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Marnie
Marnie
Krimi-Klassiker
124 Min.

Regie: Alfred Hitchcock;
Drehbuch: Jay Presson Allen nach einem Roman von Winston Graham
Musik: Bernhard Herrmann
Kamera: Robert Burks
USA ,1964

"Geraubt .. Gestohlen! 9.976 Dollar, wie ich es Ihnen schon am Telefon gesagt habe! Und es war dieses Mädchen: Marion Holland; sie hat es getan! MARION HOLLAND!" "Können Sie sie beschreiben Mr. Strutt?" "Natürlich kann ich sie beschreiben! ... 1 Meter und 64, 110 Pfund, Kleidergröße 38, blaue Augen, schwarzes, welliges Haar, regelmäßige Gesichtszüge, gute Zähne ... Was finden Sie denn so komisch? Hier ist schließlich ein schwerer Diebstahl verübt worden!" "Ja Sir ... eh ... Sie sagten schwarzes Haar, wellig, regelmäßige Gesichtszüge, gute Zähne und sie war seit vier Monaten bei Ihnen angestellt.. Was für Referenzen hatte Sie denn?" "Na ja, Referenzen, na ja, ... sie hatte selbstverständlich Referenzen!!" "Entschuldigen Sie Mr. Strutt, haben Sie das vergessen? Sie hatte doch überhaupt keine Referenzen." "JA, JA, sie bediente die Kopier- und die Rechenmaschine, das ist keine Vertrauensstellung!" "Oh, Mr. Rutland, ich habe gar nicht gewußt, daß Sie hier sind. Wir sind gerade beraubt worden! Es fehlen ungefähr 10.000 Dollar" "Ja ja, das hörte ich schon, von einem hübschen Mädchen ohne Referenzen." "Und wissen Sie noch von welchem? Ich habe Sie noch auf sie aufmerksam gemacht als Sie letztes Mal hier waren. Sie sagten irgend etwas von 'Die Arbeitsräume seien viel freundlicher geworden'!" "Ach DIE meinen Sie, die so hübsche Beine hatte!" "Entschuldigen Sie bitte meine Herren, Mr. Rutland ist ein alter Kunde." "Na, ich glaube kaum, daß Sie heute den Kopf für geschäftliche Dinge frei haben, Mr. Strutt. Das war für Sie doch sicher ein Schock!" " Oh nein, für Geschäfte mit Rutland habe ich immer Zeit, das wissen Sie doch! Wie geht's in Philadelphia? ... Diese verfluchte Hexe. Die werde ich für 20 Jahre einsperren lassen. Die war viel zu gut, um echt zu sein. Sie war immer bereit, Überstunden zu machen, sie machte nie einen Fehler. Dauernd war sie dabei ihren Rock über die Knie runterzuziehen, als wären sie ein ... NATIONALHEILIGTUM!!!"

Rolle:

Darsteller:

Marnie

Tippi Hedren

Mark Rutland

Sean Connery

Sidney Strutt

Martin Gabel

Lil Mainwaring

Diane Baker

Bernice Edgar

Louise Latham

Cousin Bob

Bob Sweeney

Mr. Rutland

Alan Napier


Wieder einmal hat Marnie unter falschem Namen eine Stelle als Sekretärin angenommen, um den Firmentresor auszuräumen. Aber diesmal wird sie beobachtet - von Mark Rutland, ihrem Chef. Aber anstatt sie anzuzeigen, faßt Mark den impulsiven Entschluß, Marnie zu heiraten.

Aber die Ehe steht unter keinem guten Stern. Auf dem alten Familienbesitz der Rutlands wird Marnie mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Zwar begegnet ihr Marks Vater freundlich, aber Lil, die Schwester von Marks verstorbener Frau, sieht ihre eigenen Heiratspläne mit Mark durchkreuzt, und Vetter Bob, Teilhaber der Firma, versteht die firmenpolitische Torheit Marks nicht.

Mark und Marnie spielen das glückliche Paar, in Wirklichkeit schreckt die junge Frau aber vor jeder körperlichen Berührung zurück. Als Mark während der Hochzeitsreise seiner Frau gegenüber gewalttätig wird, versucht sie, sich das Leben zu nehmen. Zurück auf dem Landsitz bewegen Marnies anhaltende Alpträume, ihre krankhafte Angst vor Gewittern und der Farbe Rot und ihre Weigerung, wegen ihrer Kleptomanie und ihrer Psychosen einen Psychiater aufzusuchen, Mark schließlich dazu, heimlich Nachforschungen über ihre Familie anzustellen.

