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Schätze der Welt, Erbe der Menschheit - Chichen Itza, Mexico

Ein Film von Albrecht Heise

Im Süden Mexikos, dem flachen Land zwischen Pazifik und Karibik, war einst das große Reich der Maya. Ihre Zeitrechnung und Geschichte reichte zurück bis ins vierte Jahrtausend vor Christus. In ihrer Blütezeit, der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends n. Chr., bauten sie die Stadt Chichen Itza. Doch schon wenige Hundert Jahre später, noch bevor die spanischen Eroberer in Mexiko eintrafen, gingen die Maya samt (oder trotz) ihrer hochentwickelten Kultur auf rätselhafte Weise unter. Urwald überwucherte die verwaiste Stadt, bis sie Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und freigelegt wurde. Seitdem suchen Archäologen nach dem Grund für den Untergang der Maya. Bis heute suchen sie vergeblich.

Hätten doch schon die frühen Maya Video-Bilder für die Nachwelt gemacht! Die Maya-Forschung wären heute weiter, und Millionen von Touristen müssten sich nicht mit Mutmaßungen begnügen. Aber die Maya, auch die von Chichen Itza, weit im Süden Mexikos, haben außer diesen Bauten nur wenige Hinweise auf ihre Kultur und ihre Geschichte hinterlassen. So entdeckte man in der Kukulkán-Pyramide noch eine Pyramide, deutlich älter als die äußere. Und auf deren Spitze einen Tempel mit zwei geheimnisvollen Steinskulpturen. Wozu diente der zinnoberrote Jaguar? War das ein Thron? Wer hat hier regiert, wann genau und über wen... Wir wissen erst ganz wenig. Als die Maya diese Stadt im platten Yucatán bauten, um 500 nach Christus, da waren sie bereits ein hoch entwickeltes Kulturvolk. Ihre Geschichte und Zeitrechnung reichten zurück bis ins vierte Jahrtausend vor Christus.Hoch auf der Pyramide, auch das ist bekannt, war der Sitz des Herrschers. Und schräg gegenüber, im Tempel der Krieger, saß das Militär, die Stütze der Macht. Die Säulen haben einmal lange Dächer getragen. Hieroglyphen. Geschichtsschreibung in Stein. Wichtigste Quelle der Maya-Forschung. Leider lückenhaft. Sein Militär brauchte der König nicht nur zur Verteidigung - sondern auch zu Raubzügen in andere Maya-Städte und zu Eroberungen. Diese Krieger waren viel beschäftigte Leute. Um das Jahr 1000 nach Christus strotzte Chichen Itza vor Reichtum und Macht. Doch die Welt der Maya zwischen Karibik und Pazifik war kein friedlich geeintes Reich. Schon 1200 stürmten fremde Maya diese Stadt. Seitdem ist sie verwaist. Im 15. Jahrhundert dann, noch vor Kolumbus also, gingen alle Maya, Sieger und Besiegte, auf rätselhafte Weise unter. Eine Katastrophe muss über sie hereingebrochen sein, eine die in kurzer Zeit das ganze große Volk samt seiner hochentwickelten Kultur auslöschte. Nur wenige haben überlebt - versteckt im Urwald draußen. Die 4000jährige Erfolgsgeschichte der Maya war zuende. Begonnen hatte sie, so die Überlieferung, mit der Entstehung des ersten Menschen, einem Maya - aus Mais. Kluge Könige und tapfere Krieger führten das Volk schon früh zu Macht und Wohlstand. Kultur und Wissenschaft standen in hoher Blüte. Doch vor dem Untergang hat sie das nicht bewahrt.

Als 1540 die spanischen Eroberer kamen, stellte sich ihnen nur ein Häuflein Verteidiger entgegen. Tapfer aber chancenlos.Danach räumten Mission und Inquisition gründlich auf mit den Resten der Maya-Kultur. Besiegt und bekehrt wurden sie zu Sklaven der spanischen Eroberer.

