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Wale im August
Whales of August

85 Min.

Regie: Lindsay Anderson
Drehbuch: David Berry nach seinem Theaterstück
Musik: Alan Price
Kamera: Mike Fash
USA ,1987


 

Rolle:

Darsteller:

Sarah Webber

Lillian Gish

Libby Strong

Bette Davis

Mr. Maranoy

Vincent Price

Tisha Doughty

Ann Sothern

Joshua Brackett

Harry Carey jr.

Mr. Beckwith

Frank Grimes


Seit über 60 Jahren verbringen die verwitweten Schwestern Libby (Bette Davis) und Sarah (Lillian Gish) gemeinsam den milden Sommer in Sarahs gemütlichem Holzhaus auf einer kleinen Insel vor der Küste von Maine. Die vorbeiziehenden Wale, die man hier früher im August beobachten konnte, sind eine verblassende Erinnerung an die unbeschwerte Jugend und das Glück vergangener Zeiten. Seit ihrer Erblindung ist Libby von der Pflege ihrer gutmütigen Schwester abhängig und dabei immer verbiesterter geworden. Sie fürchtet sich davor, verlassen zu werden, und registriert mit einer Art sechstem Sinn jede noch so minimale Veränderung in der eingefahrenen, streng ritualisierten Hassliebe-Beziehung. So bleibt ihr auch nicht verborgen, dass die quirlige Nachbarin Tisha (Ann Sothern) bei ihrem Überraschungsbesuch einen Hintergedanken verfolgt: Sie will ihre langjährige Freundin Sarah dazu bewegen, das Haus zu verkaufen und zu ihr zu ziehen - ohne die Schwester. Doch Libby hat ihre Mittel, um dies zu verhindern. Auch der charmante russische Emigrant Mr. Maranow (Vincent Price), der nach dem Tod seiner Frau bald obdachlos sein wird und Sarah dezent und würdevoll seine Aufwartung macht, wird von Libby wirkungsvoll brüskiert. So sind die beiden Damen am Ende eines ereignisreichen und sonnigen Tages wieder mit sich allein. Wie zur Versöhnung akzeptiert Libby nun den Herzenswunsch ihrer Schwester, die ein Panoramafenster mit Seeblick einbauen lassen möchte: Vielleicht kommen die Wale ja doch noch...

"Wale im August" ist eine liebevolle Hommage an beinahe 100 Jahre Kino, verkörpert von Lillian Gish (1893-1993) und Bette Davis (1908-1989), deren faszinierende Ausstrahlung den Film prägt. Der englische Kino-Rebell Lindsay Anderson, eigentlich für makabere Polit-Farcen wie "O Lucky Man" oder "Britannia Hospital" bekannt, ordnete sich mit einer grazilen, schwerelosen Inszenierungsweise ganz dem Charisma der beiden großen alten Damen des Kinos unter. Mit liebevollen Detailbeobachtungen und pointiertem Dialogwitz erzeugt diese mit erhabener Langsamkeit daherkommende Literaturverfilmung eine hypnotische Wirkung. Ein bewegender Film über Wehmut und die Würde des Alters.

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