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Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 9 e-Moll, op. 95 "Aus der Neuen Welt"
Konzert für Violoncello in h-Moll, op. 104

Released 2004, Live aus Prag
Directed by Adàm Rezek

Antonin Dvorak live aus Prag

Musik, Tschechische Republik 2004, ARTE F, Erstausstrahlung Fernsehregie: Adàm Rezek; Musikalische Leitung: Jiri Belohlávek
Livekonzert aus dem Rudolfinum in Prag, das zum 100. Todestag des Komponisten Antonin Dvorak gegeben wird.
Auf dem Programm stehen die Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 "Aus der Neuen Welt" und das Konzert für Violoncello in h-Moll, op. 104.

Der Zufall will es, dass das offizielle Beitrittsdatum für die zehn neuen Mitgliedsstaaten mit dem 100. Todestag Dvoraks, eines der bekanntesten Komponisten Osteuropas, zusammenfällt. Die tschechische Hauptstadt begeht das Ereignis mit Festveranstaltungen, Ausstellungen und Konzerten. Der tschechische Komponist Antonin Dvorak fand schon sehr früh internationale Anerkennung. In England dirigierte er seine Werke in neun Aufführungen, in den USA leitete er das New Yorker Konservatorium. Auch in Deutschland und Österreich erlangte er schließlich Berühmtheit. Zu seinen Freunden zählten Brahms und Tschaikowsky. Auch heute noch ist die Faszination für Dvoraks Musik unverändert groß. Zusammen mit Smetana gilt er als der größte tschechische Komponist des 19. Jahrhunderts. Seine Musik wird in allen Konzertsälen der Welt gespielt. Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben den Slawischen Tänzen die Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 "Aus der Welt" und das Konzert für Violoncello in h-Moll, op. 104, das neben den Kompositionen von Schumann zu den meistgespielten des Genres zählt. Die Sinfonie "Aus der neuen Welt", die am 15. Dezember 1893 in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt wurde, ist das große amerikanische Werk Dvoraks. Darin bindet Dvorak Elemente der amerikanischen Musik in eine ansonsten mitteleuropäisch geprägte Struktur ein. Das Konzert für Violincello und Orchester (1895) komponierte Dvorak ebenfalls während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten. Es sollte sein letztes amerikanisches Werk sein, spiegelt aber nicht den Einfluss des Gastlandes, sondern eher die Sehnsucht nach seiner Heimat wider, die er drei Jahre zuvor verlassen hatte.

Jiri Belohlávek gehört weltweit zu den gefragtesten Dirigenten. Seit vielen Jahren arbeitet er mit dem Orchester der tschechischen Philharmonie zusammen. 1981 wurde er zum ständigen Dirigenten des Klangkörpers ernannt, von 1990 bis 1992 war er dessen Chefdirigent. 1994 gründete er die Prager Philharmonie, deren musikalische Leitung er übernahm. Seit 2003 leitete er das Orchester der Slowakischen Philharmonie. Von 1995 bis 2000 leitete er als geladener Dirigent das Symphonieorchester der BBC in London. Beachtung fanden u.a. seine Auftritte mit den Philharmonieorchestern von New York, München, Berlin und Stockholm und dem NHK Sinfonieorchester Tokio. Der Cellist Jiri Bárta begann seine musikalische Laufbahn in den 90er Jahren. Er studierte bei Josef Chuchro und Mirko Skampa in Prag und später bei Boris Pergamenschikov in Köln. 1991 erhält er den Europäischen Förderpreis für Musik und im selben Jahr den Rostropovich-Hammer Award in Los Angeles. Er arbeitet heute mit den größten tschechischen und internationalen Orchestern und Dirigenten zusammen.

Über seine 9. Symphonie, die 1893 in New York während seiner dreijährigen Tätigkeit als künstlerischer Leiter des National Conservatory of Music entstand, sagt Antonin Dvorák selbst, sie "sei von einem anderen Geist, anderen Gedanken und Farben angeregt" als seine früheren symphonischen Werke: "Diese Symphonie ist wesentlich verschieden von meinen früheren Sachen, vielleicht etwas amerikanisch; sie wäre nicht so geschrieben, wenn ich nicht in Amerika gewesen wäre". Die landläufige Meinung jedoch, Dvorák habe konkrete Indianermelodien und musikalische Modelle der Musik der Schwarzen direkt und unverändert in seine Kompositionen übernommen - etwa das Spiritual "Swing low" in das Hauptthema des ersten Satzes -, bezeichnet Dvorák als "Unsinn". Die in diesem Zusammenhang stets angeführten musikalischen Merkmale wie Pentatonik im Melodischen, starke Synkopierung im Rhythmischen und häufige Verwendung der Molldominante im Harmonischen kennzeichnen nicht speziell die amerikanische Folklore, sondern ebenso die Folklore anderer Länder - auch die seines Heimatlandes Böhmen. "Es ist der Geist von Neger- und Indianermelodien", so schreibt der Komponist kurz vor der Uraufführung am 15./16. Dezember 1893 in New York, "den ich in meiner Symphonie zu reproduzieren bestrebt war. Ich habe keine einzige jener Melodien benützt: Ich habe einfach charakteristische Szenen geschrieben, wobei Ich ihnen aber Eigenheiten der indianischen Musik eingeprägt habe".

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