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Kann denn Mode rot sein - Sozialistischer Schick in der DDR

Ein Film von Petra Brändle

Mode, das war nach den Vorstellungen der Partei in den Gründerjahren der DDR eine rein kapitalistische Erscheinung, "perfekt manipulierter Massenkonsum". Deshalb suchte die junge Republik nach neuen Kleidern für den neuen Menschen. Bekleidungskultur hieß es fortan, und sie sollte zur Entwicklung der "sozialistischen Persönlichkeit" beitragen. Also war der sozialistische Dresscode funktional, praktisch und dauerhaft. "Dekadenter" Luxus: ein Tabu.

Daran änderte auch die "Exquisit"-Mode nichts. "Exquisit", das war die hochwertige, teure Linie der DDR-Mode, 1971 eingeführt auf Anweisung der Regierung, um Geld abzuschöpfen. Nicht die Individualität sollte betont werden, nein, Mode in der DDR war Schick für die Massen.

So weit die Theorie. Die Praxis aber orientierte sich zunehmend am internationalen Trend, natürlich in abgespeckter Form. Mode kennt eben keine Mauern! So kam mit leichter Verspätung und nicht ganz so kurz auch der Minirock in die DDR. Schwerer hatte es die Jeans, die Hose der Jugend, die so sehr nach Rebellion und Freiheit, made in USA, roch. Sie war verboten und wurde doch heiß geliebt. 1976 schickte man sie auch in der DDR in Produktion. Doch was heraus kam, war eher etwas für FDJ-Funktionäre. Ob aus dem Westen oder selbst genäht - Mode wurde zunehmend als Möglichkeit gesehen, sich vom Staat abzugrenzen.

Der Film ist ein Streifzug durch die Geschichte der DDR-Mode, von den ideologischen Anfängen bis zum Fall der Mauer, als die Kluft zwischen Angebot und Bedürfnis längst nicht mehr zu überbrücken war. Jugendliche, Künstler und Modegestalter von damals erzählen von der Realität, ihren Träumen und den Kämpfen mit der Plan- und Mangelwirtschaft. So entpuppt sich die Modegeschichte als Spiegel der großen, ganzen DDR-Geschichte.

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