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Stürmische Höhen
Wuthering Heights

99 Min.

Regie: William Wyler
Drehbuch: Ben Hecht und Charles MacArthur nach dem Roman von Emily Brontë
Musik: Max Steiner
Kamera: Gregg Toland
USA ,1939


Rolle:

Darsteller:

 

Cathy

Merle Oberon

Heathcliff

Lord Laurence Olivier

Edgar Linton

David Niven

Ellen

Flora Robson

Hindley Earnshaw

H. Williams

Isabella Linton

Geraldine Fitzgerald

Lockwood

M. Mander


Heathcliff liebt seine Ziehschwester Cathy Earnshaw, und sie ihn. Doch wie sollen er, der Findling mit der mutmaßlichen Zigeunerherkunft, und die vermögende Landbesitzerstochter zueinander kommen? Als sein Gönner, der alte Earnshaw, stirbt, ist Heathcliff schutzlos den grausamen Demütigungen von Cathys Bruder ausgeliefert. Er verlässt das Haus seiner Kindheit und sucht mit Erfolg sein Glück in der Welt. Während seiner Abwesenheit heiratet Cathy den wohlhabenden und sanften Edgar Linton, doch nach Heathcliffs Rückkehr flammt die alte Liebe wieder auf.

Dort wissen Sie, wie man sexuelle Leidenschaft filmt: Von Frankreich ist hier die Rede und von den Franzosen, und mit dieser lakonischen Feststellung beginnt Graham Greene seine Kritik von "Wuthering Heights", der Verfilmung von Emily Brontës Roman; verfertigt in Hollywood freilich, das damals, 1939, eher fürs vornehm Britische ein Faible hatte. "in diesem in Kalifornien konstruierten Yorkshire, unter den sensitiven neurotischen englischen Stimmen, ist Sex zellophaniert." Ein Akt der Profanisierung also: was radikal und absolut war im Roman, heilig und unbedingt in der Liebe zwischen Cathy und Heathcliff, ist unter der Regie von William Wyler merkwürdig hart und streng geworden. Dass man "Wuthering Heights", DIE legendäre Love-Story aus der englischen Heidelandschaft, in Frankreich verfilmen müsste, hat seine Richtigkeit und ist doch nicht die ganze Wahrheit zum Film, wie er zu sehen ist. Wyler hat keine einfache Verfilmung geliefert, eher einen Kommentar, zu einer Geschichte so abgründig, dass sie sich jeder Vermittlung durchs Erzählen zu entziehen scheint. Der Film ist klassisch heute, gerade weil er die rohe Materie der heftigsten Gefühle der Disziplin von Spiel und Inszenierung unterwirft.
Für Charles Boyer und Sylvia Sidney hatte Wyler den Stoff gedacht, und als dann Laurence Olivier als Heathcliff besetzt wurde, wollte der, an Stelle von Merle Oberon, seine Frau Vivien Leigh als Cathy. Ein Amour fou im Home movie ...
Heathcliff und Cathy, das ist eine Liebe über alle Grenzen hinweg, eine Liebe, die nichts ist diesseits des Todes. Die Surrealisten waren fasziniert von dieser Idee, der Sprengkraft wegen, mit der sie die Regeln der bürgerlichen Gesellschaft außer Kraft setzte. Seine mexikanische Versions des Romans hat in den Fünfzigern Buñuel gedreht, Abgründe der Leidenschaft, ganz Pathos und Provokatoin.
Von Leidenschaft gibt es nur Spurenelemente in Gregg Tolands Fotografie und Wylers Inszenierung, durch die die Bäume und die Figuren eine undurchdringliche Verschlossenheit gewinnen. Kein Melodram also, sondern - das macht den Film so herzzerreißend - die Analyse einer Besessenheit, einer Liebe kälter als der Tod. Sie kann nicht sein ohne den Hass, so verliert das Leid jede Bedeutung. Und die Lust hat das Feld des Schmerzes besetzt.
Die Anmaßung ist die größte produktive Kraft dieser Liebe. Oliviers Heathcliff ist in seiner Attitüde, aristokratisch und in sich selbst gekehrt, dem Citizen Kane aus dem gleichen Jahr enger verwandt als den romantischen Helden Hollywoods, Clark Gable zum Beispiel, der als Rhett Butler Vivien Leighs Partner in "Vom Winde verweht" war.
Ach Cathy, wie lang habe ich gebraucht, um zu dir gekommen ... Wyler inszeniert die Geschichte dieser beiden Liebenden in einem System von Anziehung und Abstoßung, wie ein physikalisches Experiment. Die Sturmhöhe ist kein Garten der Passion, sondern ein märchenhafter Ort, dem Wunderland der kleinen Alice vergleichbar, oder Angria und Gordal, den Traumländern der Geschwister Brontë. Und Cathy und Heathcliff sind hier ausgesetzt wie die Geschwister- und Liebespaare im Märchen. Und wenn sie auch gestorben sind ...

Wenige Romane der Weltliteratur wurden so oft verfilmt wie Emilys zeitlose Geschichte einer großen Passion, die selbst über den Tod triumphiert. Gleichzeitig wurden wenige literarische Vorlagen so massiv verstümmelt und radikal zusammengestrichen. In der klassischen und vielleicht berühmtesten Verfilmung von William Wyler (1939) mit Merle Oberon und Laurence Olivier fiel eine Generation dem Rotstift zum Opfer, Luis Buñuel verfrachtete die Handlung kurzerhand nach Mexiko ("Abismos de pasion", 1953), und Jacques Rivette bettete Cathy in die Provence um ("Hurlevent", 1985). Bei aller Universalität darf nicht vergessen werden, dass Emily ihre Geschichte in direkter Nähe des väterlichen Pfarrhauses ansiedelte und Brontëaner seit jeher in verlassenen Gehöften in den Mooren von Yorkshire die Originalschauplätze der Geschichte ausgemacht haben.

Auszeichnungen:
Oscar für 1939 für Gregg Toland (Kamera-Schwarzweiss)

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