit und natürlich auch um den Kampf gegen die Ungläubigen aus der Fremde. Sie widersetzten sich den Steuerforderungen Kairos ebenso wie dem Forscherdrang der Europäer. Als dann aber der Krieg die ganze Welt zum Schlachtfeld erklärte, fielen auch Bomben auf Siwa. Diesmal wechselte zwischen 1940 und 1943 die Besatzungsmacht, und die Feldmarschälle Montgomery und Rommel machten hier Station - vielleicht auch nur, um ihrem berühmteren Vorgänger Alexander die Referenz zu erweisen. Heute ist der Orakeltempel des Amun von den Archäologen wieder freigelegt und die Insel im Sandmeer durch eine Straße mit der Küste verbunden. Aber immer noch ist Siwa ein ungewöhnlicher Ort. Mitten in der Wüste liefern Tiefbohrungen prähistorisches Mineralwasser, das in Kairo an diejenigen verkauft wird, die sich "Siwa" leisten können.

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