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William Wyler, dem Hollywood-Regisseur par excellence, wurde die Retrospektive der Berlinale 1996 gewidmet. Obwohl heute fast vergessen, ist Wyler einer der erfolgreichsten Regisseure des US-Kinos, in dessen Filmen sich häufig ein europäischer Touch findet. Als Handwerker ist Wyler Perfektionist, als Künstler ist er Stilist, engagiert und integer, von Regisseuren des gegenwärtigen US-Kinos, von Steven Spielberg, Martin Scorsese und Clint Eastwood als ein Vorbild genannt.

Er ist der Regisseur von Ben Hur, einem der größten Erfolge Hollywoods, er ist Regisseur der klassischen Kriegsmelodramen "Mrs. Miniver" und Die besten Jahre unseres Lebens, er ist Regisseur von Western der zwanziger und der fünfziger Jahre, wie Weites Land, er ist Regisseur von Melodramen wie "Sturmhöhe" und "Jezebel" und von Komödien wie Ein Herz und eine Krone: Und er hat mit fast allen großen Hollywood-Stars gedreht.

In seinen Filmen haben Bette Davis, Olivia de Havilland, Mary Astor, Audrey Hepburn, Jean Simmons und Barbra Streisand gespielt, haben Humphrey Bogart, Henry Fonda, Laurence Olivier, Gary Cooper, Montgomery Clift, Kirk Douglas, Gregory Peck und Charlton Heston mitgewirkt.

Wyler, 1902 im elsässischen Mülhausen geboren und 1981 in Beverly Hills gestorben, wird Anfang der zwanziger Jahre von seinem Onkel Carl Laemmle, dem Filmpionier und Gründer der Universal-Studios, zu seinem Studio nach Hollywood geholt, wo er das Handwerk des Filmemachens beim Drehen von Stummfilm-Western von der Pike auf lernt. 1929 reüssiert er mit dem Film "Galgenvögel", mit dem er gleichsam über Nacht zum Regisseur wird. Er gilt als Autor im Studiosystem und als Regisseur, der seinen Schauspielern alles abverlangt.

Für seine Filme erhält er 127 Oscar-Nominierungen, insgesamt 38 Oscars haben seine Filme gewonnen, darunter dreimal die Auszeichnung für den besten Film und er persönlich als bester Regisseur. Die berühmte Autorin Lilian Hellman nennt ihn "the greatest of all american directors", Martin Scorsese bezeichnet ihn als "most honored director in Hollywood history".

Wyler entwickelt eine Technik der tiefenscharfen Inszenierung. Seine Filme sind poetisch und humorvoll, konzipiert mit großer psychologischer Raffinesse in der Ausarbeitung der Charaktere; sie erzählen US-Geschichten, verleugnen aber nie einen europäischen Kontext.

Selten liegen Wylers Sujets im Mainstream Hollywoods, wie bei Ben Hur, häufiger sucht er seine Plots in gesellschaftlich brisantem Umfeld wie etwa bei "Infame Lügen" über eine lesbische Beziehung oder bei dem sozial engagierten Melodram Sackgasse.

Kraft seiner Persönlichkeit gelingt es ihm, sich gegen die Hollywood-Mogule, die Produzenten Carl Laemmle, Sam Goldwyn, Louis B. Mayer, und Jack Warner, und gegen deren kommerzielle Ansprüche durchzusetzen und seine eigene künstlerische Handschrift und Autorenschaft zu wahren.

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Filmographie

1929: Galgenvögel

1933: Der Staranwalt von Manhattan

1936: Infame Lügen (These Three)

1936: Nimm, was du kriegen kannst

1939: Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds

1937: Sackgasse

1938: Jezebel - Die boshafte Lady

1939: Sturmhöhe (Wuthering Heights)

1940: Das Geheimnis von Malampur

1940: Der Westerner

1941: Die kleinen Füchse

1942: Mrs. Miniver

1946: Die besten Jahre unseres Lebens

1949: Die Erbin (The Heiress)

1951: Polizeirevier 21

1952: Carrie

1953: Ein Herz und eine Krone

1955: An einem Tag wie jeder andere

1956: Lockende Versuchung

1958: Weites Land

1959: Ben Hur

1961: Infam

1965: Der Fänger

1966: Wie klaut man eine Million?

