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Mikrokosmos - Das Volk der Gräser

Ein Film von Claude Nuridsany und Marie Perennou

Käfer, Raupen, Ameisen und Mücken erscheinen durch die Makroaufnahmen einer Spezialkamera riesengroß. Im Mittelpunkt der einzigartigen Naturdokumentation des französischen Forscherteams Claude Nuridsany und Marie Pérennou stehen die "Bewohner" eines ganz ordinären Stück Wiese in Südfrankreich. Durch die ungewöhnliche Perspektive wird der Zuschauer im wahrsten Sinn in einen "Mikrokosmos" entführt, in eine geheimnisvolle Parallelwelt voller Metamorphosen, in der bizarr geformte Wesen über das Wasser laufen und grazile Hautflügler wie Wassernymphen im Mondlicht tanzen.

Es beginnt mit einem Sturz aus den Wolken. Die Kamera schwebt herab, passiert einige Baumgruppen und senkt sich auf ein Stück Wiese herab. Wie in einer Szene aus David Lynchs Spielfilm "Blue Velvet" duckt sich die Kamera zwischen die Gräser, um die Welt der Insekten zu beobachten. Nur wenige Worte des Kommentars leiten die atemberaubende Naturdokumentation ein. Alsdann wird der staunende Zuschauer entführt in eine Welt, die er zu kennen glaubt, die jedoch in der makroskopischen Vergrößerung winziger Spezialkameras so fremd und beinahe so "künstlich" aussieht wie in einem Monsterfilm der 50er Jahre. Nicht wissenschaftlich nüchtern ist der Blick der Biologen auf die sich in außergewöhnlicher Perspektive darbietende Tier- und Pflanzenwelt. Humor, so Regisseur Nuridsany, sei "ein wichtiger Aspekt des Films, wenn er auch nur vereinzelt aufkeimt". Etwa wenn ein fetter schwarzer Käfer - ein Skarabäus, auch "Pillendreher" genannt - seine Pille den Berg hinaufbewegt, worauf die Kugel mit ihm wie bei Sisyphus wieder hinabrollt. Oder wenn ein Fasan, groß wie Godzilla, mit seinem Schnabel nach Ameisen pickt, die hektisch zwischen seinen Krallen umherrennen. Einen Tag, eine Nacht und das folgende Morgengrauen haben die beiden französischen Filmemacher für ihre Welt- und Wiesenreise als äußeren Rahmen gesetzt. Diese Zeitspanne genügt, um das vielfältige Nebeneinander von Lebensformen aus einer selten gesehenen Perspektive nahe zu bringen. Die Abenteuer in dieser Mikrowelt werden eingefasst durch weiträumige Blicke auf Landschaften, Wolken und Regenstürme.

"Mikrokosmos - Das Volk der Gräser" bereitet vom ersten bis zum letzten Bild ein ungewöhnlich faszinierendes Filmerlebnis. 15 Jahre Vorbereitung, drei Jahre Drehzeit und sechs Monate für den Schnitt von insgesamt 80 Kilometern Film benötigten die französischen Biologen Claude Nuridsany und Marie Pérennou für ihre beispielhafte Naturdokumentation.

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