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Sphinx - Geheimnisse der Geschichte - Ewigkeit aus Menschenhand, Die sieben Weltwunder

Ein Film von Günther Klein

Erbarmungslos strahlt die Mittagssonne auf den Wanderer in der Wüste. Seit zwei Tagen hat er nichts gegessen, den Durst nur mühsam gelöscht mit dem wenigen Wasser, das er in einer zugebundenen Schweinsblase mit sich führt. Mit zusammengekniffenen Augen starrt er nun in das gleißende Weiß der endlosen Wüste. Sein Ziel: Babylon. Mühevoll, entbehrungsreich und gefährlich muss es gewesen sein, als Antipatros, der legendäre erste "Bildungstourist", sich vor mehr als 2000 Jahren aufmachte, um eine Liste zusammenzustellen, die bis heute eine Einzigartigkeit darstellt - und die sprichwörtlich geworden ist: Die Liste der "Sieben Weltwunder". Diese Weltwunderliste, deren Original nur noch als Fragment erhalten ist, erschien der Nachwelt so faszinierend, dass sie durch die folgenden Jahrhunderte fortgeschrieben wurde. Selbst in der Renaissance regte die Erinnerung an die Gebäude, die damals - mit Ausnahme der Pyramiden - längst nicht mehr standen, Maler und Dichter zu wilder Spekulation und Atem beraubenden Entwürfen an. Aber aller technischer Innovation zum Trotz blieb der Kanon der Weltwunder weitgehend identisch: zwei Grabstätten, zwei Seezeichen, eine Gartenanlage, eine Statue und ein Tempel - das war das merkwürdige Sammelsurium, das das Staunen der Welt auslöste. Worin lag diese endlose Faszination?

Die Pyramiden, das Mausoleum von Halikarnassos, der Koloss von Rhodos, der Leuchtturm von Alexandria, die Hängenden Gärten der Semiramis, das Standbild des Zeus in Olympia und der Artemistempel von Ephesus - diese Gebäude sind allesamt mehr als bloße Bauwerke.

Zusammengefasst unter der Zahl "7", einer Primzahl, der seit alters her magische Kraft nachgesagt wird, bilden sie ein neues Ganzes: Die Sieben Weltwunder stellen den - gescheiterten - Versuch dar, so etwas wie "Ewigkeit aus Menschenhand" zu verwirklichen. Die 7 Weltwunder sind Utopien vollendeten menschlichen Wirkens.

SPHINX begibt sich auf historische Spurensuche nach diesem Mythos - ein Blick hinter die Jahrtausende lang gewachsene Fassade aus Spekulation und Mutmaßung. Wie sehen die 7 Weltwunder wirklich aus? Waren sie tatsächlich so gigantisch und grandios, wie die antiken Schriftsteller weismachen wollten? Und wie konnten so herausragende Bauleistungen unter den damaligen Bedingungen überhaupt entstehen? Gab es gar Hilfestellung von Außerirdischen, wie in der Geschichte immer wieder vermutet wurde? Oder haben die Weltwunder, so wie sie geschildert wurden, nie wirklich existiert? Ist die Rede von ihnen eine bloße Legende? Mit Hilfe von Archäologen und Modellbauern wird der Film erstmals den verlorenen Wundern wieder historische Gestalt geben. Lässt sich an den Pyramiden und den ägyptischen Mumien das Geheimnis der Konservierung, die Herstellung von Ewigkeit im alten Ägypten, lüften? Lässt sich "Ewigkeit" erzeugen? Stand der Koloss von Rhodos wirklich als breitbeiniges Seezeichen über der griechischen Hafeneinfahrt, wie es zahlreiche bildliche Darstellungen zeigen? In einer Tauchaktion sucht das Filmteam mit Wissenschaftlern nach Resten des durch ein Erdbeben zerstörten Monuments. Statistische Berechnungen weisen darauf hin, dass der Koloss ganz anders als vermutet ausgesehen haben muss - und an einer ganz anderen Stelle stand. Wie sah der Leuchtturm von Alexandria aus? Brannte wirklich ein riesiges Feuer an seiner Spitze, das Schiffen bei Nacht den Weg wies? Und wie kann es sein, dass von diesem über 100 Meter hohen Steinturm heute keine Spur mehr zu finden ist? Das sagenhafte Standbild des Zeus, das der genial-wahnsinnige Künstler Phidias aus Gold, Elfenbein und Edelsteinen schuf, soll später in Konstantinopel verbrannt sein. Ein tragisches Ende, das dem seines Schöpfers ähnlich ist: Phidias starb im Gefängnis - bettelarm und verfolgt von Neidern. Gibt es einen Fluch, der auf denen liegt, die "Ewigkeit aus Menschenhand" zu schaffen suchen? Vor dem Auge des Zuschauers entsteht die Rekonstruktion des riesigen Artemistempels von Ephesus. Auch er wurde das Opfer einer Brandkatastrophe. Ein gewisser Herostratos soll es gewesen sein, der das prächtige Bauwerk der vielbrüstigen Göttin in Brand setzte - aus einem Motiv heraus, das an Wahnsinn grenzt, das aber auch Ewigkeit suchte: Herostratos erhoffte sich unvergängliche Berühmtheit durch diese wahnwitzige Tat. Ewigkeit, die sich auch Maussolos herbeisehnte, der kleinasiatische König, der noch im Tode "unsterblich" sein wollte - und sich ein gigantisches Grabmonument erbaute. Wie zum Hohn sind heute kaum ein paar Trümmersteine geblieben, die aber dennoch eine Rekonstruktion dieses Bauwerkes ermöglichen. Archäologen und Modellbauer lassen im Film das Bauwerk neu erstehen - und tauchen ein in die merkwürdige Welt des König Maussolos und seiner Frau Artemisia. Vielleicht ist das Weltwunder am dauerhaftesten, das niemals existiert hat? Wenig spricht dafür, dass die "Hängenden Gärten der Semiramis" wirklich in Babylon lagen. Vor Ort - im heutigen Irak - geht das SPHINX-Team unter schwierigsten Drehbedingungen der wissenschaftlichen Frage nach, was mit der antiken Formulierung "Hängender Garten" gemeint sein könnte, und ob es die sagenhafte Königin Semiramis mit ihrem unermesslichen Reichtum wirklich gegeben hat. Entspringt die Vorstellung vom grünen Paradies, in dem kühle Quellen sprudeln und große Bäume Schatten spenden, nicht vielleicht nur der Phantasie eines erschöpften Wüstenreisenden? Eines Antipatros zum Beispiel? Dann wäre dieses Weltwunder vielleicht das einzig wirklich dauerhafte, weil es nicht zu Staub zerfallen konnte und somit den Unsterblichkeitsmythos in der Phantasie für immer bewahrt.

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