Die Spanier hatten sich im Land der Maya häuslich eingerichtet mit Kathedrale und Gouverneurspalast. Sie blieben 300 Jahre. Dann übernahmen die mexikanischen Enkel der Spanier die Macht. Weiße. Und die regieren heute noch - im selben Gouverneurspalast. Die Nachkommen der Maya hausen in Elendsquartieren an den Rändern der Stadt, schlagen sich als Dienstmädchen der Weißen und als Gelegenheitsarbeiter durch, können nicht lesen, nicht schreiben. Ihre Vorväter konnten schon vor tausend Jahren den Verlauf der Gestirne berechnen. Das Observatorium von Cichen Itza. Die Kukulkán-Pyramide ist voller Zahlensymbolik und astrologischer Raffinessen: So addieren sich die 4 mal 91 Stufen plus einer Sockelstufe zu 365, den Tagen eines Jahres.

Immer am 20. März und am 22. September, wenn also Tag und Nacht genau gleich lang sind, wirft die Sonne einen schlangenförmigen Schatten auf diese Treppenbalustrade, solange keine Wolken am Himmel sind. Tausende kommen das Schauspiel zu sehen. Denn der Schatten, das ist Kukulkán, die Schlange, die von der Pyramide steigt. Kukulkán, vor allem aber die andere Schlange, Quetzalcóatl, die mit den Vogelfedern, sie waren die höchsten Gottheiten der Maya. Chichen Itza ist voller Abbildungen der beiden.Schlangen, wohin man schaut. Und immer wieder auch der Jaguar, den es hier in der Natur schon lange nicht mehr gibt. Auch dieser Jaguar aus Stein muss einmal ein Thron gewesen sein.

An die Rückseite des Jaguar-Tempels grenzt der Ballspielplatz, ein ganz wichtiger Ort aller Maya-Siedlungen des ersten Jahrtausends. Hier wurde Ball gespielt, "pok ta pok" in der Sprache der Maya, Mannschaft gegen Mannschaft. Aber nicht zum Spaß, sondern als religiöse Zeremonie. Auch als politische Veranstaltung. Durch den Ring musste der Ball aus Kautschuk bugsiert werden. Die Regeln waren kompliziert und streng. Weder Hand noch Fuß durften eingesetzt werden. Zum Schutz vor dem harten Ball trugen die Spieler dicke Polster. Und ihre Nasen waren furchterregend geschmückt. Schon damals war der Ball rund, und das Spiel dauerte... Es dauerte so lange bis eine Mannschaft geschlagen war. Dann musste der unterlegene Spielführer auf dem Felde kniend seinen Kopf hinhalten. Der wurde ihm öffentlich abgeschlagen, mit dem Blut die Erde gedüngt. Es galt als Ehre, so zu sterben, den Göttern geopfert zu werden.

Weiß Gott die Götter kamen nicht zu kurz. Am Schädelgerüst, dem Tzompantli gleich neben dem Spielfeld wurden die Köpfe der Geopferten, nachdem sie gekocht und vom Fleisch befreit waren, auf Stangen gespießt. Das Köpfen war aber nicht die einzige Form des Menschenopfers:

So wurde auch das noch zuckende Herz eines Menschen dem Adler zum Fressen angeboten. Oder dem Jaguar - und natürlich der Schlange.

Dieser Tempel ist Chac gewidmet, dem Gott des Regens, des Wassers und der Fruchtbarkeit. Chac mit dem Rüssel wie eine Regentraufe. Möglich, dass dieser Chac durch sein Versagen die Maya-Hochkultur zerstörte. Trockenheit, Missernten und Hunger könnten zu einem Massensterben geführt haben. Was immer den Maya zum Verhängnis wurde - an zu wenig Opfern für die Götter kann es nicht gelegen haben. Vielleicht hatten sie den Regengott schlicht überfordert, für ihre Felder so viel vom Urwald Yucatáns niedergebrannt, dass dort nichts mehr wachsen mochte - so viele Menschen sie auch opferten auf großen Tischen aus Stein. Vergebens auch die Opfer, die sie in den Cenote warfen, den Heiligen Brunnen, damit es endlich regnen möge.

Auf seinem Grund lagen Tausende kostbarer Gaben - und menschliche Skelette. Vergebens. Die Maya mussten untergehen.

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