zurück

Irrgarten der Leidenschaft
Pleasure Garden

75 Min.

Regie: Alfred Hitchcock;
Drehbuch: Eliot Stanard nach einem Roman von Oliver Sandys
Musik:
Kamera: Baron (Giovanni) Vertimiglia
GB, 1925


 

Rolle:

Darsteller:

 

Patsy Brand

Virginia Valli

Jill Cheyne

Carmelita Greaghty

Levett

Miles Mander

Hugh Fielding

John Stuart

Eingeborene

Nita Naldi

Hamilton

George H. Snell


Mit "Irrgarten der Leidenschaft" wird Alfred Hitchcocks erste Regiearbeit, gedreht in München, vorgestellt. Die neue Musik zu diesem Stummfilm schrieb der Münchner Komponist Aljoscha Zimmermann. Im Mittelpunkt des Melodramas stehen die beiden Revuegirls Jill Cheyne und Patsy Brand. Während Patsy eine unglückliche Ehe eingeht, macht die skrupellose Jill Karriere. Patsy findet nach dramatischen Verwicklungen schließlich ihr Glück in den Armen des Mannes, dessen Liebe Jill rücksichtslos mißbraucht hatte.

Patsy, Chorus-Girl im vielbesuchten Pleasure Garden in München, verhilft ihrer neuen Bekannten Jill zu einer Anstellung. Jill nutzt die Gunst der Stunde und ihre Wirkung auf Mr. Hamilton, den Chef des Revuetheaters, um Karriere zu machen. Obwohl sie mit Hugh Fielding verlobt ist, der das Land verläßt, um in den Tropen zu Geld zu kommen, läßt sie sich auf zahlreiche lukrative Affären ein. Patsy heiratet überstürzt Hughs Freund und Kollegen Levett. Nach idyllischen Flitterwochen am Comer See reist der Ehemann ab. Als sie nichts von ihm hört, reist ihm Patsy nach. Sie entdeckt ihn völlig betrunken in den Armen einer Eingeborenen. Als sie von Trennung spricht, stürzt er sich wie ein Wahnsinniger auf sie.

Mit "Irrgarten der Leidenschaft" (The Pleasure Garden) präsentiert das Bayerische Fernsehen in seiner Hitchcock-Hommage den "ersten kompletten Hitchcock-Film" (Bodo Fründt, "Alfred Hitchcock und seine Filme", Heyne Filmbibliothek 91), gedreht hauptsächlich in den Münchner Studios "Emelka", dem Vorläufer der "Bavaria"-Studios, koproduziert von dem Briten Michael Balcon und dem Deutschen Erich Pommer. Als Mitarbeiter von Balcon hatte sich Hitchcock in den Jahren zuvor zum perfekten Kinotechniker entwickelt: "Hitchcock, 'das Mädchen für alles', zeichnete Zwischentitel, arbeitete als Requisiteur, entwarf Dekorationen, schrieb Drehbücher, wählte Schauspieler aus, wurde Regieassistent" (Fründt). Er hatte dort auch die hochbegabte Drehbuchautorin und Cutterin Alma Reville kennengelernt, nur einen Tag jünger als er. Sie wurde seine ständige Mitarbeiterin, war seine Regieassistentin und Cutterin bei "The Pleasure Garden" und ein Jahr später seine Frau. Wie weit ihr Einfluß auf Hitchs Arbeit reichte, wird ihr Geheimnis bleiben. Hitchcock selbst nannte seinen Debütfilm Truffaut gegenüber "melodramatisch, aber mit ein paar interessanten Szenen". Die Geschichte spielt in dem Milieu der Show, der Bühne, in der die Grenzen zwischen Illusion und Realität fließend sind, eine Welt, die Hitchcock immer faszinierte. In ein, zwei genialen optischen Einfällen umreißt er, um was es in diesem Zwischenreich geht: "um käuflichen Sex, um Fixierung auf Frauenbeine" (Fründt). Schon hier blitzt der zynische Humor auf, der ihn legendär machte, auch wenn Hitchcock hier die Welt noch säuberlich aufteilt in Gut (Patsy und Hugh) und Böse (Jill und Levett). Der Erfolg war groß, die "Daily Express" feierte den damals 26jährigen als "den jungen Mann mit dem Superhirn". Wie groß er werden sollte aber ahnte damals niemand.

zurück