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Sommer der Entdeckungen - Alexander der Große, Spurensuche in Ägypten

Ein Film von Renate Bayer

Seine erste Schlacht gewinnt er mit 18 Jahren. Mit 25 ist er ägyptischer Pharao und Großkönig von Persien. Sieben Jahre später hat er ein Weltreich erobert, das bis zum Indus reicht. Im blühenden Alter von knapp 33 - im Jahr 323 vor Christus - stirbt der strahlende Held am Fieber: Alexander der Große - schon zu Lebzeiten ein Mythos - fasziniert die Menschheit bis heute. Der Makedone war nicht nur ein genialer Feldherr, der von Sieg zu Sieg flog. Er war auch der erste Multikulti der Weltgeschichte - seiner Zeit weit voraus. Die Vision vom grenzenlosen Kulturaustausch, von der Verschmelzung der Völker ließ ihn nicht los. Was trieb ihn an? Worauf beruhte sein Erfolg? Wo lagen die Wurzeln seines Charismas? Noch immer gibt Alexander der Große Rätsel auf. Und irgendwie passt es ins Bild, dass bis heute niemand weiß, wo der makedonische Supermann begraben ist und wie seine letzte Ruhestätte ausgesehen haben könnte. Das Grab Tutanchamuns hat gezeigt, mit welch unermesslichen Goldschätzen ägyptische Pharaonen beigesetzt wurden. Auch das von Philipp II., Alexanders Vater, war angefüllt mit Kostbarkeiten. Müsste Alexander - König der Makedonen und Pharao zugleich - demnach nicht mit noch mehr Prunk bestattet worden sein? 184-mal haben bisher Wissenschaftler, Hobby-Forscher und andere Fans behauptet, den Ort gefunden zu haben. Immer wieder haben sich renommierte Forscher der Aufgabe gestellt. Aber sogar der berühmte Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann vermochte seinerzeit das Rätsel nicht zu lösen. Für weltweites Aufsehen sorgte die Behauptung der griechischen Archäologin Liana Souvalzi. Sie vermutet das Grab in der ägyptischen Oase Siwa, musste ihre These aber bald aufgeben. Auch die spektakulären Unterwasserfunde des Franzosen Jean Yves Empereur vor Alexandria lieferten keine brauchbaren Hinweise. Der ägyptische Archäologe Professor El Facharani widmet sich seit über 40 Jahren seinem Lebenstraum: Er ist sicher, die Begräbnisstätte des legendären Makedonen mitten in Alexandria zu finden. Deutsche Geophysiker unterstützen ihn mit moderner Technik. Spurensuche in Ägypten - das Alexandergrab gilt als eine der letzten großen Herausforderungen an die Wissenschaft.

Alexander der Große - Hintergründe:

Bei seiner Geburt spielen die Elemente verrückt und überall geschehen Wunder. Die Erde bebt, und Feuer fällt vom Himmel - so die Legende. Mit 18 gewinnt er seine erste Schlacht. Zwölf Jahre später hat er ein Weltreich erobert, das bis zum Indus reicht.

Alexanders Aufstieg beginnt mit einem Mord
Geboren wird der ehrgeizige Makedone in Pella, im Sommer 356 vor Christus. Um die zerstrittenen griechischen Kleinstaaten zur Einheit zu zwingen, hat sein Vater die schlagkräftigste Armee seiner Zeit aufgebaut. König Philipp II. führt seinen Stammbaum auf den Halbgott Herakles zurück. Für viele Griechen bleibt er dennoch ein Barbar, der seinen Wein ohne Wasser trinkt.

Aus politischen Gründen heiratet Philipp in vierter Ehe eine griechische Königstocher: Olympias, Alexanders Mutter. Ihre Herkunft gründet sie auf den Helden Achilles. Die schöne Fremde, der Magie kundig, frönt dem orgiastischen Dionysoskult. Für die Erziehung des Knaben nach griechischem Bildungsideal holt Philipp aus Athen den Philosophen Aristoteles an den Hof. Von ihm lernt der Thronfolger logisches Denken und kluges Handeln.

In der Schule studiert Alexander das gewaltige Epos vom Trojanischen Krieg. Die Ilias des Dichters Homer wird zur Lieblingslektüre. Fasziniert liest der Junge, wie sein Stammvater Achilles den Feind bezwingt. Genau so strahlend und ruhmreich wie sein großes Vorbild muss er sich gefühlt haben, als er mit knapp 18 Jahren die Reiterei seines Vaters zum Sieg führt.

Im Palast von Aigai kommt es zum Zerwürfnis, als Philipp eine neue Ehe eingeht. Ein Sohn aus dieser Verbindung könnte den Thronanspruch Alexanders gefährden. Im Sommer 336 vor Christus geschieht der Mord an König Philipp im Theater - vor aller Augen. Der Täter wird gefasst. Wer steckt hinter dem Komplott? Der Verdacht fällt auf Olympias und - auf Alexander. Doch bewiesen werden kann nichts. Der 20-Jährige wird König von Makedonien. Alle, die ihm gefährlich werden könnten, lässt er umbringen. So sichert er seine Macht. Dann sucht der neue Herrscher Rat beim Orakel von Delphi. "Alexander, du bist unbesiegbar!" soll die Priesterin verkündet haben. Und genau diesen Spruch hat er gebraucht. In den nächsten elf Jahren wird der brillante Stratege vom winzigen Makedonien aus die Welt erobern.

