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Der Mieter
The Lodger

83 Min.

Regie: Alfred Hitchcock;
Drehbuch: Eliot Stannard nach dem Roman von Marie Belloc Lowndes
Musik:
Kamera: Baron (Giovanni) Ventimiglia
GB 1926 / 1999


 

Rolle:

Darsteller:

 

The Landlady

Marie Ault

Ihr Mann

Arthur Chesney

Daisy Bunting

June

Joe

Malcom Keen

Der Mieter

Ivor Novello


Ein psychopathischer Frauenmörder versetzt London in Angst und Schrecken: Jeden Dienstag sucht er sich ein blondhaariges Opfer, und jedesmal findet die Polizei bei der Leiche einen kleinen Zettel, auf dem der Mörder seine Tat mit "The Avenger" ("Der Rächer") signiert. Zur selben Zeit zieht ein mysteriöser Mann als Untermieter bei einer Familie ein. Er zeigt ein besonderes Interesse an Daisy, der jungen blondhaarigen Tochter seiner Vermieter. Ein weiterer Mord passiert, ganz in der Nähe des Hauses; die Jagd auf den Mörder beginnt...

DER MIETER ist ein meisterhaft erzählter Thriller und wurde nach seiner Uraufführung als bester englischer Film seiner Zeit gefeiert. Erst nach diesem gelungen Auftakt kamen Hitchcocks THE PLEASURE GARDEN und THE MOUNTAIN EAGLE in die Kinos, die zwar bereits fertiggestellt waren, aber zuvor aus Angst vor Mißerfolgen zurückgehalten wurden. Das Drehbuch zu DER MIETER beruht auf dem gleichnamigen Roman von Marie Belloc-Lowndes. Der Film weicht jedoch in einem wichtigen Punkt von der Vorlage ab. Stellt sich im Roman der mysteriöse Mieter letztlich als der Mörder heraus, ist er bei Hitchcock unschuldig. Grund hierfür ist der Star Ivor Novello, der den Mieter spielte. Hitchcock hierzu: "Bei einer Geschichte wie dieser wäre es mir lieber gewesen, er wäre im Dunkeln verschwunden und man bekäme nie Gewißheit. Aber das kann man nicht machen mit einem Helden, der von einem Star gespielt wird. Man muß sagen: Er ist unschuldig." Hitchcocks klassisches Suspense-Konzept, das auf einem Wissensvorsprung des Zuschauers basiert, ist im MIETER nicht voll ausgeprägt. Bis zuletzt bleibt der Zuschauer im unklaren, wer der Mörder ist. Alle Indizien deuten eigentlich auf den Mieter, der erst am Ende entlastet wird. Hitchcock experimentiert in diesem frühen Werk mit filmischen Techniken. Um beispielsweise die Schritte des Mieters über den Köpfen der Wirtsleute sichtbar zu machen, filmt er sie von unten durch eine Glasplatte. Unübersehbar sind die stilistischen Einflüsse des deutschen Stummfilms: "(...) bedrohliche Schatten, düstere Dekors und grelle Licht-Schatten-Effekte evozieren die Erinnerung an Filme von Murnau, Lang und Wiene." (H.-J. Blumenberg). Zum Auftakt der "Hommage an Hitchcock" präsentiert ARTE eine frisch restaurierte Filmkopie aus den Beständen des National Film and Television Archive, London. In brillanter Bildqualität liegt nun die zweifarbigen Virage vor - blau für die Außen- und Nebelszenen, sepiafarben für die Interieurs -, die viel zur atmosphärischen Wirkung des Films beiträgt. Im Auftrag von ARTE/ZDF schrieb der in Los Angeles lebende Filmkomponist Ashley Irwin eine neue Musik, die vom Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielt wurde. Die neue Komposition orientiert sich an den klassischen Tonfilm-Musiken, die Bernard Herrmann für Hitchcock geschrieben hat, und erweitert das Klangspektrum der akustischen Instrumente um elektronische Klänge. In dieser Mischung aus traditionellem Filmorchester, solistisch geführten Blasinstrumenten und Elektronik entfaltet der Film eine hohe dramatische Wirkung und ist als ein Meisterwerk des frühen Kriminalfilms zu erleben, der bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

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