Lil versucht unterdessen, Marnie zu kompromittieren, indem sie Marks Geschäftsfreund Strutt einlädt, der in Marnie die Frau erkennt, die ihm - und drei weiteren Firmen - mehrere tausend Dollar gestohlen hat. Mark kann einen Skandal verhindern. Aber als Marnie nach einem Sturz ihr geliebtes Pferd erschießen muß, versucht sie wieder, Mark zu bestehlen und zu fliehen. Mark bringt seine Frau nach Baltimore zu ihrer Mutter, wo Marnie schließlich mit dem schrecklichen Kindheitserlebnis konfrontiert wird, das in einer Gewitternacht vor vielen Jahren ein schweres Trauma ausgelöst hat.

Für seine Charakterstudie einer Kleptomanin und die Geschichte einer fetischistischen Liebe holte Hitchcock neben Sean Connery, der als James Bond mit den beiden Filmen "Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau" bereits ein internationaler Star war, noch einmal Tippi Hedren vor die Kamera, die er ein Jahr zuvor mit "Die Vögel" bekannt gemacht hatte. Der Regisseur hatte das Fotomodell in einem Werbespot für ein Diätmittel gesehen und sofort unter Vertrag genommen. Die quälenden Dreharbeiten für den letzten großen Angriff der Vögel, die mit dem Zusammenbruch der Schauspielerin endeten, beschrieb Tippi Hedren später als "die schrecklichste Woche meines Lebens". Das angespannte Verhältnis von Hitchcock zu seiner Darstellerin belastete auch die Arbeit an "Marnie". Gegen Ende der Dreharbeiten soll der Regisseur gar nicht mehr mit ihr gesprochen haben.

Ihre Glanzleistungen bei Hitchcock blieben der Höhepunkt von Tippi Hedrens Karriere. Charles Chaplin drehte 1967 mit ihr, Sophia Loren und Marlon Brando "Die Gräfin von Hongkong". Gemeinsam mit ihrer Tochter Melanie Griffith stand sie 1981 (unter der Regie ihres damaligen Mannes Noel Marshall) für das Dokudrama "Roar - Ein Abenteuer" und 1990 für den Thriller "Fremde Schatten" vor der Kamera. Neben verschiedenen TV-Projekten steckte sie in den 80er und 90er Jahren die meiste Arbeit in die "Shambala Foundation" in Kalifornien, einer Art Altersheim für Tier-Darsteller.

Filmkritiken

Dirk Jasper (CyberKino): Nach seinen an Schockeffekten reichen Thrillern Psycho (1960) und Die Vögel (1962) kehrte Hitchcock mit diesem "psychoanalytisch" getönten Film zu einer eher verhaltenen, nahezu betulichen Inszenierungsweise zurück. Auffallend ist die eisige, streng kalkulierte Erzähltechnik, die den Zuschauer in die Bewusstseinswelt der Heldin hineinführt, ihn aber zugleich zum distanzierten Zeugen (und zu Marks Komplizen) macht. Der ungewöhnlich besetzte Film gehört zu den besten, unverändert attraktiven Thrillern Hitchcocks.
Lexikon des internationalen Films: Vor allem hinsichtlich seines Frauenbildes überholter, auch in der Inszenierung antiquiert wirkender Hitchcock-Film mit psychoanalytischen Ambitionen, kühl und trotz seiner ausgeklügelten Farbdramaturgie weitgehend spannungslos inszeniert.
Der Spiegel 1995-49: Alfred Hitchcock bewährt sich in diesem Krimi wieder als der Magier, der aus scheinbar schönen Bildern das Entsetzen herauszaubert.

Bemerkungen

"Wir sind alle so oder so pervers": Nach diesem Motto ließ sich Alfred Hitchock in den frühen sechziger Jahren für den Roman 'Marnie' von Winston Graham begeistern, aus dem in der Folge der gleichnamige Film entstand. Abgewandelt wird darin einmal mehr das Lieblingsthema des Regisseurs: der Identitätsverlust eines Menschen und die Gefahr, die daraus für ihn und seine Umwelt erwächst.

Als Hauptdarstellerin hätte er sich gerne Grace Kelly geholt, die damals schon Fürstin von Monaco war, aber eine Rolle unter Hitchcock durchaus akzeptiert hätte. In Monaco allerdings war man der Meinung, dass die Rolle einer Diebin einer Landesfürstin ganz und gar nicht angemessen sei. So kam das blonde Fotomodell Nathalie (Tippi) Hedren zu ihrer Kinorolle sollte. Ihr Partner war Sean Connery, damals als aktueller James Bond ein ebenso gefeierter wie gefragter Mann.

Das filmische Ergebnis hält bis heute die Hitchcock-Freunde in zwei Lager gespalten: Während die einen in 'Marnie' einen geschwätzigen Film ohne echte Spannung sahen, definierten ihn die andern zum mutigen, weil unkonventionellen Meisterwerk.

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