Todbringender Stachelwall
334 vor Christus zieht Alexander mit 35.000 Soldaten gegen die verhassten Perser ins Feld. Er schlägt sie am Granikos. Ein Jahr später treffen die feindlichen Heere bei Issos erneut aufeinander. An der Spitze der unerschrockene Alexander. In der engen Ebene sind seine Männer im Vorteil. Die makedonische Phalanx, bewaffnet mit fünf Meter langen Stoßlanzen, wird zur Trumpfkarte. Für die Perser ein todbringender Stachelwall. Mitten im Getümmel macht der besessene Kämpfer den persischen Großkönig Dareios aus. Der gerät in Panik, wendet und flieht. Der Sieger heißt Alexander. Seine Beute: die Kriegskasse und die Familie des Dareios. Mutter, Ehefrau und Töchter. Er behandelt sie mit Hochachtung. Ein Friedensangebot des Gegners lehnt er ab und zieht weiter.

Krönung zum Pharao
Als Befreier wird er bei seiner Ankunft am Nil empfangen. Denn Ägypten leidet schon lange unter dem persischen Joch. Nach der Krönung zum Pharao herrscht Alexander über den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Anders als die Besatzer respektiert er die Religion der Einheimischen. Im großen Tempel von Luxor lässt er sich als König darstellen, der dem Gott Amun Opfergaben darbringt. Die Ägypter verehren ihren Pharao aus der Fremde.

Highlight der Militärgeschichte
331 vor Christus. Getrieben von der Sucht nach Ruhm zieht Alexander von Ägypten aus ein weiteres Mal den Persern entgegen. Dareios hat inzwischen neue Truppen rekrutiert. Der Großkönig stellt sie aus den Völkern zusammen, die er einst unterworfen hat. Aus allen Ecken des Reiches eilen sie an den Hof. Sein Heer umfasst etwa 250.000 Mann - eine noch nie da gewesene Größe. Mit der überlegenen Reiterei und den gefährlichen Streitwagen will er Alexander vernichten.
Am 1. Oktober bereiten sich die Erzfeinde am Tigris auf die Schlacht vor. Die Makedonen fürchten sich. Eine Mondfinsternis versetzt sie in Panik. Ein schlechtes Omen, glauben sie. Eigentlich können sie gegen die Überzahl der Perser nichts ausrichten. Doch mit einem kühnen Plan gelingt es ihrem Anführer, die gegnerischen Reihen zu durchbrechen. Dareios flieht. Alexanders Sieg bei Gaugamela gilt bis heute als Highlight der Militärgeschichte.

Rastlos marschiert der neue König von Asien weiter. Babylon und Susa nimmt er im Handstreich. Der persische Staatsschatz fällt ihm in die Hände. Gold im Überfluss. Ein Segen für den Makedonen, denn der Kriegszug verschlingt Unsummen. Die Kämpfer brauchen Nahrung für Mensch und Tier - allein 80.000 Kilo Getreide pro Tag. Mit ihnen zieht ein endloser Tross von Zivilisten: Tausende von Arbeitssklaven, Handwerker, Gaukler, Geschichtenerzähler, Heiler, Zahnärzte und Chirurgen. Die 200 Waffenschmiede machen ein glänzendes Geschäft. Schwerter und Rüstungen müssen ständig erneuert werden.

Rachefeldzug
Im Januar 330 vor Christus nimmt er Persepolis ein. Die glanzvolle Metropole mit prächtigen Palästen und gewaltigen Tempeln übertrifft alles bisher Dagewesene. Die Stadt gibt Alexander seinen Männern zur Plünderung frei. Nach einem ausschweifenden Trinkgelage kommt es zur Katastrophe. Der alte Königssitz geht in Flammen auf. Der Rachefeldzug gegen die Perser, die 150 Jahre zuvor Athen angezündet hatten, hat sein Ziel erreicht. Nicht aber der Alexander, der Eroberer.

Persiche Sitten
Wie sein Vorgänger Dareios, lässt sich Alexander fortan als Großkönig verehren und führt persische Sitten ein: Den Kniefall vor dem Herrscher und den unterwürfigen Gruß, mit der Hand vor dem Mund. Als seine Männer dagegen meutern, lässt er die Drahtzieher, selbst enge Gefährten, kaltblütig hinrichten. Unerbittlich drängt der Makedone weiter. Alexander hat die Grenzen, die er sucht, noch lange nicht erreicht.

