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Das Testament des Dr. Mabuse

100 Min.

Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang nach dem Roman "Dr. Mabuses letztes Spiel" von Norbert Jacques
Musik: Hans Erdmann, Walter Sieber
Kamera: Fritz Arno Wagner, Karl Vash
Deutschland 1933 / restauriert in 2000


Rolle:

Darsteller:

Dr. Mabuse

Rudolf Klein-Rogge

Irrenanstaltsleiter Prof. Dr. Baum

Oskar Beregi

Assistent des Anstaltsleiters Dr. Kramm

Theodor Loos

Kriminalassistent Müller

Klaus Pohl

Ehemaliger Kriminalbeamter Hofmeister

Karl Meixner

Lilli

Wera Liessem

Thomas Kent

Gustav Dießl

Juwelen-Anna

Camilla Spira

Hardy

Rudolf Schündler

Karetzky

Theo Lingen

Bredow

Oskar Höcker

Litograf

Paul Henckels

Diner von Prof. Baum

Georg John

Arbeiter

Ludwig Stössel

Nicolai Grigoriew

Hadrian Maria von Netto

Erpresser

Paul Bernd


Der Titelheld von "Dr. Mabuse, der Spieler" ist in eine Irrenanstalt eingeliefert worden. Von dort aus dirigiert er nun mittels des von ihm hypnotisierten Professors Baum - Psychiater und Besitzer der Nervenklinik - gezielte Aktionen, die seine Vision einer Herrschaft des Verbrechens herbeiführen soll: "Die Menschheit muss in einen Abgrund von Terror gestürzt werden." Jeder, der den Geldfälschungen, Drogenschiebereien, Erpressungen, Brandanschlägen im Wege steht, wird beseitigt. Erst sehr spät finden die Nachforschungen des Kriminalkommissars Lohmann und seiner Assistenten eine Spur. Sie führt die Polizei direkt in die Irrenanstalt, wo sie in der Zelle des zwischenzeitlich verstorbenen Dr. Mabuse auf Prof. Baum treffen, der wahnsinnig geworden die gefährlichen Aufzeichnungen - das Testament - des Dr. Mabuse in kleine Fetzen reißt.

Elf Jahre nach "Dr. Mabuse, der Spieler" (D 1922) griff Fritz Lang nochmals die Gestalt des genialen Verbrechers Dr. Mabuse auf. Wie bereits in dem zweiteiligen Stummfilm, aber auch wie in "M" (Deutschland 1931) diente in "Das Testament des Dr. Mabuse" eine Kriminalhandlung dazu, Aussagen zur Zeit und zu den aktuellen gesellschaftlich herrschenden Strömungen zu treffen. 1943 behauptete Fritz Lang in einem "Filmvorwort" zur amerikanischen Premiere des Films: "Dieser Film sollte - wie in einem Gleichnis - Hitlers Terrormethoden aufzeigen. Die Parolen und Glaubensartikel des Dritten Reiches sind hier Verbrechern in den Mund gelegt. Damit hoffte ich, diesen Lehren, hinter denen sich der Wille zur Zerstörung all dessen verbarg, was einem Volke wert und teuer ist, die Maske abzureißen." Sicherlich muss man die nachträgliche Stilisierung Langs ihrem Gewicht nach relativieren. Allein die Tatsache, dass mit Fritz Langs Ehefrau Thea von Harbou eine offene Sympathisantin Hitlers (wahrscheinlich damals auch schon NSDAP-Mitglied) maßgeblich an der Anfertigung des Drehbuchs beteiligt war, entkräftet die Selbstdarstellung Langs als die eines bewusst rationalisierenden, frühzeitigen Warners vor den nationalsozialistischen Praktiken. Nichtsdestotrotz bleibt "Das Testament des Dr. Mabuse" auch in der von Lang vorgegebenen Lesart als (wohl eher intuitive) Demaskierung des Nazi-Terrors auslegbar; einer von vielen schwer zu erklärenden Widersprüchen, die das Werk von Fritz Lang durchziehen. Die für den 24. März 1933 angesetzte Uraufführung von "Das Testament des Dr. Mabuse" wurde abgesagt. Wenige Tage später, am 29. März 1933, erging von der Filmprüfstelle Berlin wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit das Verbot des Films: "Die Prüfkammer hat eine solche Gefährdung [...] darin erblickt, dass die in dem Bildstreifen zur Darstellung kommende organisierte Verbrechensverübung gegen die menschliche Gesellschaft derart lehrhaft und anreizend ist, dass sie die Gefahr entsprechender Angriffe gegen Leben und Eigentum sowie terroristischer Akte gegen den Staat in sich birgt." Die Uraufführung von "Das Testament des Dr. Mabuse" fand am 21. April 1933 in Budapest statt. Fritz Lang, der eine noch ungeschnittene französische Kopie des Films ins Ausland retten konnte, wohnte der Premiere der französischen Fassung "Le Testament du Docteur Mabuse" (D/F 1933, Regie: Fritz Lang und René Sti, Länge: 95 min.) im April 1933 in Paris bei, die eine eigenständige Version des Films darstellt. Eine Erstaufführung im deutschen Sprachraum fand am 12. Mai 1933 in Wien statt, in Deutschland kam der Film erst 1951 in einer zudem völlig entstellten Fassung in die Kinos. Nach Kriegsende griff Fritz Lang für seinen ersten in der Bundesrepublik Deutschland gedrehten Film "Die Tausend Augen des Dr. Mabuse" (BRD/ITA/F 1960) ein weiteres Mal die Figur des Dr. Mabuse auf. In der Nachfolge dieses Films entstanden noch mehrere, ungleich weniger gelungene Adaptationen anderer Regisseure, darunter auch ein deutsches Remake von "Das Testament des Dr. Mabuse" unter der Regie von Werner Klingler, das 1962 unter dem gleichen Titel seine Uraufführung fand. Mit seinen insgesamt drei Mabuse-Filmen, die er jeweils an entscheidenden Punkten seiner Karriere (Anfang-Wendepunkt-Ende) realisierte, schuf Fritz Lang in der auf den Romanen von Norbert Jacques basierenden Figur des Dr. Mabuse, dem es stets um mehr als bloße Bereicherung geht, der mit einer Hand stets nach der Weltherrschaft des Verbrechens greift, eine zentrale Figur des deutschen Kriminal- und Horrorfilms, die in ihrer Bedeutung nur von wenigen anderen Figuren übertroffen werden könnte. Nach dem Aufführungsverbot, das Goebbels am 29. März 1933 über "Das Testament des Dr. Mabuse" hatte verhängen lassen, konnte die deutsche Erstaufführung dieses Films erst am 24. August 1951 stattfinden. Die Fassung jedoch, in der "Das Testament des Dr. Mabuse" dann in mehreren deutschen Städten anlief, war um mehr als zehn Minuten gekürzt und ohne Absprache mit Fritz Lang erheblich verändert worden. Das Originalnegativ galt lange Zeit als verloren. Erst spät wurde es, wenngleich stark gekürzt und beschädigt, im Deutschen Filminstitut in Wiesbaden entdeckt. Ausgangsmaterial für die Restaurierung ist ein 1951 gezogenes Lavendelpositiv der gekürzten Fassung. Die fehlenden Szenen wurden mit Hilfe von Material aus anderen Archiven ergänzt, wobei die im Bundesfilmarchiv bereits vorhandene Sicherungskopierung des vollständigen Films zur Ergänzung und als Schnittvorlage herangezogen werden konnte.

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