1967: Funny Girl

1969: Die Glut der Gewalt (The Liberation Of L. B. Jones)

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William Wyler

  • Geboren am Dienstag, 1. Juli 1902
  • Geboren in Mühlhausen, Elsaß, Schweiz
  • Gestorben am Donnerstag, 27. August 1981

Als William Wyler stirbt, heißt es: "Der Regisseur von "Ben Hur" ist tot!" Denn dieser Film ist durch das Wagenrennen von Yakima Canut und Andrew Marton berühmt geworden und erhielt seinerzeit neuen Oscars. Das war allerdings schon Wylers zweite "Ben Hur"-Produktion, hatte er doch schon 1925 bei den Dreharbeiten zum Original als Regieassistent mitgearbeitet.

In Mühlhausen geboren, geht Wyler in Lousanne zur Schule. Schon früh bricht er aus der elterlichen Enge aus, arbeitet in Paris, bevor er mit 18 nach Hollywood geht. Nur mit einer Violine und einem Paar Schlittschuhen kommt er in Amerika an und arbeitet bald im Werbebüro der Universal, bei einem entfernten Verwandten, dem berühmten Carl Laemmle.

Zwar versteht Wyler vom Film nichts, aber er ist sehr schnell unerbehrlich. Als Regieassistent und Cutter dient er sich nach oben. Er versteht es, gut zuzuschauen. Schon bald darf er einen Billigwestern inszenieren. Dann wird Samuel Goldwyn auf ihn aufmerksam und gibt dem jungen Talent eine Chance.

Mit Literaturverfilmunen wie Emily Brontes "Stürmische Höhen" (1938) kann er sich etablieren, er entwickelt seinen spezifischen Stil der Tiefenschärfe: Mehrere Handlungsebenen überlagern sich in einer Einstellung. Die Beziehung der Personen untereinander werden durch durch die Anordung im Raum und nicht durch Schnitte wiedergegeben. Großen Anteil an der Entwicklung des "Wylderschen Stils" hat der Kameramann Gregg Toland, mit dem Wyler zahlreiche Filme schuf.

Wyler inszeniert "Dodsworth" (1936) und "These Three" (1936). Die Lesbierinnengeschichte nach Lilian Hellman wird von der Zensur unkenntlich gemacht. Schließlich folgt der Gangsterfilm "Sackgasse" ("Dead End", 1937), mit dem er bekannt wird. Dann entstehen "Jezebel" (1938), "Der Brief" (1940), im gleichen Jahr auch "The Westerner" und 1941 "Kleine Füchse". "Mrs. Miniver" (1942) wird mit vier Oscars ausgezeichnet - einer davon für die Regie - und vor allem ein ungewöhnlicher finanzieller Erfolg.

Höhepunkt seines Schaffens ist der 2. Weltkrieg. Er wird bei der Luftwaffe eingezogen und dreht den Dokumentarfilm "Memphis Belle" über eine Bomberbesatzung. Danach entsteht einer seiner vielleicht persönlichsten Filme: "Die besten Jahre unseres Lebens". Geprägt von den Kriegserfahrungen erzählt er das Schicksal von drei Soldaten, die aus der Hölle des Kriegs in die vermeintlich wohlgeordnete Welt einer friedlichen amerikanischen Stadt zurückkehren. Wyler erhält den Oscar für die beste Regie, doch wenige Jahre später weiß er, dass ein solcher Film in Hollywood nicht mehr gedreht werden darf.

Wylers Filme ähneln sich alle in dem typischen Wyler-Stil: Sorgfältige Inszenierung, gute Schauspielerführung, Bildkompositionen mit sehr viel Tiefenschärfe. "An einem Tag wie jeder andere" (1956) ist noch einmal einer der großen Wyler-Inszenierungen, die Geschichte einer Gangsterbande, die in eine Familie einbricht und tagelang unter Bewachung hält. "Lockende Versuchung" (im Original 'Freundliche Überredung', 1956) ist die Geschichte einer Quäkerfamilie im amerikanischen Bürgerkrieg. "Weites Land" von 1958 wird von der Kritik begeistert aufgenommen. Der eisige Thriller "Der Fänger" (1965) und "Wie stielt man eine Million" beweisen noch einmal die Vielseitigkeit seines Schaffens.. Nach dem großen Erfolg des Musicals "Funny Girl" (1968) dreht Wyler 1970 noch einmal einen gesellschaftskritischen Film "Glut der Gewalt" ("The Liberation of L. B. Jones".) Hier geht es um Kritik von Rassismus und Intoleranz im amerikanischen Süden.

Weitere wichtige Filme: "Die Erbin" (1949) mit Olivia De Havilland; "Polizeirevier 21" (1951): "Ein Herz und eine Krone" (1953).

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