Quälende Sehnsucht
327 vor Christus zieht er über den Khaiber-Pass nach Nordindien - ins heutige Pakistan. Was wird ihn hinter den eisigen Felsriesen erwarten? Liegt dort der unendliche Ozean, das Ende der Welt? Das Ziel seiner Träume? Antike Quellen berichten von der quälenden Sehnsucht des strahlenden Helden. Eine innere Unruhe und seine Erziehung treiben ihn zum Äußersten. Er muss immer weiter und immer der Beste sein.

Sein letzter großer Kampf
Indien ist für die Makedonen fremdartig und voller Zauber. Es heißt, der griechische Gott Dionysos habe dort verweilt. Von der einzigartigen Natur fasziniert, glaubt sich Alexander dem Unsterblichen nahe. Es soll ein Märchenland mit unglaublichen Reichtümern sein. Mehr wissen die Soldaten nicht. 326 vor Christus müssen sie wieder zu den Waffen greifen. Am Hydaspes kommt es zur Schlacht mit Poros, dem mächtigsten König des Pandschab. Poros setzt seine kampferprobten Kriegselefanten ein. Die grauen Kolosse verbreiten Furcht und Schrecken. Hemmungslos trampeln sie alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Dennoch ist die makedonische Reiterei der indischen Armee haushoch überlegen. Ein Blutbad mit Verlusten auf beiden Seiten. Am Ende hat Poros keine Chance. Und wieder heißt der Sieger Alexander.

Das Ende der Welt
Von da an wendet sich das Blatt. Seine Männer meutern. Sie wollen nach zehn Jahren Krieg zurück in die Heimat. Der Feldherr fühlt sich verraten. Er zieht sich in sein Zelt zurück und schweigt - wie sein Idol Achilles in der Ilias. Er fährt aufs Meer hinaus und opfert Zeus-Amun. Dann erklärt Alexander den Indischen Ozean zum Ende der Welt. Nun kann er den Rückzug befehlen, ohne sein Gesicht zu verlieren.
In drei Abteilungen brechen die geschundenen Truppen zu Lande und zu Wasser Richtung Persien auf. 30.000 überleben diese letzte Strapaze, nur ein Viertel des gesamten Heeres. Als heimgekehrten Dionysos lässt sich der Unbesiegte in Babylon feiern. In einem Feldzug der Rekorde hat er Übermenschliches vollbracht.

Plötzlich wirft ihn ein Fieber nieder. Am 13. Juni 323 vor Christus stirbt Alexander in der Blüte seines Lebens. Typhus, Malaria, Gift? Der Gigant, der Welteroberer, der Gottkönig ist tot.

Wo sein Grab liegt und welche Schätze es birgt, weiß niemand. Kein Ort, der dafür in Frage kommt, wurde bisher ausgelassen. 189 Mal wollen Profis und Laien die letzte Ruhestätte des siegreichen Helden aufgespürt haben. Immer war es ein Irrtum, aber nach wie vor brodelt die Gerüchteküche.

Sein Leichnam war nach ägyptischem Brauch mumifiziert - so antike Historiker. Der große Makedone wollte in der Oase Siwa bestattet werden. Dort, wo ihn das Orakel zum Sohn des Amun erhoben hatte. Bis nach Ägypten ist die königliche Mumie gelangt. Soviel steht fest. Dann verliert sich ihre Spur.

Machtsymbol der neuen Pharaonen-Dynastie
Historisch belegt ist der prächtige Leichenwagen, auf dem der Sarkophag aus purem Gold stand. Zwei Jahre soll es gedauert haben, bis das Prunkstück fertiggestellt war. Sechzig Maultiere haben ihn gezogen. Doch wohin? Von Babylon ins Land der Pharaonen. An der Grenze empfängt Alexanders Kampfgefährte und Nachfolger in Ägypten, Ptolemaios I., den Zug. Er lässt die Mumie nilabwärts bringen und auf dem Gräberfeld von Sakkara beisetzen. Als Machtsymbol der neuen Pharaonen-Dynastie, die mit dem großen Makedonen begonnen hat. Doch wie zu Lebzeiten findet Alexander keine Ruhe. Sakkara bleibt nicht Endstation.

Kostbare Reliquie
Jahrzehnte später kommt der Leichnam in die neue Hauptstadt Alexandria. Der amtierende Pharao will die kostbare Reliquie in seiner Nähe haben. Später wird der Tote in das Sema, den Königsfriedhof der Ptolemäer, umgebettet - vermutlich in ein makedonisches Grabmal.

Sensationeller Fund:
So wie sein Vater Philipp II. im griechischen Vergina. Die Anlage mit zwei steinernen Kammern ist von einem Erdhügel bedeckt. Der üppige Goldschatz in der Gruft des makedonischen Herrschers - ein sensationeller Fund. Für den Archäologen Manolis Andronikos erfüllte sich damals ein Lebenstraum. Seit seiner Entdeckung im Jahr 1980 ist der Tumulus von Philipp II. der einzige konkrete Anhaltspunkt für die Forscher, wie das Alexandergrab aussehen könnte. Gewusst haben es nur die Menschen der Antike. Julius Caesar war dort. Und Kaiser Augustus hat der Mumie sogar einen goldenen Kranz aufs Haupt gesetzt - so die Überlieferung.

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