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Die Brontës und ihre Männer

Ein Film von Malgorzata Bucka und Olaf Grunert

Drei arme, leidende Pfarrerstöchter, deren Horizont kaum über ein verschlafenes Kaff in den Mooren Nordenglands hinausreichte und die quasi aus sich Romane voll elementarer Begierden schufen; so werden die Schwestern auch heute noch gerne gesehen. Zu ihrer Zeit galten die Bücher als so schockierend, daß Literaturkritiker und Rezensenten ernsthaft davon abrieten, sie Frauen als Lektüre zuzumuten. Da gab es Bigamisten wie Rochester ("Jane Eyre"), saufende Ehebrecher wie Arthur Huntington ("Tenant of Wildfell Hall") und beinahe nekrophile Dämonen wie Heathcliff und auch die Frauen wie Helen Huntington, die vorsätzlich den gemeinsamen Haushalt verläßt, oder Catherine Earnshaw Linton, die einen anderen begehrt als ihren Ehemann, waren kaum besser. Natürlich stellten sich bereits Zeitgenossen die Frage, woher die drei jungen alten Jungfern diese Detailkenntnis über die Abgründe der menschlichen und vor allem männlichen Seele hatten.

Schnell waren der Vater, Reverend Patrick Brontë, der es als Autodidakt aus ärmlichsten irischen Verhältnissen zum Gemeindepfarrer gebracht und der auf dem Weg dorthin seinen angestammten Namen Prunty in die schicke Version umgestaltet hatte, und der alkoholkranke Bruder Branwell als Vorlagen ausgemacht. Der Vater wurde als unberechenbarer und schießwütiger Berserker verleumdet, der Bruder als schwächlicher Betrüger und unerträglicher Aufschneider. Hinter vorgehaltener Hand war sogar vom Inzest im Pfarrhaus die Rede. Alles Unsinn, meint die derzeit profundeste Kennerin der Brontës, Juliet Barker, Autorin der umfangreichsten Biographie und Herausgeberin der Briefe. Allein dank ihres höchst unkonventionellen alleinerziehenden Vaters konnten die Mädchen sich von klein an umfassend und ohne Scheuklappen bilden - und der ungemein kreative Bruder stachelte sie zum gemeinsamen Dichten an.Neben der radikalen Absage an die tradierten Mythen beleuchtet die Dokumentation die Schaffens- und Lebensbedingungen des Trios und gibt einen Eindruck von der schroffen Natur ihrer Heimat, die auch heute mehr als 150 Jahre nach dem Tod der letzten Schwester die düster-romantische Stimmung ihrer Bücher zu atmen scheint.

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